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Studie: Stress durch Übertrittszeugnisse teilweise dramatisch

WÜRZBURG. Alle Jahre wieder sorgt die Vergabe der Übertrittszeugnisse für Streit in Bayern, denn das Zeugnis entscheidet verbindlich, welche weiterführende Schulart ein Kind besuchen darf. Eine Studie der Uni Würzburg hat nun untersucht, welchem Stress Kinder und Eltern durch die verbindliche Schulartempfehlung ausgesetzt sind.

Anhand des Notenschnitts entscheidet das Zeugnis verbindlich, welche weiterführende Schulart ein Schüler besuchen darf. Eine Studie der Universität Würzburg hat nun die Stressbelastung ermittelt, die mit diesem Verfahren für Grundschüler und ihre Eltern einhergeht. Zum Vergleich untersuchten die Wissenschaftler die Belastungen, den Schüler in Hessen vor dem Übertritt ausgesetzt sind. Im Unterschied zur bayerischen Regelung gilt hier ein Beratungsmodell für den Übergang zur weiterführenden Schule.

Daumen hoch Daumen runter

Der Übertritt mit verbindlicher Empfehlung durch den Lehrer bedeutet für viele Schüler und Eltern erheblichen Druck. Foto: Gerd Altmann / pixelio.de

Bayerische Schüler und auch ihre Eltern zeigten den Forschen zufolge ein signifikant höheres Stresslevel, als die hessischen. 55,6% der Eltern in Bayern fühlen sich durch den anstehenden Schulübertritt ihrer Sprösslinge gestresst. In Hessen waren es dagegen nur 36,4.

Besonders Kinder, deren Bildungsübergang noch unklar ist, wiesen gesundheitsgefährdende Stresswerte auf. Kinder, die an der Notenschwelle zwischen Realschule und Mittelschule (früher Hauptschule) liegen, bildeten eine erhebliche Risikogruppe, so die Studie. Hiervon sind immerhin 16 Prozent der bayerischen Übertrittskandidaten betroffen, Bei Ihnen steige der Stress in der vierten Klasse zudem noch einmal dramatisch an.

Kinder aus bildungsfernen Familien sind noch einmal stärker belastet als Kinder aus Familien mit höheren Bildungsabschlüssen. Dies sei auch darin begründet, dass diese Kinder über weniger Ressourcen zur Stressbewältigung verfügen.

Einen weiteren Belastungsfaktor stellten überzogene Bildungserwartungen durch die Eltern dar. Wenn Eltern mehr Leistung von ihren Kindern erwarteten, als diese realistischerweise erbringen können, führe dies ebenfalls zu einem erhöhten Stresswert der Kinder.

Angesichts ihrer Forschungsergebnisse sprechen sich die Wissenschaftler eindeutig für ein Beratungsmodell aus. Der Schulübertritt falle in eine besonders sensible Phase der kindlichen Entwicklung. Unnötiger Stress und äußere Zuschreibungen an die eigene Leistungsfähigkeit wirkten gerade bei
Kindern mit negativen Leistungsrückmeldungen deutlich lernhemmend.

Auch die GEW Bayern fordert die Abschaffung der Übertrittszeugnisse und die Freigabe des Elternwillens beim Übertritt. Mit der Zuweisung werde nicht nur eine Aussage über die Zukunft des weiteren schulischen Weges getroffen: Oft würden damit schon die Weichen für berufsbiografische Laufbahnen gestellt.

Die derzeitige Übertritttsregelung gehe zu Lasten der Kinder und ihrer Lernfreude, zu Lasten der Eltern, zu Lasten der Lehrer an den Grundschulen. Ein derartig festgelegtes, reglementiertes und bürokratisiertes Verfahren, welches vorrangig nach dem Grundsatz der Justiziabilität ausgerichtet sei, könne niemalseine Hilfe für die Betroffenen sein, so Wolfram Witte, stellvertretender Vorsitzender der GEW-Bayern.

In Bayern gilt die Regel, dass eine Durchschnittsnote in den drei Fächern bis maximal 2,3 zur Übertrittsempfehlung in das Gymnasium, zwischen 2,3 und 2,6 zur Empfehlung für die Realschule sowie bei einem Wert schlechter als 2,6 für die Mittelschule führt.  (News4teachers)

Hier geht’s zur Studie „Stressfaktoren bei Eltern und Schülern am Übergang zur Sekundarstufe“ (in neuem Fenster)
zum Bericht: BLLV fordert Freigabe des Elternwillens – Übertrittszeugnisse sorgen für Verdruss

40 Kommentare

  1. Die Empfehlung für die weiterführenden Schulen stellt auch eine enorme Belastung für die Lehrer dar. Es gibt nicht wenige Eltern, die auf unterschiedlichste Weise versuchen, Druck auszuüben (und mitunter ist es auch die Schulleitung). Zensurendurchschnitte wären eine gute Lösung, wenn denn Zensuren wirklich objektiv wären. Das sind sie jedoch nie. Ich kann immer mehr oder weniger für eine bestimmte Leistung verlangen und ich kann immer auch pädagogische Kriterien einfließen lassen. Wie soll man dann entscheiden, wo ein Kind nach der Grundschule weiterlernen soll. Einfach gesagt: Der Berufswunsch sollte entscheidend sein. Klar, dafür ist der Wechsel nach der 4. Klasse zu früh. Folglich sollte er später erfolgen. Vielleicht wie in Brandenburg und Berlin nach der 6. Klasse. Doch man ein Kind entwickelt sich eben erst später. DESHALB macht es Sinn, wenn die Kinder bis zur 10. Klasse gemeinsam lernen und dann – wenn Berufswünsche klar werden – entscheiden, welchen Abschluss sie machen wollen.

    • Martin Schuster

      Vom Berufswunsch die Länge des gemeinsamen Lernens abhängig zu machen, ist fragwürdig. Das wäre eine Grund- oder Einheitssschule bis einschl. 10. Klasse, die ebenfalls wieder Schwierigkeiten und Benachteiligungen mit sich bringt, weil die Kinder zu spät getrennt und gemäß ihrer Begabung und Arbeitshaltung unterschiedlich unterrichtet werden. Ein paar echte und nicht nur erhoffte Spätentwickler bestimmen dann den Kurs aller.
      Außerdem machen sich die meisten Schüler erst gegen Ende der Schulzeit klar, was sie werden wollen. Bei den Abiturienten ist das oft erst in Klasse 12 oder 13.
      Nicht selten wird nach Beginn einer Lehre oder eines Studiums sogar noch umdisponiert, weil sich erst dann der wahre Berufswunsch herausstellt.
      Es allen recht zu machen heißt, es den wenigsten recht zu machen und sich vor Entscheidungen zu drücken, die natürlich auch falsch sein können. Unsere Bildungssysteme bieten aber so viele Möglichkeiten, dass jeder bei genügend Begabung, Willen und Anstrengungsbereitschaft seinen gewünschten Weg machen kann.

    • Küstenfuchs

      Diese Argumentation mit den Spätentwicklern ist doch völlig an der Realität vorbei. Eine erhebliche Quote an Abiturienten bzw. Erwerbern der allgemeinen Hochschulreife hat nach der 4. Klasse nicht das Gymnasium besucht.

      An meinem Gymnasium gibt es mehr Schüler, die im letzten Jahr noch eine Real/Geinschaftsschule besucht haben und im Sommer zu uns gekommen sind als Schüler, die den anderen Weg weg von uns zu einer Gemeinschaftsschule gegangen sind bzw. gehen mussten. Das Leben ist also nicht vorbei, wenn man mit 10 Jahren nicht auf das Gymnasium kommt.

      Allerdings sollte man sich angesichts der erheblichen Belastung von Eltern, Kindern und Lehrkräften tatsächlich überlegen, ob eine rein an Noten orientierte Einteilung die richtige ist.

  2. Eine Entschärfung wäre auch, wenn ein Übergang zum Gymnasium (denn darum geht es ja immer) nicht nur nach der 4., sondern auch nach der 5. und 6. Klasse nicht nur möglich, sondern auch üblich wäre. Ein Wechsel nach oben ist viel schöner und motivierender als ein Wechsel nach unten.
    Das würde erfordern, auch den Kindern anderer Schulformen abstraktere Lerninhalte anzubieten (nicht aber abzufordern). Ob die Träume von der einen Schule für alle wirklich gute Lösungen bringen können, hat noch kein Bundesland überzeugend gezeigt – die Bildungs-Ergebnisse der verschiedenen Gemeinschaftsschulen bleiben abzuwarten.

    • Martin Schuster

      Wenn diese Ergebnisse denn unvoreingenommen geprüft und ehrliich bekannt gemacht werden. Bei den integrierten Schulformen, den Lieblingskindern der SPD, hat es meinem Wissen nach nie eine solche Prüfung gegeben, obwohl sie immer wieder angeregt wurde im Rahmen der nationalen Leistungsvergleiche. Der Pisa Papst, Andreas Schleicher, hat sich bis heute taub gestellt für den Wunsch, die Leistungen von Schülern des gegliederten Schulsystems mit denen von Gesamtschülern zu vergleichen.

      • Küstenfuchs

        Natürlich will er das nicht, weil wir alle wissen, was bei einem solchen Vergleich rauskommt.

        • mehrnachdenken

          Es gehört ja schon fast zu dieser unerträglichen Verlogenheit der Bildungspolitiker bzw. vieler Befürworter der Gesamtschulen oder anderer integrierter Systeme, dass immerfort von super Ergebnissen dieser Schulformen schwadroniert wird, belastbare Zahlen oder Beweise aber nicht vorgelegt werden.

          In dieses Bild passt die Aussage einer Obeschule in Niedersachsen, die nun auch IGS werden will und in diesem Zusammenhang von einer sehr erfolgreichen Schulform spricht.

    • Aus meiner Sicht stellt sich die Frage, was ist eine Umschulung nach unten? Das gibt es doch eigentlich nicht. Ist da irgendein Mobbing in Gang oder war es der Wunsch des Kindes. Wieso sollen immer nur die Wechsler einen tollen Abschluss haben? Da muss man doch mal nachfragen? Gymnasiasten gehen nicht einfach mal eben so krachen und haben dann kein Abitur. Ja, das haben wir so gelernt, Ursache und das was keine Ursache ist. Das muss man auch mal sehen. Das jemand der in der Zeit kurz vor m Abi krachen geht, ohne Studium oder vergleichbar hohen Abschluss überhaupt keine Zukunft mehr hat und auch nicht unterqualifiziert arbeiten gehen wird, weil in der Regel die erlernten Maßstäbe nicht gehalten werden können. Jedenfalls muss man da nicht noch sagen, wer denn nun das alles doch noch geschafft hat, wenn überhaupt niemand weiß, wo all die hin sind, die es nicht geschafft haben. Das wissen die vielleicht selber nicht mal, wieso auf einmal nicht. Sollten die nur Platz machen, für die die von unten kommen? Damit sie sehen, das sie doch niemand sind, was sie mal geglaubt hatten? Das klingt vielleicht alles irgendwie gemein, aber der Arbeitsmarkt ist noch viel gemeiner!

  3. Bei dieser Diskussion wird keiner gewinnen, 🙂 sage ich mal. Die Befürworter und die Gegner des gemeinsamen Lernens haben ihre Argumente und Gegenargumente wie jene, die die Existenz Gottes für wahr oder unwahr halten. Ich komme aus einem “Schulsystem”, in dem wir alle bis Klasse 10 gemeinsam lernten (POS) und einige dann noch 2 Jahre länger (EOS) und manche von uns sind Akademiker geworden, andere Arbeiter. Inwiefern uns unser Bildungssystem dabei geschadet oder genützt hat, kann ich nicht sagen. Wäre ich wirklich schlauer geworden, wenn ich schon nach der 4. Klasse einen anderen Bildungsweg beschritten hätte??? Aber wie gesagt, egal, was ich jetzt “aufbiete”, es wird doch “verrissen” werden. 🙂 Oben ging es mir lediglich um den Stress des Schulwechsels und die Frage, was dafür das geeignete Kriterium sein sollte.

    • Richtig, es gibt nun mal Anhänger der “gemeinsamen” und der “gegliederten” Schulformen, jeweils etwa die Hälfte der Wähler. Ein fairer politischer Umgang damit wäre, beide Systeme nebeneinander gleichberechtigt (d.h. gleiche Ressourcen) laufen zu lassen, was zumindest in Städten möglich sein müsste, und die Eltern entscheiden zu lassen.

  4. Ursula Prasuhn

    @sofawolf
    Vermutlich haben Sie Recht. Bei der Diskussion wird keiner gewinnen, denn beide Seiten sind gezwungen, mit Annahmen und Vermutungen zu argumentieren, weil Beweise fehlen.
    Diese möchte der ansonsten sehr testfreudige Herr Schleicher aber offensichtlich nicht erbringen, obwohl es ein Leichtes wäre, durch eine Prüfung der Schülerleistungen mehr Licht ins Dunkel zu bringen.
    Auch wenn ich von der vielen Testeritis nichts halte, scheint mir ein Leistungsvergleich in diesem Fall aufschlussreich und sinnvoll. Wer ihn abblockt, darf sich nicht wundern, wenn daraus logische Schlüsse gezogen werden.
    Andreas Schleicher ist in dem, was er tut, nicht unumstritten. Kritiker werfen ihm vor, dass er die Aussage der Pisa-Tests unzulässig überinterpretiert, indem er die Ergebnisse zu Argumenten für eine Sozialpolitik nach seinen Wünschen macht. So wird er nicht müde, für die Gemeinschaftsschule zu werben und damit erheblichen Einfluss auf den bildungspolitischen Kurs in Deutschland zu nehmen.
    Wenn er sich immer wieder weigert, einem überfälligen Leistungsvergleich zwischen Schülern von integrierten und nicht integrierten Schulen zuzustimmen, dann ist klar, dass er im Voraus um das Ergebnis weiß und es als schweres Geschütz gegen seine bildungspolitischen Forderungen ansieht.
    So sorgt auch er als gewaltiger Meinungsmacher dafür, dass Meinungsgegner zwar die Wahrheit ahnen – wenn nicht sogar kennen – sie aber nicht schwarz auf weiß beweisen können.

  5. Man könnte den Druck auch dadurch herausnehmen, dass man die Anzahl der verpflichtenden Leistungsnachweise erheblich reduziert. Allerdings geht die Zahl der Leistungsnachweise meist auf juristische Spitzfindigkeiten zurück – leider.

    • Richtig! Z.B. müssten ca. 3 sg. “kleinen” Noten eine Probe ersetzen müssen. Die Richtlinie: 22 Proben in D, M, HSU in ca. 20 Schulwochen sind viel zu viel !
      Ich verweise auf meinen Kommentar im anderen Forum (GEW), der genauso gut hier herein passen würde.
      http://www.news4teachers.de/2015/05/gew-bayern-fordert-abschaffung-der-uebertrittszeugnisse/#comment-188605
      In der Verordnung ging man übrigens in Deutsch auch von “Diktaten” – dort “Diktatproben” genannt, aus, das schon damals nicht mehr der aktuellen Pädagogik entsprach. Kaum ein Lehrer schreibt heute noch reine Diktate zur Überprüfung der Rechtschreibung. (Diktate sind natürlich viel schneller erarbeitet als die Themen von Rechtschreibproben.)

  6. @ Ursula Prasuhn u.a.,

    eigentlich gäbe es ja hunderttausendfache Vergleichsmöglichkeiten zwischen dem gegliederten und dem einheitlichen Schulsystem. Man könnte untersuchen, ob heutige Erwachsene, die im Westen das gegliederte und im Osten Deutschlands das einheitliche Schulsystem “durchlaufen” haben, irgendwelche signifikanten Unterschiede aufweisen – vor allem natürlich hinsichtlich der Qualität ihrer Arbeit. Ist der West-Arzt, -Lehrer, – Schuverkäufer ein besserer als der Ost-Arzt, -Lehrer, -Schuverkäufer DURCH seine Schullaufbahn. Ehrlich gesagt, ich vermute, es gäbe KEINE signifikanten Unterschiede ! Der Vorteil des gemeinsamen Lernens ist ja für viele der soziale Aspekt: eben das GEMEINSAME Lernen. Ansonsten gelten sicherlich wie immer die gleichen drei Faktoren für den Lernerfolg: der Lehrer, der Schüler, der Unterricht. Oben wie gesagt ging es nur darum, wie man den Stress nach der 4. oder 6. Klasse vermeiden kann, wo das Kind weiterlernen soll. Da wäre eben das gemeinsame (Weiter-)Lernen die einfachste Variante. Ich bin eher gegen klare Zensurenvorgaben (Zensurendurchschnitte), die das entscheiden, obwohl sie es uns sehr einfach machen würden, weil ich weiß, wie relativ Notengebung sein kann.

    • Ursula Prasuhn

      Die hunderttausendfachen Vergleichsmöglichkeiten ersetzen keinen aktuellen handfesten Test. Sie operieren mit Gefühl und Wellenschlag. Was ist noch auf die Schulbildung vor Jahrzehnten in Ost und West zurückzuführen und was auf Faktoren nach 1989?
      Ich kann mich erinnern, dass 3 “Ossi-Kinder” nach der Wiedervereinigung in meine damalige 3. Klasse kamen. Ich freute mich auf sie und war neugierig – auch weil ich gehört hatte, dass die Schulbildung im Osten gut gewesen sei. Alle Kinder enttäuschten mich jedoch mit ihren Leistungen und ein Mädchen zusätzlich mit seinem Sozialverhalten. Wenn ich aus dieser Erfahrung ein allgemeingültiges Urteil abgeleitet und in die Welt posaunt hätte, wäre das vermessen und unseriös gewesen.
      Nicht anders sieht es mit den unzähligen Vergleichsmöglichkeiten aus, von denen Sie sprechen. In Wahrheit sind es nur wenige Eindrücke aus eigener Erfahrung – wenn überhaupt. Und daraus soll ein zuverlässiges Urteil abgeleitet werden?
      Es kann nicht um subjektive Eindrücke und Ost-West-Vergleiche nach fast 3 Jahrzehnten gehen, sondern um Vergleiche von heute, wenn zwei Schulsysteme in ihrer Auswirkung auf die Schülerleistungen geprüft werden sollen.
      Aber daran haben weder Herr Schleicher noch die meisten Politiker oder die mächtige GEW das geringste Interesse. Da stellt sich natürlich die Frage: Warum wohl?

  7. *Schuhverkäufer

  8. PS: Man hat allerdings nach der Wende im Osten festgestellt (Umfragen; ich glaube von der bekannten Elisabeth Nölle-Neumann), dass die Menschen im Osten altruistischer eingestellt seien. Das passt ja schon irgendwie zum sozialen Aspekt des GEMEINSAMEB Lernens.

    ZITAT: “Altruismus (lat. alter ‚der Andere‘) bedeutet in der Alltagssprache „Uneigennützigkeit, Selbstlosigkeit, durch Rücksicht auf andere gekennzeichnete Denk- und Handlungsweise“,[1] kann bis heute jedoch nicht allgemeingültig definiert werden.” http://de.wikipedia.org/wiki/Altruismus

  9. Zum Stress:
    Wir “durften” noch alle eine Aufnahmeprüfung in Deutsch, Mathematik und Religionslehre machen; 3 Tage mit wildfremden Lehrern, in wildfremden Räumen, mit wildfremden Schülern und nur diese Prüfung entschied! Redet mir also nicht von Stress!
    Da ist es doch heute schon viel besser in Bayern.
    M.E. ist den Eltern die Durchlässigkeit des gegliederten Schulsystems zu wenig bekannt: Übertritt auch nach der 5., Gelenkklassen, mittlerer Abschluss auch an Mittelschulen, Übergang zur FOS/BOS, Übergang ans Gymnasium nach der 10…..
    Der Übertritt ist eine Weichenstellung, ja, aber die Gleise sind immer wieder über Weichen verbunden.
    Wenn nur der Elternwille entscheidet, verlagert sich der “Übertrittsstress” in einen permanenten “Schulstress” für die nächsten 3 bis 4 Jahre.
    Und beschult man länger gemeinsam, dann erhöht sich entweder der Personalaufwand erheblich oder es wird nach unten nivelliert Außerdem geht dann der Trend zu größeren Schulen, die organisatorisch und personalmäßig flexibler sind (aus für die kleinen ländlichen Schulen, Förderung der Urbanisierung…).

    Ich traue keiner Statistik (und auch pädagogischen Testreihe), die ich nicht selber gefälscht habe.

    rfalio

    • Ursula Prasuhn

      Trotz meines Plädoyers für einen Vergleichstest zwischen Schülern eines gegliederten Schulsystems mit denen eines integrierten bzw. einheitlichen muss ich Ihnen leider Recht geben: Misstrauen gegenüber Statistiken, Studien und pädagogischen Testreihen ist mehr als berechtigt.
      Ihrem gesamten Kommentar möchte ich beipflichten und hinzufügen, dass ich den Trend zu immer größeren Schulen mit Sorge sehe. An ihm mag der wirtschaftliche Aspekt stimmen, nicht aber der menschliche – besonders dann nicht, wenn es sich auch noch um Ganztagsbetriebe handelt.
      Massentierhaltung aus organisatorischen und ökonomischen Gründen ist verfemt. Tier- und Umweltschützer stellen sie täglich als Quälerei an den Pranger. Massenmenschhaltung aus organisatorischen und ökonomischen Gründen wird jedoch als Fortschritt und Bereicherung dargestellt – insbesondere von denen, die Pflege und Schutz aller Lebewesen als wesentliches Element ihrer Politik ausgeben, es sogar zum Markenzeichen erklären.

  10. In Punkto “Schülerfabriken” (Massenschulen) kann ich nur zustimmen. Ich sehe das auch nicht positiv und favorisiere die kleine Schule mit maximal 500 Kindern (gerne weniger).

    @ rfalio, diese Tests, die es ja manchmal immer noch gibt (z.B. bei Schulen in Berlin, die doch schon ab der 5. statt ab der 7. Klasse Gymnasium sind), sehe ich nicht wirklich als Alternative. Dann kann man auch den Zensurendurchschnitt der 4. Klasse nehmen. Den Übertritt an die nächste Schule an bestimmte Noten und/oder Durchschnitte zu binden, ist ja wie gesagt die einfachste und SCHEINBAR objektive Methode. Nur wenn man weiß, wie “flexibel” Notengebung ist und immer sein wird, dann kann das nicht wirklich eine Lösung sein. Statt der Zensuren dann wieder auf die Einschätzung der Lehrer zu vertrauen oder einfach die Eltern frei entscheiden zu lassen, bringt dann genau wieder die Probleme, die wir jetzt haben. Da beißt sich die Katze in den Schwanz. Wenn alle gemeinsam weitergehen, hat man diese Probleme nicht. Das ist nun mal so.

    • 500 SuS – was soll so eine Zwergschule? Bei sechs Jahrgängen sind das gerade 80 SuS je Jahrgang, also gerade einmal Dreizügigkeit. Wie will man da Wahlpflichtangebote oder Sprachenangebote machen? Das ist keine Schule, das ist ein Witz.

      Gymnasien mit der Schülerzahl würden ihre Existentberechtigung verlieren. 60 suS je jhg. bedeutet Zweizügigkeit – also das Aus. Die doppelte Anzahl von SuS also so zwischen 900 und 1100 ist für eine weiterführende Schule mit Oberstufe eine angemessene Schülerzahl.

      • Typisch! Wahlpflichtangebote oder Sprachenangebote u. ä. sind für Sie wichtiger als die Auswirkungen einer Massenaufzucht auf junge Menschen. Wie so oft lautet Ihre Devise: Hauptsache die Ökonomie stimmt, ob in finanzieller oder auch anderer Form. Es muss sich nur rechnen, andere Aspekte sind unwichtig.

        • Ja, wenn einem Überschaubarkeit wichtiger ist als entsprechende neigungsangebote zu machen, dann muss man Zwergschulen lieben. Wem die Ökonomisierung nicht gefällt, der sollte schon einmal Mittel für den Hauslehrer frei machen.

      • Ich kenne eine Schule, die Grund-, Realschule und Gymnasium enthält und sich zum Ziel gesetzt hat, nicht über die Zahl 600 hinaus zu wachsen. Und bei denen läuft es gut.
        Andererseits spüre ich an unserem Gymnasium, dass wir gewaltige Probleme mit verlorener Übersicht, Anonymität und mühsamerer Absprache haben, seit wir über die 1000 hinaus gewachsen sind.

  11. In dieser Diskussion ist wiederholt eine belastbare Studie zum Vergleich zwischen Schülern des gegliederten und des ungegliederten Schulsystem gefordert worden. Interessanterweise gibt es eine solche Studie vom Max-Planck-Institut für Bildungsforschung. Sie nennt sich BIJU-Studie (“Bildungsverläufe und psychosoziale Entwicklung im Jugendalter”). Durchgeführt wurde sie bereits in den 1990er Jahren über einen längeren Zeitraum. Es handelte sich um eine sog. Zwillingsstudie, in der zwei vergleichbare (vom Intellekt, der sozialen Herkunft, Schullaufbahnempfehlung, etc.) Jugendliche über einen längeren Zeitraum beobachtet und immer wieder getestet wurden. Zwilling A ging in das Gesamtschulsystem, Zwilling B in das gegliederte System über. Durchgeführt wurde die Studie in NRW, Sachsen-Anhalt, Berlin und Mecklenburg-Vorpommern, da hier zu diesem Zeitpunkt beide System parallel existierten.

    Die Ergebnisse sind recht aufschlussreich. Wohl zu aufschlussreich, da die Studie nie im größeren Umfang veröffentlicht wurde. Es gibt ein, zwei Artikel dazu in der Zeitschrift “Pädagogik” und auf einigen Websites. Auf der Seite des MPI steht sie nur noch in kleinen (ausgewählten) Auszügen. Die Gesamtstudie ist selbst in Uni-Bibliotheken nicht (mehr) zu bekommen. Prof. J. Baumert u.a. führten die Studie durch.

    Zu den Ergebnissen im Einzelnen werde ich mich an dieser Stelle nicht äußern. Wer Interesse hat, möge im Internet selbst suchen. Mit den o. g. Infos findet man etwas. Wäre die Studie mit so großer Breitenwirkung wie PISA veröffentlicht worden, wäre die Schulformdebatte in Deutschland möglicherweise in eine klare Richtung gelenkt worden.

    Schönen Gruß

    • Ursula Prasuhn

      Allerherzlichsten Dank, Herr Konrektor! Dass es eine solche Studie gibt, hätte ich nicht im Traum erwartet.
      Bisher habe ich zu ihr folgenden Artikel gelesen, der in der WELT erschienen ist und mich insofern erstaunt, als der Autor Vorsitzender des Arbeitskreises Gesamtschule e.V. ist. Vor diesem “Lobbyisten” kann ich nur den Hut ziehen.

      http://www.welt.de/print-welt/article521943/Das-darf-nicht-wahr-sein.html

      • Ich auch! Herrn Sprenger war die Wahrheit offensichtlich wichtiger als Lagerdenken. Das ist selten und aller Ehren wert.

        • Da verstehen Sie die Motive von Herrn Sprenger und seinem “Arbeitskreis Gesamtschule” offensichtlich falsch. Herr Sprenger und sein so genannter Arbeitskreis sind ausgewiesene Gesamtschul-Gegner, die seit mehr als 20 Jahren gegen Gesamtschulen zu Felde ziehen – insofern ist der Bericht in der “Welt” nix besonderes aus dieser Richtung.

          • Googeln schafft Klarheit, auch Ihnen.
            Bitte erbringen Sie den Nachweis für Ihre Behauptung!
            Herr Sprenger mag inzwischen wegen seiner abtrünnigen Meinung (durch besseres Wissen) nichts mehr mit dem Arbeitskreis zu tun haben. Das wäre nur logisch.
            Der “Arbeitskreis Gesamtschule e. V.” ist jedoch nach meiner Recherche nicht das, was Sie von ihm behauten. Es würde mich wundern, wenn Sie mich widerlegen könnten.

          • Bernd ist hier kein Unbekannter mehr, Beate. Seine Masche, die auf einen speziellen Typus im Netz schließen lässt, wurde in einem Artikel u. a. so beschrieben: “Er erklärt Tatsachen für nicht existent, verfälscht die Realitäten und setzt den gesunden Menschenverstand außer Kraft.”

          • Dann googeln Sie doch mal selber – und gehen auf die Seite des Arbeitskreises Gesamtschule. Dort heißt es in der Selbstdarstellung, der Arbeitskreis “kennt und benennt die Schwächen der integrierten Gesamtschule. Er befürchtet für Gesamtschülerinnen und für Gesamtschüler Nachteile in Ausbildung und Beruf. Er zweifelt an der Vermittlung von Chancengleichheit durch integrierte Gesamtschulen.
            Er hält den Zielkonflikt von Sozialer Integration, Individueller Förderung und Sozialem Lernen für ein nicht zu lösendes Dilemma.” Und Herr Sprenger ist Ehrenvorsitzender des Arbeitskreises Gesamtschule.

            Und dann, lieber realo, gibt es im Netz die Trolle, deren “Beiträge sich auf die Provokation anderer Gesprächsteilnehmer beschränken und keinen sachbezogenen und konstruktiven Beitrag zur Diskussion enthalten” (Wikipedia) Schöne Grüße vom gut informierten Bernd

          • Hallo, Bernd! Geben Sie mir doch mal den Link zu der Seite an.

          • Danke für den Link, Bernd! Ihre Angaben sind korrekt.

  12. ZITAT: “Durchgeführt wurde sie bereits in den 1990er Jahren über einen längeren Zeitraum. ”

    Aber in den 1990-er Jahren gab es die Einheitsschule der DDR doch nirgendwo mehr in Ostdeutschland. Und die westdeutschen Gesamtschulen sind damit doch nicht vergleichbar !!!

  13. Wenn die Gesamtschule neben Gymnasien besteht, dann scicken die Eltern doch ihre Kinder eher an die Gymnasien als an die Gesamtschulen. Die Gesamtschulen sind daran gescheiert! Sie waren verkappte Haupt- und Realschulen!

    • welchen vorteil hatten kinder zu g9-zeiten bei gymnasialer begabung vom besuch einer gesamtschule an stelle eines genausogut erreichbaren Gymnasiums? aus meiner sicht keinen mit der folge, dass die durchmischung der Leistungsfähigkeit nach unten verschiebt.
      zu g8-zeiten ist das noch extremer: im schnitt schlechteres abitur bei längerer schulzeit und im günstigsten fall nur mobbing von der g-kursklientestreberel.

  14. Um es noch einmal klar zu sagen, die oben erwähnte Studie ist eine Nebelkerze. Wie schon erwähnt, waren die Gesamtschulen nur bessere Haupt- und Realschulen, weil leistungsstarke Schüler an die nebenher weiter bestehenden Gymnasien geschickt wurden (überwiegend!). Da nimmt es dann auch nicht wunder, wenn die Schüler der Gymnasien in der erwähnten Studie besser abschnitten. Die besten Schüler gingen ja auch an die Gymnasien. Genau das konnte man nach der Wende in MeVo beobachten. Wenn ich mich recht erinnere, wurde nur in der Stadt Rostock aufgrund der massiven Proteste gegen das gegliederte Schulsystem (im ganzen Land) 6 Gesamtschulen erlaubt. Da es daneben dann aber auch Gymnasien gab, passierte das bereits Erwähnte ! Diese Studie ist absolut NICHT aussagekräftig.

    Aber womöglich gibt es (verborgene) Studien aus den 1980-er Jahren und früher zwischen dem Leistungsstand von Schülern aus der DDR und aus der Alt-BRD??? Kennt jemand sowas?

    • Ursula Prasuhn

      Irrtum, “sofawolf”, die Gesamtschulen waren nicht “bessere Haupt- und Realschulen”. Zu meiner Zeit gingen aus unserer Schule etliche Schüler nach der 4. Klasse zur Integrierten Gesamtschule (IGS). Sie war recht gefragt, weil sie die weit und breit am besten ausgestattete Schule war und schon rein äußerlich das ausstrahlte, wofür sie werben sollte: den pädagogischen Fortschritt. Hier galt für die Aufnahme eine strikte Quotenregelung. Ein Drittel der Kinder hatte eine Hauptschulempfehlung, ein weiteres Drittel eine Realschulempfehlung und das letzte Drittel eine Gymnasialempfehlung. Wenn ich nicht irre, war dieses Aufnahmeverfahren allgemein üblich.

      • GeS haben selten einen Anteil von einem drittel gymnasialempfohlenen. Um die angestrebte Heterogenität zu erreichen werden die bedingt Gymnasialempfohlenen als Gymnasialempfehlung und die bedingt Realschulempfohlenen als Realsculempfehlung behandelt. Des Weiteren wird die angestrebte Verteilung der geschlechter nicht erreicht; 60% Jungen zu 40% Mädchen.

        Die Tatsache, dass in den 80ern viele Eltern sich aus ideologischen Gründen für eine GeS entschieden, ist ein historisches relikt. Mich wundert die verbissenheit der gy-Befürworter, mit der sie die GeS bekämpfen. Liegt es daran, dass dem GY die exklusivität – die AHR zu erteilen – abhanden gekommen ist? Ist das der grund warum grundsätzlich eingefordert wird, die Kurse auf erweiterungsebne müssten Gymnasialniveau erreichen? Warum sollten denn geS-SuS schlechter behandelt werden als SuS an Hauptschulen im Profiltyp B oder an Realschulen? Es geht doch lediglich darum, am ende der 10 den MSA mit einem Q-Vermerk zu erreichen – wie im Profiltyp B der HS und an der RS.

        Wer sich nur – wie die GY-Befürworter – auf die gruppe der gymnasialempfohlenen konzentriert, macht einen entscheidenden Denkfehler. Aufgabe einer GeS ist es, die Möglichkeit auf einen höherwertigen schulabschluss möglichst lange offen zu halten. Die Besonderheit der GeS lag in der vergangenheit darin, dass sie die einzige Schulform war, die im Ganztag geführt worden ist, was sie für bestimmte Eltern zur Schulform ihrer Wahl werden ließ. Darüber hinaus ist es die Besonderheit der geS, dass sie bis zur Klasse 9 keine Versetzung kennt. Die sus gehen also von Jahrgang zu Jhg. am Ende des Schuljahres über. Minderleistungen sind folglich kein selektionsgrund wie an GY. Das verzerrt solche Leistungsuntersuchungen erheblich. Während Gy die weniger leistungsstarken sus jeweils am Ende eines Schuljahres aussortieren, bleibt die Schülergruppe an den geS konstant – abgesehen von Umzügen oder Seiteneinsteigern, die im Regelfall von GY kommen.

        Ob die IGS die bessere Schulform im Vergelich mit einer KGS ist, lässt sich für NRW nicht feststellen, da politisch motiviert die KGS ja nie zum Zuge gekommen ist. Interessanterweise hat die CDU, die die KOOP-schule massivst bekämpft und diskreditiert hat – den Schulversuch der “Gemeinschaftsschule” (HS und RS unter einem Dach) später als Schulversuch gestartet, um im ländlichen raum keine Schulstandorte schließen zu müssen.

        Wer ergebnisse der studie aus den 90ern heranzieht, sollte dies auch vor dem Hintergrund tun, dass in den 90ern der Anteil von Migranten an den GY im gegensatz zu den IGS wesentlch geringer war. Dies hatte zur Folge, dass ein großes Kontingent an Stunden im ganztag auf die Sprachförderung (DAZ) verwendet werden musste und somit nicht für eine fachliche Förderung in anderen fächern verwendet werden konnte. Die studie ist letztendlich der versuch Äpfel mit Birnen zu vergleichen. Genausogut kann man die durchschnittsgeschwindigkeit auf Bundesstraßen mit denen auf Bundesautobahnen vergleichen. Der Vergleich von Bundes- und Landesstraßen wäre hingegen angemessener.

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