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Vor der dritten Tarifrunde in Düsseldorf – Warnstreiks in Kitas im ganzen Land

DÜSSELDORF. Verhandelt wird in Düsseldorf, gestreikt auch in Karlsruhe. Dort mussten Eltern die Betreuung von Kindern anders organisieren, weil Kita-Beschäftigte auf die Straße gingen: Die Arbeit für Menschen dürfe nicht weniger wert sein als die Entwicklung eines Autos.

Mit der Forderung nach einer Aufwertung sozialer Berufe haben am Mittwoch mehr als 500 Beschäftigte von Kitas und anderen Einrichtungen in Baden-Württemberg die Arbeit niedergelegt. Allein in Karlsruhe blieben 33 von 40 städtischen Kitas und Horten geschlossen, wie ein Sprecher der Stadt mitteilte. Zweiter Schwerpunkt war Pforzheim. Die Aktionen sollen den kommunalen Arbeitgebern im bundesweiten Tarifstreit Druck machen, am Donnerstag wird in Düsseldorf weiterverhandelt. Die Gewerkschaft Verdi hatte auch bundesweit zum Streik aufgerufen. Betroffen waren einige Regionen in Schleswig-Holstein und Mecklenburg-Vorpommern und Nordrhein-Westfalen, vor allem aber Hessen, Bayern und Sachsen.

«Es kann doch nicht sein, dass die Arbeit für Menschen weniger wert ist als die Entwicklung eines Autos oder Computers», sagte der Sozialarbeiter und Personalrat Dieter Bürk auf einer Kundgebung im Anschluss an eine lautstarke Demonstration von rund 400 Menschen in Karlsruhe. Die diskriminierende Bezahlung sei historisch bedingt und längst überholt. Die noch aus dem Jahr 1991 stammende Eingruppierung für soziale Berufe gehöre «in die Mottenkiste der Geschichte».

Kommt es bis morgen zu keiner Einigung, dann stehen Urabstimmungen an - und womöglich unbefreistete Streiks. Das Foto zeigt eine Demonstration in Dortmund 2009. Foto: Mbdortmund / Wikimedia Commons / GNU Free Documentation License

Gestiegene Anforderungen aber keine entsprechende Erhöhung des Gehalts – Frühpädagogen und Sozialarbeiter kämpfen jetzt dafür. Das Foto zeigt eine Demonstration in Dortmund 2009. Foto: Mbdortmund / Wikimedia Commons / GNU Free Documentation License

Mit neuen Arbeitsfeldern wie der Beratung von psychisch Kranken oder der Flüchtlingshilfe seien die gesellschaftlichen Anforderungen an Sozialarbeiter stetig gestiegen, sagte Bürk. An der Demonstration nahmen auch Beschäftigte des Heidelberger Reha-Unternehmens SRH teil, die seit mehreren Wochen streiken, weil sie nach Gewerkschaftsangaben seit elf Jahren keine Lohnerhöhung mehr hatten.

Es gebe eine breite gesellschaftliche Wertschätzung für die Arbeit in Kitas und sozialen Diensten, sagte Verdi-Gewerkschaftssekretärin Amely Poll. «Der Wert der Leistung schlägt sich aber nicht in der Bezahlung nieder.»

Die Gewerkschaften Verdi und GEW fordern eine bessere Eingruppierung von bundesweit rund 240 000 Kinderpflegern, Erziehern und Sozialarbeitern in kommunalen Einrichtungen. Verdi spricht von einer Einkommensverbesserung von rund zehn Prozent. Die dritte Verhandlungsrunde steht am Donnerstag in Düsseldorf an. «Wir hoffen, dass sich die Arbeitgeber dann bewegen», sagte Poll. Für Donnerstag sind keine Aktionen geplant. dpa

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