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Lehrer-Umfrage nur noch heute: Wie gravierend sind die Probleme mit dem Handschreiben?

BERLIN. Wie gravierend sind die Probleme mit dem Handschreiben in der Schule? Und was lässt sich dagegen tun? Um diese Fragen zu klären, hat der Deutsche Lehrerverband (DL) gemeinsam mit dem Schreibmotorik Institut, Heroldsberg, eine Umfrage unter Lehrern gestartet – die läuft jetzt aus. Nur noch heute ist eine Teilnahme möglich, zu der DL-Präsident Josef Kraus alle Kolleginnen und Kollegen aufruft (hier geht es zur Umfrage). Unerwartete Aktualität hat das Thema durch die Ankündigung Finnlands bekommen, die Schreibschrift in den Schulen abschaffen und verstärkt im Unterricht auf die Tastatur setzen zu wollen. Droht eine solche Entwicklung auch in Deutschland? Immer mehr Experten, Politiker und Prominente warnen.  

Immer mehr Schüler haben offenbar Probleme mit dem Handschreiben. Foto: dotmatchbox / flickr (CC BY-SA 2.0)

Immer mehr Schüler haben offenbar Probleme mit dem Handschreiben. Foto: dotmatchbox / flickr (CC BY-SA 2.0)

Die Handschrift sei Teil der Persönlichkeit, Teil der Einzigartigkeit eines Menschen. „Verschwindet die Handschrift, verschwindet diese Ausdrucksform“, so zitiert die Neue Zürcher Zeitung Miriam Meckel, Professorin für Medienmanagement an der Universität St. Gallen. Auch Hirnforscher Manfred Spitzer hat sich zu Wort gemeldet. „Erlernen Schulkinder nicht mehr das Schreiben mit der Hand, kommt dies der Beraubung junger Menschen eines wichtigen Werkzeugs zur Steigerung ihrer Merkfähigkeit gleich“, so schreibt er in einem Beitrag für die Zeitschrift „Grundschule“.

Das Training der Feinmotorik beim Schreiben habe einen Einfluss auf die genaue Wahrnehmung von Mustern, und um genau diese Fähigkeit gehe es beim Lesen, erklärt der renommierte Neurowissenschaftler. Bei Kindern sei bereits im Kindergartenalter experimentell nachgewiesen worden, dass ein Schreibtraining mit lateinischen Buchstaben die Leistung der Kinder bei deren Erkennung verbessere. Spitzer: „Neurowissenschaftliche Untersuchungen mit funktionellen bildgebenden Verfahren zeigten darüber hinaus, dass das Erkennen von Buchstaben, die durch Schreiben mit einem Stift gelernt wurden, zu einer verstärkten Aktivität in motorischen Hirnregionen führt. Bei Buchstaben, die mittels Tastatureingabe gelernt wurden, war dies nicht der Fall. Daraus lässt sich schließen, dass nur das Formen von Buchstaben mit einem Stift motorische Gedächtnisspuren anlegt, die bei der Wahrnehmung von Buchstaben aktiviert werden und das Erkennen des Buchstabens in seinem visuellen Erscheinungsbild erleichtern. Die Verschränkung von Feinmotorik und Wahrnehmung konnte somit nicht nur durch entsprechende Beobachtungen an Kindern, sondern auch durch einen Blick in die Funktionsweise des Gehirns zweifelsfrei belegt werden.“

Auch aus der Politik kommen Bekenntnisse zum Handschreiben. Das Schreiben mit der Hand verbessere Lernfähigkeit und Geschicklichkeit, erklärte unlängst Hessens Kultusminister Alexander Lorz (CDU). Tastaturtraining sei lediglich für höhere Klassen sinnvoll, so Lorz, um im Deutschunterricht und anderen Fächern gute Texte zu produzieren. Finnland sei beim Handschreiben kein Vorbild, erklärte ebenfalls Baden-Württembergs Kultusminister Andreas Stoch (SPD). „Auch im digitalen Zeitalter ist es von grundlegender Bedeutung, dass Kinder eine persönliche Handschrift entwickeln“, sagte er. „Die Einübung von Handschrift in der Grundschule darf nicht zur Disposition gestellt werden“, warnt VBE-Vorsitzender Udo Beckmann. „Ich halte gar nichts davon, das Schreiben per Hand durch das Tippen auf der Tastatur zu ersetzen. Den Kindern darf unter dem Dach der Schule auf keinen Fall eine Beschränkung ihrer motorischen Fähigkeiten zugemutet werden.“

Josef Kraus begründet die Umfrage folgendermaßen: „Wir möchten auf die Probleme mit der Handschrift öffentlich aufmerksam machen. Dazu benötigen wir zunächst einmal eine Bestandsaufnahme. Dann wollen wir der Politik geeignete Maßnahmen vorschlagen. Ohne den Ergebnissen vorgreifen zu wollen, so ist doch deutlich: Wir benötigen mehr Förderung der Grob- und Feinmotorik schon in den Kindertagesstätten und dann in den Grundschulen.“ Kraus betont, dass es tendenziell einen Zusammenhang zwischen Lernleistung von Schülern und der Güte ihrer Handschrift gebe. „Wer gut und versiert schreibt, der prägt sich Geschriebenes besser und konzentrierter ein, er ist intensiver bei der Sache, er schreibt bewusster, setzt sich intensiver mit dem Inhalt und dem Gehalt des Geschriebenen auseinander.“ News4teachers

Hier geht es zur Umfrage.

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Ein Kommentar

  1. Wird durch das Schreiben nicht etwa die Fingerfertigkeit trainiert? Wäre ein solches Training nicht für spätere Berufe nützlich (Handwerker, Chirurg)? Gibt es dazu Untersuchungen?

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