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Wie neutral muss ein Lehrer sein? Bonner Schüler kämpfen gegen Burschenschafts-Pädagogen

BONN. Herr K., Politiklehrer in Bonn, ist aktives Mitglied der erzkonservativen „Alten Breslauer Burschenschaft der Raczeks zu Bonn“. Einige seiner Schüler haben das jetzt herausgefunden und fordern seinen Austritt aus „dem braunen Sammelbecken“. Der Konflikt wirft die Frage auf: Wie neutral muss ein (Politik-)Lehrer sein?

Burschenschaft ist nicht gleich Burschenschaft, aber die „Alte Breslauer Burschenschaft der Raczeks zu Bonn“ hat in der Vergangenheit  unter Beweis gestellt, warum Ihnen ein stramm rechter Ruf vorauseilt. Zwei Beispiele: 2011 hatten die„Raczeks“-Brüder ihrem Dachverband vorgeschlagen, einen „Ariernachweis“ einzuführen. Anhand von Gesichts- und Körpermerkmalen sollte festgestellt werden, ob ein Mensch zum „deutschen Stamm“ gehört oder nicht. Sie konnten sich mit diesem Vorschlag aber innerhalb des Dachverbands aber nicht durchsetzen. K. ist seit 28 Jahren Mitglied bei den Raczeks. Zu den sogenannten „alten Herren“ der Raczeks gehört auch Norbert Weidner. Der bezeichnete u.a. den Widerstandskämpfer gegen den Hitlerfaschismus Dietrich Bonhoeffer öffentlich als „Landesverräter“ und den Mord an ihm im Konzentrationslager Flossenbürg als „rein juristisch gerechtfertigt“.

Damenverbindungen gehen mit den Traditionen lockerer um traditionelle Corps, befindet die Gießener Politikwissenschaftlerin Alexandra Kurth (Bild: Gustav Adolf Closs: „Bestimmtag der vier Tübinger Corps Franconia, Rhenania, Suevia und Borussia“,Mehlauge / Wikimedia Commons)

Burschenschaftler sind  Gruppierungen, die meist im 19. Jahrhundert gegründet wurden. (Bild: Gustav Adolf Closs: „Bestimmtag der vier Tübinger Corps Franconia, Rhenania, Suevia und Borussia“,Mehlauge / Wikimedia Commons)

Anlass der aktuellen Empörung ist jetzt, dass ein Schüler des Politiklehrers K. den Pädagogen dabei gesehen hat, wie er bei der von führenden NPDlern und anderen Rechtsradikalen aufgesuchten „Buchmesse Zwischentag“ die Besucher begrüßte. K. habe dort eine Art militärische Uniform getragen.

Die Schüler des Lehrers K. finden dieses Umfeld, in dem sich K. offenbar seit Jahrzehnten bewegt, schockierend. Von Schülern mit dem Auftritt bei der Buchmesse konfrontiert, erklärte sich Lehrer K. folgendermaßen: Die „Raczeks“ seien überhaupt keine rechtsradikale Organisation. Er sei gar nicht aus politischen Gründen Mitglied der „Raczeks“ geworden, sondern wegen seines Vaters und aus„Familiengefühl“. Aus „politischen Gewissensbissen“ habe er sogar einmal erwogen, auszutreten. Das alles steht in einem offenen Brief, den die Schüler ihrem Lehrer geschrieben haben und  im Internet veröffentlicht haben. Die Schüler überzeugten diese Erklärungen nicht. Sie könnten ihn als Politiklehrer nicht mehr ernst nehmen, schreiben sie.

Jetzt liegt der Ball bei den Vorgesetzten. Die Schulleiterin ist mittlerweile in das Problem eingebunden. Gegenüber „spiegel online“ sagte sie, sie sehe keine Schwierigkeiten, die Verbindung sei nicht verboten, der Lehrer verhalte sich rechtmäßig.  Auch die Bezirksregierung sieht keinerlei „vorwerfbares Verhalten“ von K. im Unterricht, wie SZ.de schreibt. Solange K. seine politischen Überzeugungen nicht im Unterricht äußere. Die Studentenverbindung sei keine verbotene Organisation und was K. privat mache, sei seine Angelegenheit. Klärende Gespräche mit allen Beteiligten seien jetzt geplant. nin

8 Kommentare

  1. Ich stimme der Schulleiterin zu: So lange das Hobby des Lehrers legal bleibt und keinen Einfluss auf seine Arbeit hat, soll er es weiter ausüben dürfen.

  2. Interessant. Bei linken Lehrern (gut 75%) wird kein Aufstand gemacht, obwohl die ihr Weltbild sehr wohl den Schülern oktroyieren, bei vermeintlich Rechten wird dann aber gleich der Notstand ausgerufen.

    • So ist es! Linke Gewalt oder schulische Indoktinierung gelten als nicht vorhanden oder gerechtfertigt und notwendig. Da können Menschen verletzt, Polizisten attackiert und beschimpft werden, Autos und Gebäude in Flammen aufgehen, dennoch wird dem Volk seit Jahrzehnten eingebläut, dies sei zwar bedauerlich, aber entschuldbarer Ausdruck eines berechtigten Zorns.
      Haben Meinungsgegner aus gutbürgerlichem und gesetzestreuen Lager kein Recht auf Empörung oder Zorn über das, was sie nicht in Ordnung finden? Offenbar nicht, denn sie können noch so zivilisiert, gut begründet und friedlich ihr Anliegen auf die Straße bringen, sie werden doch als Teufelsbrut (sprich Rechte, also Rechtsextremisten) abgestempelt.
      Bei der DEMO FÜR ALLE brüllten die linken Gegendemonstrantenaus der LSBTI…-Szene: „Eure Kinder werden so wie wir!“ und gaben damit den Befürchtungen der Eltern auf sexuelle Indoktrinierung in der Schule (und nicht Toleranz-Erziehung!) recht.
      Was muss noch geschehen, damit endlich mehr Menschen aufwachen und die Dinge so sehen, wie sie sind?

    • Sie können sich bei Mutti bedanken, die mit ihrer CDU so weit nach links gerückt ist, dass die — ebenfalls bereits gemäßigtere — CSU bereits im rechtsextremen Rand der Gesellschaft gelandet ist.

  3. Burschenschafter

    Das Artikelbild zeigt gar keine Burschenschafter. Was hat es mit dem Thema zu tun?

  4. Hier wird eine anonyme Hetzjagd auf einen Lehrer veranstaltet, dem (dienst)rechtlich nichts vorzuwerfen ist und der nur sein Recht auf Meinungs- und Versammlungsfreiheit wahrnimmt.
    Nicht seine Mitgliedschaft in einer Burschenschaft ist der Skandal, sondern die Tatsache, dass hier eine mediale Treibjagd auf einen politisch Missliebigen abläuft. Wo ist hier die so häufig beschworene Toleranz?

  5. In einer Demokratie hat jeder das recht auf seine Meinung.Die Schule muss aber ein Ort der Neutralität sein,und wenn der Lehrer sich in der Schule neutral verhält,dann geht so eine Hetze gar nicht.Langsam reicht es.Hier werden Kinder mit Einladungen zu eine Demo am 1. Mai nach Hause geschickt gegen Pro NRW.Da frag ich mich als Mutter wo die Neutralität ist?Warum werden Kinder instrumentalisiert? Bei so etwas sollte man mal auf den Tisch hauen und den Begriff der Neutralität,das Demokratieverständnis und natürlich das Grundgesetz in einer Weiterbildung den Lehrern näher bringen.

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