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TÜV-Test: Neuen Schulmöbeln entweichen oft gefährliche Gase

KÖLN. Neue Möbel in Schulen sind zwar schön, können aber auch erhebliche Nachteile haben: Manchmal geben sie giftige Gase in die Luft ab – weit über den geltenden Grenzwerten. Das ergibt eine Untersuchung vom TÜV Rheinland.

Neue Schulmöbel können Schadstoffe freisetzen. Foto: hpeguk / flickr (CC BY 2.0)

Neue Schulmöbel können Schadstoffe freisetzen. Foto: hpeguk / flickr (CC BY 2.0)

Im Unterricht klagen Schüler oft über Kopfschmerzen oder Übelkeit. Die Ursache dafür liegt manchmal unsichtbar in der Luft: Wie der TÜV Rheinland warnt, können giftige Gase die Luft in Schulklassen belasten. Die Tester fanden heraus, dass die Werte für Gase, die aus Farben, Lacken, Klebern, Stühlen oder Tischen entweichen, die Empfehlungen des Umweltbundesamtes teilweise um ein Vielfaches überschreiten. Ihre Ergebnisse stellten die Experten nun in Köln vor.

Die Experten wollten wissen, wie sich die Schadstoffbelastung von ungeprüften Möbeln und Bauprodukten zu geprüften Stoffen unterscheidet. Auf dem TÜV-Gelände in Köln bauten sie hierfür zwei identische Klassenzimmer auf: das eine mit konventionellen Stoffen aus dem Baumarkt, das andere mit schadstoffgeprüften Materialien. In verschiedenen Phasen nahmen die Techniker Luftmessungen vor.

Das Umweltbundesamt stuft mehr als drei Milligramm an sogenannten flüchtigen organischen Verbindungen pro Kubikmeter Luft als bedenklich ein. Etwa das 27-fache dieses Wertes entdeckten die Tester vom TÜV in der Raumluft mit den ungeprüften Produkten.

«Für Schüler sind solch hohe Werte gesundheitsgefährdend», erläutert Kerstin Etzenbach-Effers, Chemie-Expertin bei der Verbraucherzentrale NRW. Das gilt aber auch für Lehrer: Lösungsmittel reizen die Atemwege, verursachen Kopfschmerzen, sorgen für Unwohlsein. Zum Beispiel für Asthmatiker werden frisch renovierte Klassenräume dadurch zur Qual.

Wie die Untersuchungen ergeben hätten, entweiche ein großer Teil der Gase aus neuen Möbelstücken, erklärt der Geschäftsfeldleiter für Gefahrstoffe beim TÜV Rheinland, Walter Dormagen. Die Möbelindustrie sieht dagegen die Verantwortung bei den Schulen. «Bei Renovierungen oder beim Neubau spielen die Schadstoffemissionen der Produkte in den Ausschreibungen kaum eine Rolle», sagt der Geschäftsführer der Deutschen Gütegemeinschaft Möbel (DGM), Jochen Winning.

Wollen die Schulen ihre Räume neu ausstatten, seien ganz andere Dinge gefragt: Oberflächen von Tischen müssten besonders langlebig und haltbar, Stühle höhenverstellbar und kippsicher sein. Zwar steige bei den Verbrauchern die Nachfrage nach Qualität. Jedoch seien schadstoffarme Produkte mit deutlich höheren Kosten verbunden.

Aber ist die Situation nun alarmierend? Die Verbraucherzentrale NRW weist darauf hin, dass die Belastung der Raumluft im Laufe der Zeit sinkt. Durch regelmäßiges Lüften verflüchtigen sich die Stoffe nach und nach. Nach einem halben Jahr erreichen die Werte ein niedriges Niveau.

Ein Problem für sich seien noch die Putzkolonnen, die nach Schulschluss die Klassenzimmer reinigen: Mit ihren Reinigungsmitteln brächten sie eben jene Lösungsmittel wieder in die Räume, die man durchs Lüften eigentlich verbannen wollte. dpa

Zum Bericht: Experten – PCB in Schulen ist weiter ein Problem

Ein Kommentar

  1. Die Rede ist von “konventionellen Stoffen aus dem Baumarkt”. Der Artikel gibt keine Auskunft darüber, was von Möbeln aus den Katalogen von Schulausstattern zu halten ist, und genau das wäre für Lehrer wichtig zu wissen. Wurde das überhaupt getestet?

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