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Klassenfahrtboykott: Mehr Geld und Zeitausgleich, aber Arbeitszeiterhöhung bleibt

HANNOVER. Seit Monaten boykottieren niedersächsische Gymnasiallehrer Klassenfahrten. Grund ist nicht zuletzt die von der Landesregierung eingeführte Arbeitszeiterhöhung um eine Stunde. Mit mehr Geld und Zeitausgleich will Kultusministerin Frauke Heiligenstadt die Lehrer nun dazu bringen, wieder mit ihren Schülern zu verreisen. Ob Sie den Boykott damit beendet kann bleibt fraglich.

Höhere Kostenerstattung, besserer Zeitausgleich: Zur Beendigung des seit Monaten andauernden Klassenfahrtboykotts an Gymnasien hat Niedersachsens Kultusministerin Frauke Heiligenstadt (SPD) den Lehrern deutliche Verbesserungen in Aussicht gestellt. «Ich erwarte, dass sie Klassenfahrten nicht mehr boykottieren», sagte sie am Freitag nach einem Treffen mit Gewerkschaft und Bildungsverbänden in Hannover. Diese lobten das Angebot grundsätzlich. Ob es aber dazu führt, dass es bald wieder an allen Gymnasien Klassenfahrten gibt, ist offen. Denn am Grund des Boykotts, der Erhöhung der Unterrichtszeit um eine Stunde, will sie nichts ändern.

Ob es auf Klassenfahrt geht bleibt die Entscheidung jedes einzelnen Lehrers. Foto: kaswenden / flickr (CC BY-NC-SA 2.0)
Ob es auf Klassenfahrt geht bleibt die Entscheidung jedes einzelnen Lehrers. Foto: kaswenden / flickr (CC BY-NC-SA 2.0)

Der Vorschlag von Heiligenstadt sieht vor, die Obergrenze für Übernachtungskosten auf maximal 30 Euro pro Nacht anzuheben. Bislang liegt die Höchstgrenze bei 16,50 Euro. Heiligenstadt: «Dieser Betrag scheint mir in der heutigen Zeit nicht mehr angemessen.» Zudem soll die Erstattung von Nebenkosten, die im Rahmen der Fahrten entstehen, auf zehn Euro pro Tag und maximal 30 Euro pro Woche angehoben werden. Auch beim Zeitausgleich will Heiligenstadt Nachsteuern: Die bisherige Deckelung auf maximal vier Stunden pro Woche soll wegfallen und pro Reisetag eine «Plus-Stunde» gutgeschrieben werden.

Die kritischsten Töne gab es nach dem Gespräch vom Verband Bildung und Erziehung, der CDU, FDP sowie dem Philologenverband. Insgesamt stellten die geplanten Änderungen zwar einen deutlichen Fortschritt gegenüber der «derzeit unzumutbaren Situation dar», ein Boykottende sei damit aber nicht automatisch verbunden, sagte Verbandschef Horst Audritz. Es bleibe die Entscheidung jedes einzelnen Lehrers, ob er Klassenfahrten durchführe. «Die Personalvertreter von über 200 Gymnasien hätten erst kürzlich in einer einstimmig verabschiedeten Resolution die Fortsetzung dieser Aktion bis 2018 angekündigt, wenn die Landesregierung die Arbeitszeiterhöhung nicht zurücknehme.»

Genau dies will Heiligenstadt aber keinesfalls machen. Dies hat sie genau wie Regierungschef Stephan Weil (SPD) in den vergangenen Wochen mehrfach betont. Die Landesregierung spart mit der höheren Unterrichtsverpflichtung (24,5 statt 23,5 Stunden pro Woche) nach eigenen Angaben rund 80 Millionen Euro ein, die zur Finanzierung von Ausgaben für Ganztagsschulen, Krippen und Inklusion benötigt werden.

Großes Lob erhielt Heiligenstadt von der Bildungsgewerkschaft GEW, dem Landeschülerrat und dem Landeselternrat. «Wir gehen davon aus, dass die Boykotte zurückgenommen werden», sagte der Vorsitzende des Landeselternrates, Stefan Bredehöft. Lehrer, die ein professionelles Selbstverständnis von ihrem Beruf hätten, würden durch die mögliche Neureglung gestärkt und sicher wieder gerne Klassenfahrten leiten, betonte auch GEW-Landeschef Eberhard Brandt.

• zum Bericht: Tausende Schüler demonstrieren für Klassenfahrten – Lehrer wollen Land verklagen
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