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Inklusion: CDU und SPD streiten sich um Sinn von Förderschulen

WIESBADEN. Beim hessischen Bildungsgipfel wird das Thema Inklusion zum großen Zankapfel: Die CDU empört sich, weil die SPD die Förderschulen in Hessen zum Auslaufmodell erklärt. Mehr noch: Sie will offenbar auch geistig behinderte Schüler am Gymnasium zulassen.

Nur nicht unterschätzen: Kind mit Down-Syndrom. Foto: Andreas-photography / Flickr (CC BY-NC 2.0)

Wie fördert man ein Kind mit Down-Syndrom am besten? Foto: Andreas-photography / Flickr (CC BY-NC 2.0)

Regierung und Opposition haben am Dienstag ihren Streit um den Bildungsgipfel fortgesetzt. Die von der Landesregierung initiierte Konferenz werde ohne substanzielle Fortschritte bei gebundenen Ganztagsschulen und Inklusion scheitern, sagte SPD-Fraktionschef Thorsten Schäfer-Gümbel am Dienstag im Landtag in Wiesbaden.Die CDU hielt den Sozialdemokraten dagegen vor, erneut «die Einheitsschule» zu propagieren. Die Abschaffung von Förderschulen und Gymnasien werde es mit der Union nicht geben, sagte der Abgeordnete Armin Schwarz.

Der bildungspolitische SPD-Sprecher Christoph Degen hatte zuvor in der «Frankfurter Allgemeinen Zeitung» (Dienstag) Förderschulen langfristig zum Auslaufmodell erklärt. Nach der Grundschule müsse zum Beispiel auch ein Kind mit Down-Syndrom, dessen Freunde aufs Gymnasium kämen, mitgehen können, sagte Degen. Er ist selbst Lehrer an einer Förderschule.

Die CDU beharrt dagegen darauf, dass Förderschulen oft besser für das Wohl behinderter Kinder seien. Der inklusive Unterricht könne nur für einige Schüler erfolgversprechend sein, erklärte Schwarz.

Die Verpflichtung zur Inklusion müsse für alle Schulformen gelten, sagte Schäfer-Gümbel und unterstützte damit seinen bildungspolitischen Sprecher. Man werde beim Bildungsgipfel kein Papier mit «Allgemeinplätzen» unterschreiben. Der SPD-Fraktionschef forderte, dass jährlich 100 Grundschulen in Ganztagsangebote umgewandelt werden müssten. Auch bei weiterführenden Schulen müsse es Angebote geben.

Die vergangene Woche von CDU-Kultusminister Alexander Lorz angekündigte Aufnahme von 38 neuen Grundschulen ins Ganztagsprogramm im kommenden Schuljahr 2015/16 hält die SPD für ungenügend. Die letzte Sitzung des Bildungsgipfels ist am 17. Juli. Dann wollen die fünf Arbeitsgruppen ihre Ergebnisse vorlegen. Umstritten ist neben den Themen Ganztagsschulen und Inklusion auch die künftige Schulstruktur in Hessen. dpa

Zum Bericht: Hessischer Bildungsgipfel wird zum Desaster für Lorz – jetzt wenden sich auch die Philologen ab

3 Kommentare

  1. Jeder Schüler soll auf die Schulform gehen, deren (angestrebter) Abschluss für das Kind realistisch erreichbar ist. Das schließt einen Großteil, aber sicherlich nicht alle, der geistig behinderten Kinder vom Gymnasium aus, ebenso natürlich auch das untere Viertel der nicht-behinderten Kinder.

  2. Vollkommen richtig. – Da der Hauptschulabschluss von allen erwartbar ist, braucht es also nur eine Schulform, die die Schüler bis Ende des 8. Jahrganges gemeinsam besuchen. Um die Binnendifferenzierung nicht zu Tode zu reiten, muss es eine äußere Differenzierung ind D, M und den fremdsprachen geben. Die Selektion nach höchstmöglichen Abschlüssen muss also erst danach erfolgen, so dass am Ende der 10 entschieden werden kann, wer die Schule mit dem HSA und wer mit dem MSA verlässt. Diejenigen, die den MSA einschließlich FOR-Q erwerben, können dann in die GOSt versetzt werden.

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