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Philologenverband gegen Lehrerinnen mit Kopftuch im Schulunterricht

HANNOVER. Der Philologenverband Niedersachsen hat die von islamischen Verbänden neu entfachte Diskussion um das Tragen von Kopftüchern von Lehrerinnen im Schulunterricht zum Anlass genommen, noch einmal seine Auffassung zu unterstreichen, nach der das Kopftuch als Symbol das in den Schulen geltende Neutralitätsgebot verletze. Das schreibt der Verband in einer Pressemitteilung.

Kopftücher und Schleier sind im Schuldienst in der Regel verboten - bleibt das so? Foto: Ranoush / flickr (CC BY-SA 2.0)

Kopftücher und Schleier sind im Schuldienst in der Regel verboten. Foto: Ranoush / flickr (CC BY-SA 2.0)

Schule und Unterricht seien nicht der Ort, wo Lehrkräfte ihre religiös-politischen Haltungen demonstrativ zum Ausdruck bringen sollten, so der Vorsitzende der Lehrerorganisation, Horst Audritz. Das Einbringen solcher Haltungen eröffne die Möglichkeit einer Beeinflussung von Schulkindern. Außerdem seien damit Konflikte vorprogrammiert, die zu einer Störung des Schulfriedens führen könnten.

Im Übrigen sei das Kopftuch Ausdruck einer ausgeprägt konservativen Richtung des Islam, dessen Haltung mit wesentlichen Grundsätzen des Bildungsauftrages der Schulen, wie etwa der Gleichberechtigung der Geschlechter, kaum zu vereinbaren sei, betont Audritz. Die Mehrzahl der Musliminnen in Deutschland trage kein Kopftuch, was auch keine religiöse Pflicht sei. „Wir tun den vielen muslimischen Schülerinnen, die ohne orthodox-islamische Kleidungsvorschriften für Frauen hier in Freiheit und Gleichberechtigung leben wollen, keinen Gefallen, wenn wir sie durch eine kopftuchtragende Lehrerin unter zumindest moralischen Druck setzen.“

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5 Kommentare

  1. Das Kopftuch war früher auch für “sittsame” Christinnen Pflicht und ist für manche christliche Gemeinschaften (Baptisten z.B.) immer noch mindestens üblich! Ein Kopftuch finde ich nicht schlimm. Das Gesicht muss natürlich zu sehen sein. Der Rest sollte Privatsache sein. Wie das Kreuz, das ein Christ um den Hals trägt oder eben nicht.

    • Als das Kopftuch oder besser gesagt, die Haube für sittsame Christinnen Pflicht war, durften Frauen nicht wählen, nicht studieren, ja oftmals noch nicht mal zur Schule gehen. Das kulturelle Unbehagen, dass das islamische Kopftuch bei vielen Menschen hervorruft, rührt sicher von den Assoziationen mit diesen vormodernen Zuständen her.

  2. Das Kopftuch steht für die konservative Ausprägung des Islam, die in Vielem mit unserem Grundgesetz nicht vereinbar ist. Auf gar keinen Fall sollten Kopftuchträgerinnen an unseren Schulen unterrichten.

  3. Kopftuchlehrerin

    “Schule und Unterricht seien nicht der Ort, wo Lehrkräfte ihre religiös-politischen Haltungen demonstrativ zum Ausdruck bringen sollten” Ach! Und das wird nur durch ein Kopftuch erreicht? Fragen sie doch mal die muslimischen Schülerinnen und Schüler, die werden ihnen einiges über die religiös-politischen Haltungen ihrer Lehrkräfte erzählen. Und das, ohne dass diese eine ein sogenanntes Symbol an sich tragen! Sie fragen sich, wie das kommt? Durch ihre verbale Äußerungen! Diese transportieren oft eine message und glauben Sie mir, diese wird von der Schülerschaft verstanden! Sie machen es sich immer so leicht, indem sie Neutralität auf das Tragen eines Kopftuchs reduzieren, aber so einfach ist das leider nicht, denn eine Lehrkraft ist niemals neutral.
    “Im Übrigen sei das Kopftuch Ausdruck einer ausgeprägt konservativen Richtung des Islam, dessen Haltung mit wesentlichen Grundsätzen des Bildungsauftrages der Schulen, wie etwa der Gleichberechtigung der Geschlechter, kaum zu vereinbaren sei” Seid wann sind denn die Geschlechter im Islam nicht gleichberechtigt? Hab ich da etwas als praktizierende Muslimin nicht mitbekommen? Oder hat der Herr Audritz einfach zu viel in die Bild geschaut, als in wissenschaftliche Studien, die ganz genau belegen, dass muslimische Frauen Wert auf eine gleichberechtigte Beziehung der Geschlechter legen? Lieber Herr Audritz, beschäftigen sie sich doch mal ein wenig mit dem islamischen Feminismus. Dann würden sie auch nicht mehr so viel heiße Luft von sich geben. Ich trage ein Kopftuch und ich stehe ein für die vielfältigen Lebensweisen von emanzipierter Weiblichkeit, ob mit Kopftuch oder ohne Kopftuch! Versuchen Sie doch mal einen Dialog mit uns Betroffenen zu führen, dann würden Sie auch schnell Ihr von den Mainstream-Medien erworbenes Pseudowissen über uns korrigieren!

    • Es gibt, wie es aussieht, sehr unterschiedliche Auslegungsweisen und theologische Richtungen des Islam. Einige scheinen die Gleichheit der Geschlechter nicht zu lehren. Sehen Sie das anders?

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