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Bayern weitet bilinguales Lernen in der Grundschule aus

AUGSBURG. Früher wurde Englisch immer erst ab der fünften Klasse unterrichtet. Nun sollen die Kinder früher die Fremdsprache lernen. Seit mehreren Jahren läuft ein solches Projekt in Augsburg. Im Schuljahr 2015/16 wird es auf 20 weitere Schulen in ganz Bayern ausgeweitet.

Ab dem kommenden Schuljahr erproben bayernweit 20 Grundschulen für vier Jahre das Lernen in zwei Sprachen. Vorbild des Projekts ist eine Schule in Augsburg. Dort haben einzelne Klassen bereits seit 2007 Unterricht auf Deutsch und Englisch. Neben den Regelklassen gibt es an der St.-Anna-Grundschule einen bilingualen Zweig, der als Ganztagsklasse geführt wird.

Dabei ist Englisch in Augsburg nicht nur Unterrichtssprache in den Nebenfächern Musik, Kunst und Sport, sondern auch in Arbeitsgemeinschaften wie Schach, Basketball oder Theater. «In diesem Schuljahr führen wir Harry Potter auf. Das haben sich die Kinder selbst ausgesucht», erklärt die Lehrerin der Klasse 4b, Tanja Nünlist.

Projekte wie diese sollen einen altersgemäßen und praxisorientierten Zugang zu der Fremdsprache ermöglich. Ab Herbst werden 20 weitere Schulen, unter anderem die Grundschule München an der Feldbergstraße, die Lucas-Cranach-Grundschule in Kronach und die Loschge-Grundschule in Erlangen, dem Augsburger Modell folgen und Unterricht auf Deutsch und Englisch anbieten. «Es gibt immer mehr Eltern, die sich in der Schule ein frühes bilinguales Lernangebot für ihre Kinder wünschen. Darauf will der Modellversuch eine Antwort geben», sagt Bildungsstaatssekretär Georg Eisenreich (CSU).

Das Projekt läuft bis zum Jahr 2019. Anschließend soll über einen Ausbau solcher Angebote nachgedacht werden. Voraussetzungen für die Aufnahme in eine bilinguale Klasse gibt es nicht. «Die Kinder sollen reden, wie ihnen der Schnabel gewachsen ist. Ob sie nun zu Hause Englisch sprechen oder nicht, die bunte Mischung macht es aus», erläutert Lehrerin Nünlist das Modell.

Sie selbst unterrichtet auch den Lehrernachwuchs an der Universität Augsburg. Durch die Zusammenarbeit mit dem Lehrstuhl für Didaktik der englischen Sprache an der Uni können wissenschaftliche Erkenntnisse Eingang in den Alltag der Schule finden. Bereits in der dritten Klasse seien die Kinder in der Lage, englischsprachige Lektüre zu lesen, wie Nünlist begeistert erzählt.

Schüler, die mit der Sprache besser vertraut sind, weil sie beispielsweise Englisch auch in der Familie sprechen, helfen ihren Mitschülern, wenn diese ein Wort nicht sofort verstehen. «So ist nicht nur der sprachliche Fortschritt in den Klassen überdurchschnittlich groß, sondern auch der soziale Faktor, also die Hilfsbereitschaft der Schüler, kommt hier in hohem Maße zum Tragen», sagt Josef Meier von der Augsburger Hochschule. Er hat die bilingualen Klassen an der St.-Anna-Schule von Anfang an begleitet.

Nicht ganz vorne, aber immerhin ganz gut: das Englisch der Deutschen. Illustration: Wikimedia Commons.

Englisch wird in der Grundschule spielerisch gelernt. Illustration: Wikimedia Commons.

Andrea Micklitz, die Rektorin der Augsburger Grundschule, ist stolz darauf, dass ihre Schule nun Vorbild für andere ist. «Englischkompetenzen sind eine wichtige Voraussetzung, um sich im modernen Leben und in der Arbeit zurechtzufinden. Je früher und spielerischer die Kinder Englisch lernen, desto einfacher wird es für sie später», meint sie. In den bilingualen Klassen unterrichten ausschließlich Lehrkräfte, die Englisch studiert haben und sich regelmäßig weiterqualifizieren.

Der landesweite Schulversuch wird nun wissenschaftlich vom Lehrstuhl für Didaktik des Englischen an der Katholischen Universität Eichstätt-Ingolstadt begleitet. Die 20 neuen Projektschulen können dabei vom Augsburger Referenzprojekt profitieren. «Die Schulen sehen anhand unserer Ergebnisse, wie sehr es den Schülern Spaß macht, eine Fremdsprache zu lernen», erklärt der Augsburger Universitätsforscher Meier. «In der Grundschule wird nicht nur gesungen und getanzt, sondern auch sehr effizient gelernt.»

Die Klassen in Augsburg bestehen aus maximal 25 Schülern, einer Lehrkraft und zusätzlich Praktikanten von der Universität. Indem sich der Unterricht mit Projekten oder Übungs- und Lernzeiten abwechselt, wird der Alltag aufgelockert. Die neunjährige Schülerin Selina besucht derzeit die vierte Klasse und denkt schon weiter: «Ab nächstem Jahr müssen wir dann auch Vokabeln lernen. Deshalb finde ich es gut, dass ich jetzt schon Englisch kann.» Helena Düll

Grundschule St. Anna

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