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Fleischmann gewählt – neue BLLV-Präsidentin will Schule entschleunigen

AUGSBURG. Rund 60.000 Mitglieder, etwa 80 Prozent davon Frauen: Nach den Vorstandswahlen bei der Delegiertenversammlung steht mit Simone Fleischmann jetzt auch eine Frau an der Spitze von Bayerns größtem Lehrerverband. Fleischmann kündigte an, sich für eine humane Schule einzusetzen.

Nach mehr als 150 Jahren wird der größte Lehrerverband Bayerns erstmals von einer Frau geführt. Bei der Delegiertenversammlung des Bayerischen Lehrer- und Lehrerinnenverbandes (BLLV) in Augsburg wurde Simone Fleischmann aus Oberbayern erwartungsgemäß zur neuen Präsidentin gewählt.

Die neue BLLV-Präsidentin Simone Fleischmann will sich für eine humane Schule einsetzen. Foto: BLLV

Die neue BLLV-Präsidentin Simone Fleischmann will sich für eine humane Schule einsetzen. Foto: BLLV

Die 44-Jährige habe 470 der 530 abgegeben Stimmen erhalten, berichtete eine Verbandssprecherin. Fleischmann habe damit eine Zustimmung von knapp 89 Prozent erhalten, es gab keinen Gegenkandidaten. Fleischmann löst Klaus Wenzel ab, der acht Jahre an der Spitze des BLV stand. Der 65-Jährige trat aus Altersgründen nicht mehr an und hatte sich für die Wahl Fleischmanns ausgesprochen.

«Ich trete in große Fußstapfen», sagte Fleischmann. Sie werde den bisherigen Kurs des BLLV fortzusetzen und weiterzuentwickeln. Der Verband hat rund 60 000 Mitglieder, zu etwa 80 Prozent sind dies Frauen. Fleischmann war bislang Leiterin der Grund- und Mittelschule in Poing bei München. Dort war sie verantwortlich für ein Kollegium mit über 80 Lehrerinnen und Lehrern und rund 800 Schülerinnen und Schülern. Aus dem Schuldienst wird sie nun aber ausscheiden. Die ehemalige Schulpsychologin hat langjährige Erfahrung als BLV-Funktionärin, bislang hatte sie die Abteilung Berufswissenschaften des Verbands geführt. Mit ihrem Lebensgefährten lebt sie im oberbayerischen Zorneding bei München. I

«Ich kenne den Schulalltag genau und weiß, wo es hakt», sagte sie. Fleischmann kündigte an, sich für eine humane Schule einzusetzen und mehr Zeit für Bildung einzufordern. Es sei an der Zeit, Schulen zu entschleunigen und die Bedürfnisse der am Schulleben Beteiligten in den Fokus zu rücken.

Bayerns Kultusminister Ludwig Spaenle (CSU) gratulierte Fleischmann zur Wahl und betonte, dass die Staatsregierung auch künftig bei der Weiterentwicklung der Schulen eng mit den Lehrerverbänden zusammenarbeiten werde. Es gehe darum, den einzelnen Schüler mit seinem individuellen Bildungsweg noch stärker in den Blick nehmen, sagte er. Der BLLV sei dabei besonders im Bereich der Grund- und Mittelschulen für die Regierung ein wichtiger Ansprechpartner.

Die nur alle vier Jahre stattfindende Versammlung des Lehrerverbandes dauert bis Samstag. Bis dahin wollen die Pädagogen mehr als 250 Anträge verabschieden. In einem Papier fordern die Lehrer beispielsweise den Abbau der Bürokratie in den Schulen. «Die Fülle an zusätzlichen Aufgaben ist mittlerweile so vielfältig und umfassend, dass die Pädagogik ein Schattendasein fristet – obwohl doch gerade sie im Mittelpunkt stehen müsste», sagte die BLLV-Sprecherin. Das Kultusministerium müsse die Fülle von Maßnahmen überdenken und auf das Notwendige reduzieren. (dpa)

• zum Bericht: Lehrerverband: Fast 45 Prozent der bayerischen Mittelschulen gefährdet
• zum Bericht: Schulleiterin soll erste Frau an Spitze des BLLV werden

2 Kommentare

  1. ZITAT: „Fleischmann kündigte an, sich für eine humane Schule einzusetzen und mehr Zeit für Bildung einzufordern. Es sei an der Zeit, Schulen zu entschleunigen und die Bedürfnisse der am Schulleben Beteiligten in den Fokus zu rücken.“

    Klingt gut. Wünsche Durchhaltevermögen und Durchsetzungskraft. An meiner Schule bin ich immer in Zeitnot. Das ist mein Hauptproblem. Ich muss ständig „kürzen und zusammenfassen“ (und alles Spielerische, Kreative weglassen, weil es Zeit kostet). Das rät mir die Leitung selbst, aber wenn die Noten schlecht sind, sagen sie: Mehr üben!

    • Das ist m.E. der Sinn der zentralen lehrpläne – unnötig Druck machen durch irrelevante Zeitvorgaben.

      Die Macher der Kernrichtlinien müssen bei ihrer Grundüberlegung davon augegangen sein, dass die Lehrkräfte anstelle von Unterricht die meiste Zeit mit ihren Klassen beim Ballspielen auf dem Schulhaf verbracht haben und ihnen erst einmal gezeigt werden muss, wie viel man trotz Lehrermangel, Stundenstreichung, übervoller Klassen und fehlgeleiteter Inklusion schaffen kann/soll/muss …

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