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Eltern stemmen sich gegen Aus für die Odenwaldschule

HEPPENHEIM. Die Eltern der Odenwaldschule wollen sich nicht mit der Schließung abfinden. Die Hoffnung auf Rettung stützt sich derzeit auf ein Fondsmodell, das aber noch nicht ausgereift sei. Doch das Zeitfenster ist eng, mit Beginn der Sommerferien ist eigentlich Schluss für die skandalgeschüttelte Schule.

Im Ringen um die Zukunft der mehr als 100 Jahre alten Odenwaldschule soll die Verantwortung nun unter einem Dach gebündelt werden. Bis zur Vorstandsneuwahl des Trägervereins am 17. Mai übernimmt das Leitungsteam die Verantwortung, wie die Schule am Donnerstag in Heppenheim mitteilte. Das Organ sei zudem befugt, über Geschäfte des Vereins bis zur Mitgliederversammlungen zu entscheiden. Der Vorsitzende Gerhard Herbert tritt zurück, eine neue Kandidatur schließt er aus. «Wir wollen, dass es in der aktuellen Lage eine klare Struktur mit einer einheitlichen Führung gibt», sagte Herbert. So könne man schnell handeln.

Goethehaus der Odenwaldschule, Foto: Kuebi / Wikimedia Commons (CC BY-SA 3.0)

Die Eltern der Odenwaldschule hoffen das Aus noch abwenden zu können. Ihre Hoffnung stützt sich auf den Grund- und Immobilienbesitz der Schule. Foto: Kuebi / Wikimedia Commons (CC BY-SA 3.0)

Derzeit kämpfen Eltern und ehemalige Schüler gegen die drohende Schließung der Schule. Bislang gibt es nach Angaben des Elternbeirats eine Fondslösung, die aber noch nicht ausgereift ist. «Wir tun alles für das Überleben der Schule, aber es ist noch ein weiter Weg», sagte die Elternbeiratsvorsitzende Christiane Streitz.

Vorgesehen ist demnach, dass die Gebäude und Grundstücke der Schule im geschätzten Wert von insgesamt rund 30 Millionen Euro von einem Fonds gekauft und an die Schule zurückvermietet werden. Dies würde der Schule finanziell Luft verschaffen, um sich mit ihrem neuen Konzept neu aufzustellen.

Der Vize-Landrat des Kreises Bergstraße, Matthias Schimpf (Grüne), sagte dazu, die Initiative sei unterstützenswert. Wichtig sei aber, dass sie tragfähig sei und die Finanzierung über mehrere Jahre sichere. Das Zeitfenster dazu sei eng. Ein Sprecher der Schule sagte, es gebe bewundernswerte Aktivitäten der Elternschaft zur Rettung. Alle weitergehenden Aussagen wären Spekulation. Eine Finanzierung für die kommenden drei Jahre nachzuweisen, stelle alle Beteiligten vor eine große Herausforderung, sagte Herbert.

Am vergangenen Wochenende hatte der Trägerverein das Aus für die Schule bekanntgegeben. Das Ende soll mit den Sommerferien kommen. (dpa)

zum Bericht: Odenwaldschule: Abwicklung beginnt – Schüler demonstrieren

2 Kommentare

  1. Offenbar sind viele ehemalige Schüler der Odenwaldschule in sehr einflussreichen Positionen. Mich würde interessieren, ob in diesem Umfeld (wie bei anderen Privatschulen und bei Studentenverbindungen) „Seilschaften“ entstanden sind, wo man sich gegenseitig hilft, auf wichtige Posten zu kommen.

    • Angelika Oetken

      @Reinhard,

      Netzwerke zu bilden, um sich gegenseitig Vorteile zu verschaffen, ist ja der eigentliche Zweck für den Betrieb dieser Art von Privatschulen. Der Fall der Odenwaldschule ist aber so komplex und wegen der Verbindungen der Schulträger zu wichtigen und machtvollen Teilen unserer Gesellschaft derart speziell, dass eine unabhängige Untersuchung aller Hintergründe und Zusammenhänge schon aus politischen und historischen Gründen nicht versäumt werden sollte. Bevor es dafür zu spät ist, weil Dokumente vernichtet wurden oder Zeitzeugen verstummt sind.

      Nur zwei Beispiele:

      zu den Unterstützern der Odenwaldschule gehörten Menschen, die in der „alten“ BRD Maßstäbe gesetzt haben.
      Alexander Camman hat 2010 in der „Zeit“ unter der Überschrift „Protestantische Mafia“ darüber berichtet.

      Die Aufnahme von SchülerInnen, deren Plätze von Jugendämtern finanziert wurden, erlaubte dem Täterpersonal Zugriff auf Kinder, die besonders große Schwierigkeiten hatten, deren Zugriff zu entgehen. Der Schulträger, hier ein Trägerverein hatte aber eindeutig – auch – ökonomische Vorteile davon. Denn es wurden für diese SchülerInnen zwar sehr viel höhere Platzgelder gezahlt, aber keine entsprechende Gegenleistung erbracht. Der dadurch erzielte Gewinn floss in Stiftungen. Von denen natürlich wieder Angehörige der OSO-Seilschaft profitierten. Um dieses System zu unterhalten, wurden wichtige Kontakte zu den Verantwortlichen gepflegt. Martin Bonhoeffer war zum Beispiel daran beteiligt. Als Angehöriger des Berliner Senats vermittelte er seinem Studienfreund Gerold Becker „problematische“ Jugendliche, die in dessen Opferprofil passten. Kinderhandel zum Zwecke der sexuellen Ausbeutung, finanziert von Berliner Bürgern. Als Gegenleistung konnte sich Bonhoeffer bei anderen Odenwaldschülern bedienen. Alles unter den Augen der Eltern dieser Schüler. Ein Teil der damaligen Elite propagierte, dass sexuelle Aktivitäten mit Erwachsenen Heranwachsende stärken. Dieser Standpunkt wurde sogar von Kinderschutzverbänden vertreten.

      Diese Muster, ordinäre Ausbeutung und Bereicherung wird wortreich moralisch als etwas Gutes verbrämt, sind in anderen Fällen organisierten, systematischen sexuellen Missbrauchs in Institutionen (Heime, Schulen unter kirchlicher Trägerschaft usw.) ähnlich. Und innerhalb der Erforschung von Wirtschaftskriminalität hinlänglich erklärt worden. Auch die Mafia stellt sich gern als Verfechter der Interessen von Marginalisierten dar.

      Man hat dieses Wissen bisher nur noch nicht auf institutionelle Missbrauchskriminalität angewandt.

      Angelika Oetken, Berlin-Köpenick, eine von 9 Millionen Erwachsenen in Deutschland, die in ihrer Kindheit und/oder Jugend Opfer schweren sexuellen Missbrauchs wurden

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