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Realschullehrerverband: Statt einseitiger Akademisierung mehr Kooperationen zur Berufsorientierung

MÜNCHEN. Ohne Facharbeiter und Meister mit einem breiten technischen Wissen und hervorragenden kommunikativen Fähigkeiten gehe heutzutage im Handwerk nichts mehr. Das stellte der Vorsitzende des Bayerischen Realschullehrerverbandes, Jürgen Böhm, in einem Vortrag auf der Internationalen Handwerksmesse in München klar, schreibt der Verband in einer Pressemitteilung.

Fehlende Ausbildungsreife oder mangelndes Ausbildungsangebot? Die Zahl der jungen Menschen ohne Berufsabschluss in Rheinland-Pfalz stagniert. Foto: Charles & Hudson / flickr (CC BY-SA 2.0)

Der brlv will keine einseitige Akademisierung und wirbt für die duale Berufsausbildung und die Attraktivität der Handwerksberufe. Foto: Charles & Hudson / flickr (CC BY-SA 2.0)

Ein hervorragendes Reservoir für den dringend benötigten Nachwuchs seien dabei die bayerischen Realschulen, so Böhm: „Unsere Absolventen sind bei den Betrieben heiß begehrt. Denn in der Realschule erhalten sie eine fundierte theoretische Ausbildung, die immer den Bezug zur Praxis und der Lebenswirklichkeit behält. Hinzu kommen zahlreiche Angebote zur Förderung der individuellen Interessen der Schüler. Genau diese Voraussetzungen sind die Basis für den erfolgreichen Start in eine qualifizierte Berufsausbildung.“

Besonders betonte der Chef des Bayerischen Realschullehrerverbandes (brlv) die enge Zusammenarbeit zwischen Realschulen und der heimischen Wirtschaft: „Praktika und eine klar strukturierte Berufsorientierung sind im Lehrplan der Realschule fest verankert. So erhalten die Jugendlichen frühzeitig Orientierung, wie vielfältig ihre Möglichkeiten zur Gestaltung der weiteren Karriere sind. Zudem schaffen wir ihnen einen fließenden Übergang in anspruchsvolle Berufsfelder.“ Dabei seien die Realschulen seit Jahrzehnten durch eine Vielzahl von Projekten und Kooperationen fest mit der regionalen Wirtschaft verknüpft.

Die Kooperationen gerade zum Handwerk müssten in den kommenden Jahren dringend weiter ausgebaut werden: „Die Fachkräftelücke im außerakademischen Sektor wächst. Deshalb werden wir an den Realschulen intensiv für die duale Berufsausbildung werben und besonders die Attraktivität und Zukunftschancen der Handwerksberufe herausstellen. Die Fehler anderer europäischer Länder, die mit einer einseitigen Akademisierung zu einer enormen Jugendarbeitslosigkeit führten, werden wir nicht wiederholen. Dafür brauchen wir an der Realschule mehr pädagogische Freiräume, die mit zusätzlichen Lehrerstunden und Finanzmitteln hinterlegt sind. Unsere Lehrkräfte müssen die individuelle Unterstützung für eine zunehmend heterogene Schülerschaft ausbauen können. ‚On top’ können sie keine weiteren Aufgaben übernehmen.“

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