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Verbände: Wirtschaft braucht Realschul-Absolventen

ULM. Lehrerverbände in Bayern und Baden-Württemberg wenden sich gegen eine Verwässerung der Realschule. Gerade in der mittelständischen Wirtschaft würden die Absolventen dringend benötigt, argumentieren sie.

Auf dem Süddeutschen Realschultag in Ulm warnten Verbandsvertreter vor einer einseitigen Orientierung junger Menschen auf akademische Bildung. Das führe zu Fehlqualifikationen und setze falsche Anreize, teilten die Realschullehrerverbände der beiden Länder mit. «Jeder Versuch, die Realschule in Bayern und Baden-Württemberg zu ersetzen oder zu verwässern, ist ein Schlag gegen die industriell und mittelständisch geprägten Wirtschaftsstandorte im Süden», betonten die Verbände.

Realschulbildung sei als Antwort auf den Fachkräftemangel hochaktuell, befinden die Realschullehrerverbände in Bayern und Baden-Württemberg. Foto: Charles & Hudson / flickr (CC BY-SA 2.0)

Realschulbildung sei als Antwort auf den Fachkräftemangel hochaktuell, befinden die Realschullehrerverbände in Bayern und Baden-Württemberg. Foto: Charles & Hudson / flickr (CC BY-SA 2.0)

Bildungspolitiker beider Länder müssten die Realschulen stärken, um den Fachkräftemangel zu bekämpfen. Durch den Anwendungsbezug und die klare Berufsorientierung würden die Absolventen aus Realschulen in der Industrie und im Handwerk dringend benötigt.

Einer Forsa-Umfrage zufolge finden 89 Prozent der Befragten in Bayern und Baden-Württemberg die Schulbildung an Realschulen wichtig beziehungsweise sehr wichtig, um dem wachsenden Fachkräftemangel zu begegnen. «Die Öffentlichkeit steht voll hinter den Realschulen», sagte Jürgen Böhm, Vorsitzender des bayerischen Realschullehrerverbands und des Verbands Deutscher Realschullehrer. Darum solle man sie inhaltlich weiterentwickeln statt strukturell an ihnen herumzubasteln.

In Baden-Württemberg befürchten CDU, FDP und Lehrerverbände, dass die Stellung der Realschule mit der Einführung der Gemeinschaftsschule durch Grün-Rot geschwächt wird. «Bildungsgerechtigkeit wird teils pervertiert, indem man die Bildungsqualität nivelliert», kritisierte Böhm. In Bayern sei diese Gefahr aktuell weniger groß.

SPD und Grüne in Baden-Württemberg wiesen die Kritik zurück. Laut der Grünen-Fraktion im Landtag hat Grün-Rot den Realschulen in dieser Legislaturperiode erstmals überhaupt zusätzliche Stunden zur Verfügung gestellt, «um die Ungleichbehandlung der alten Landesregierungen anzugehen», betonte Sandra Boser, bildungspolitische Sprecherin.

«Die Realschule hat auch zukünftig einen festen Platz in unserer Schullandschaft», teilte Stefan Fulst-Blei mit, der bildungspolitische Sprecher der SPD-Landtagsfraktion. «Von einer Schwächung kann keine Rede sein.» (dpa)

zum Bericht: Fachkräftesicherung: Realschullehrerverbände sehen sich durch Umfrage bestätigt

7 Kommentare

  1. RS ist die überflüssigste schulform überhaupt – Realien werden heute auch am GY gelehrt.
    Heißt nur nicht mehr realien sondern MINT-Fächer.

    • Quatsch! Geht es nur um die Lehrinhalte oder die Stufe, auf der sie gelehrt werden? Vermutlich plädieren Sie für die Abschaffung der Realschulen, weil das der erste Schritt ist, der getan werden muss in Richtung Gemeinschafts-, sprich Einheitschule. Für die Eliminierung der Gymnasien im nächsten Schritt wäre dies auch die notwendige Voraussetzung.

      • Die Abschaffung des gegliederten Schulsystems bedeutet ja nicht die Einheitsschule. – Da muss man ja nur nach Finnland schauen, wie es die empfehlung der “Experten” ist.

        Die 2einheitsschule” ist schon deshalb keine, da sie ja unterschiedliche Abschlüsse vergibt. Das zweigliedrige Schulsystem dürfte vor dem Hintergrund der niedrigen Geburtenzahlen als gesetzt gelten. unterhalb der GY wird es nur eine Schulform geben, die alles auffangen muss, was es eben nicht an das Gy schafft. Die Alternative wäre nämlich, dass die Schüler ewig lang durch die Gegend gekarrt werden müssten, um zu ihrer Schulform in ausreichender Zahl zu kommen.

        Die Gymnasien zerlegen sich durch die Maßgabe des freien Elternwillen bei der Anmeldung mit der dauer von selbst. Das Niveau an den GY sowie die Zusammensetzung der Schülerschaft entsprechen mittlerweile diesen Kriterien der Gesamtschulen aus den frühen Siebzigern des letzten Jahrhunderts. Die GY müssen ebenso wie die GeS anfangen Strategien zu entwicken, dass trotz des politischen Willens weniger Kandidaten bis in die gymnasialen oberstufen vordringen können. Nur ist das politisch nicht gewünscht. Für viele Schüler wäre es besser, sie gingen nach der 10 Klasse entweder in eine Ausbildung oder eine Fachoberschlklase, um über die Fachhochschulreife den Weg in einen Bachelorstudiengang oder ggf. eine Techniker- oder Fachwirtausbildung zu gehen. Auf dem Sektor der Berufkollegs/beruflichen Gymnasien sehe ich noch gewaltiges Potential.

        Ja ich bin für die “Einheitsschule” – aber unter anderen Bedingungen als an der heutigen IGS.

        frühkindliche Erziehung ==> verbindlich ab dem 3. Lebensjahr; Erwerb der sprachlichen Voraussetzungen sowie sozialer Kompetenzen.
        Grundschule ==> sechs Jahre. 1. + 2. Klasse jahrgangsübergreifend, bei guten Leistungen Versetzung in die 3. Kl. nach dem ersten Jahr. Bei hohem Förderbedarf Verlängerung der Eingangsphase auf drei Jahre.
        SekI (7. + 8. Jhg.) ==> gemeinsamer Unterricht an einer “Einheitsschule”; äußere Differenzierung in den Hauptfächern, größere Anzahl an Neigungsdifferenzierung (Wahlpflichtfächer).
        SekI (9. + 10. Jhg.) ==> Differenzierung in einen berufsvorbereitenden und einen gymnasialen Zweig; der berufliche Zweig bereitet auf die Fachoberschulreife oder eine berufliche Ausbildung vor. Letzteres bedeutet: Berufsvorbereitungspraktikum im Jhg. 10 an zwei Tagen je Woche und drei Tage Schulunterricht (D, M, E, GL, Ph).
        SekII ==> Wegfall der EF; Abi nach zwei Jahren

        • … und ich vergaß zu erwähnen, Gruppenstärken in der Primarstufe von 12 – 16 Kindern bei Doppelsteckung (Fachleherin + Erzieherin oder Sonderpädagogin).
          Und in der SekI 16 – 20 SuS ebenfalls mit Doppelsteckung bei weniger Vorgaben durch die Kernrichtlinien bzw. Kernlehrpläne – also mehr Autonomie für die Schulen.

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