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Junglehrer – Im Osten gute Aussichten, im Westen unter Druck

DÜSSELDORF. Im Süden und Westen ist der Wettbewerb groß, im Osten werden sie umworben: Junglehrer haben in ganz Deutschland sehr unterschiedliche Einstellungschancen.

Berlin ruft die Junglehrer: 1400 Pädagogen sollen zum kommenden Schuljahr in der Hauptstadt eingestellt werden. Im Mai hatte Schulsenatorin Sandra Scheeres deshalb Junglehrer aus der ganzen Republik zu einem Lehrerwerbetag eingeladen. 63 Berliner Schulen, vor allem Grundschulen, präsentierten sich beim sogenannten Berlin-Tag. In Berlin sei großer Bedarf, wegen der demografischen Entwicklung mit vielen Kindern und anstehenden Pensionierungen in den Schulen. In allen Schulformen werde unbefristet eingestellt, sagte Senatorin Scheeres gegenüber dem Bayrischen Rundfunk.

Berlin bietet Junglehrern gute Einstellungschancen, bestätigt auch Kerstin Ruthenschröer von der Lehrergewerkschaft VBE. Es gebe zurzeit ein klares Gefälle. Während es im Süden und Westen, etwa in Bayern, NRW und Baden-Württemberg, mit Anstellungen nach dem Referendariat schwieriger wird, sind die Chancen in Ostdeutschland sehr gut. Die regionalen Unterschiede erklärt Ruthenschröer damit, dass der Generationenwechsel und der demografische Wandel regional unterschiedlich weit entwickelt sind.

Finden Junglehrer in 15 Jahren noch eine Stelle an einer Schule? Offenbar fraglich. Foto: Bettenburg / Wikimedia Commons (CC BY-SA 2.0 DE)

Die Arbeitsmarktchancen für Junglehrer sind ungleich verteilt. Foto: Bettenburg / Wikimedia Commons (CC BY-SA 2.0 DE)

Mit einer angespannten Situation müssen Junglehrer beispielsweise in Bayern rechnen: Wie der Bayrische Rundfunk berichtet, haben zum letzten bayrischen Einstellungstermin im Februar 2015 720 Bewerber aus dem aktuellen Prüfungsjahrgang einen Antrag auf Übernahme in den Staatsdienst in Bayern gestellt. Nur etwa 30 Prozent dieser Bewerber hätten ein Angebot erhalten und wurden daraufhin eingestellt. Zwei Drittel der Bewerber seien leer ausgegangen. Für Gesamtdeutschland stellt sich die Situation etwas entspannter dar.
Den bestens ausgebildeten Junglehrern im Westen und Süden bleiben also verschiedene Möglichkeiten. Entweder wechseln sie das Bundesland in Richtung Osten. Wie die Berliner Morgenpost berichtet, hätten im Schuljahr 2014/15 rund 100 Lehrkräfte aus Bayern diesen Weg gewählt und in der Hauptstadt angefangen. Das seien 7,2 Prozent aller Einstellungen des Schuljahres gewesen. Oder sie warten auf eine freie Stelle.

Wer die Zeit überbrücken will, kann sich beispielsweise mit Aushilfsstellen oder Nachmittagsbetreuung über Wasser halten. So wie es eine Junglehrerin auf der Webseite Referendare.de beschreibt: „Ich hoffe sehr, in diesem Jahr etwas zu bekommen, warte mit einem 2,46 er-Schnitt schon zwei Jahre, wobei ich im ersten Wartejahr nicht mal irgendwas als Aushilfe bekommen habe. Seit Januar bin ich jedoch befristet und in Teilzeit an einer Grundschule und am Nachmittag in Teilzeit in einer Betreuungseinrichtung direkt neben der Schule beschäftigt.“ Nina Braun

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