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SPD erwartet schnelle Verbesserung prekärer Arbeitsbedingungen an Hochschulen

BERLIN. Seit dieser Woche gelten in Bayern neue Grundsätze für die Verträge von Nachwuchswissenschaftlern an den Unis. SPD-Wissenschaftsexpertin Simone Raatz sieht nun gute Chancen, auch auf Bundesebene schnell zu einem Gesetz zu kommen.

Die SPD-Fraktion sieht gute Chancen, die Karrierewege von Zehntausenden wissenschaftlichen Mitarbeitern an Hochschulen schon bald per Gesetzesreform deutlich sicherer zu machen. Die stellvertretende Vorsitzende des Bundestags-Forschungsausschusses, Simone Raatz, sagte: «Wir werden schon im April einen Vorschlag in die Koalitionsfraktionen tragen. Das Gesetz wird spätestens zum 1. Januar 2016 auf den Weg gebracht.»

Die stellvertretende Vorsitzende des Bundestagsausschusses für Bildung, Forschung und Technikfolgenabschätzung Simone Raatz (SPD) ist zuversichtlich, bald die Arbeitsbedingungen des wissenschaftlichen Nachwuchses verbessern zu können. Foto: Foto-AG Gymnasium Melle / Wikimedia Commons (CC BY 3.0)

Die stellvertretende Vorsitzende des Bundestagsausschusses für Bildung, Forschung und Technikfolgenabschätzung Simone Raatz (SPD) ist zuversichtlich, bald die Arbeitsbedingungen des wissenschaftlichen Nachwuchses verbessern zu können. Foto: Foto-AG Gymnasium Melle / Wikimedia Commons (CC BY 3.0)

Die SPD spüre Rückendeckung aus dem Forschungsministerium von Johanna Wanka (CDU) für eine Änderung des seit 2007 gültigen, zum Missbrauch einladenden Wissenschaftszeitvertragsgesetzes. Raatz: «Wir sind mit Frau Wanka auf einem guten Weg. Jetzt erwarte ich aber auch, dass sie Druck macht bei der Unionsfraktion, die sich noch etwas versteckt.»

Das Problem: Mehr als 83 Prozent der wissenschaftlichen Mitarbeiter an deutschen Hochschulen seien befristet beschäftigt, sehr viele kürzer als ein Jahr. «Das ist kein Zustand. Wenn wir gute Köpfe in Deutschland halten wollen, müssen wir auch an unseren Universitäten und Hochschulen gute Arbeitsbedingungen bieten», sagte Raatz. Gerade jüngere Forscher und Dozenten suchten Sicherheit und Perspektiven.

Die Änderung des Gesetzes sei «ein wichtiger Baustein» gegen prekäre Verhältnisse an den Unis, betonte die SPD-Wissenschaftsexpertin. Sie beobachte allerdings weiterhin, dass die Hochschulen am bisherigen Zustand mit Blick auf ihre «Flexibilität» festhalten wollten. «Sie sind aber auch Arbeitgeber, und sie sollten gute Arbeitgeber sein.»

Das CSU-regierte Bayern hatte diese Woche mit neuen Grundsätzen für Nachwuchs-Wissenschaftler überrascht. Dort sollen befristete Verträge künftig mindestens ein Jahr Laufzeit haben, Doktoranden sollen üblicherweise für zwei bis vier Jahre beschäftigt werden, angehende Professoren für vier bis sechs Jahre, vereinbarten Bayerns Wissenschaftsminister Ludwig Spaenle (CSU) und Hochschulvertreter. Davon profitiert nach einer groben Schätzung des Ministeriums mehr als jeder dritte wissenschaftliche Mitarbeiter an den Hochschulen und sogar gut jeder zweite befristet Beschäftigte im sogenannten akademischen Mittelbau, also der Ebene unter den Professoren.

Raatz geht der CSU-Vorstoß nicht weit genug, sie sagt aber auch: «Das muss ich neidlos anerkennen: Gerade Bayern ist in diesem Beritt Vorreiter.» Das Land gebe nun ein Modell vor, an dem sich andere orientieren könnten. Die SPD wolle darüber hinaus einen weiteren Hochschulpakt, der Anreize für verlässlichere Karrierechancen und eine bessere Finanzausstattung der Hochschulen zum Ziel habe.

Die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW), die seit Jahren gegen die Tendenz zum «Uni-Prekariat» kämpft, zeigte sich erfreut. «Das ist ein wichtiger Schritt in die richtige Richtung», sagte der stellvertretende GEW-Chef Andreas Keller der dpa. «Nicht nur der Bund, sondern auch die Länder und die Hochschulen müssen ihre Verantwortung für berechenbare Karrierewege und stabile Beschäftigungsbedingungen in der Wissenschaft wahrnehmen.»

Die bayerischen Richtlinien nähmen einen zentralen GEW-Vorschlag auf: «Die Laufzeit eines Zeitvertrages muss dem Befristungszweck entsprechen.» Die geplanten Regelungen griffen «im Ergebnis zu kurz», sagte Keller. «Dennoch: Die vom bayerischen Kultusministerium vorgelegten Grundsätze zeigen, dass der von der GEW erzeugte Veränderungsdruck auch im Freistaat angekommen ist.» (Werner Herpell, dpa)

zum Bericht: Bayern beschließt bessere Arbeitsbedingungen für Wissenschaftler an Hochschulen
zum Bericht: “Teilweise ausgenutzt” – Koalition will sich endlich um Nachwuchswissenschaftler kümmern

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