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Endlich Reformwillen statt Wahlkampf – Jetzt wollen auch Direktoren Gymnasium umbauen

STUTTGART. Das Gymnasium muss sich weiterentwickeln, das meinen sogar die Direktoren in Baden-Württemberg. Dass die Opposition wegen der Diskussion um Neuerungen bereits den Untergang dieser Schulart heraufziehen sieht, können sie nicht nachvollziehen.

Die Direktorenvereinigung Baden-Württemberg versteht die Aufregung über das Arbeitspapier «Gymnasium 2020» nicht. «Da geht es um Wahlkampf und Schaumschlägerei statt um die Sache», sagte der Vertreter des Verbandes im Arbeitskreis des Kultusministeriums, Michael Burgenmeister. Der Arbeitskreis hatte in dem Papier mehrere Vorschläge zur Weiterentwicklung der Schulform gemacht. Kultusminister Andreas Stoch (SPD) will diese jetzt breit diskutieren lassen und dann ein eigenes Konzept vorlegen.

Der CDU-Fraktionsvorsitzende Guido Wolf sagte, die geplanten Reformen schwächten die Schulform und verunsicherten Eltern, Schüler und Lehrer. «Verwundert bin ich darüber, dass in dem Papier die Erlangung der allgemeinen Studierfähigkeit nicht mehr als Ziel für das Gymnasium benannt ist. Das ist ein Alarmzeichen, sehr sorgsam auf diese Entwicklung zu blicken.»

Ziel des Reformpapiers sei ein «zeitgemäßes Gymnasium», betonte dagegen Burgenmeister. Dieses müsse der erhöhten Unterschiedlichkeit der Schüler und den Schwächen der achtjährigen Züge Rechnung tragen. Von einer Absenkung des gymnasialen Niveaus, wie es der Philologenverband und die CDU befürchteten, könne keine Rede sein, sagte der Chef der Direktorenvereinigung Nord-Württemberg. Er habe den Eindruck, dass die Kritiker das 15-seitige Papier nicht sorgfältig gelesen hätten. «Ungut» sei allerdings gewesen, dass die Ergebnisse nicht offen diskutiert worden seien. Durch dieses Unterlassen habe Stoch ermöglicht, dass Gruppen das Papier für eigene Interessen instrumentalisiert hätten.

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Jetzt unterstützen die Gymnasialdirektoren den Kultusminister bei seinen Reformanstrengungen. Foto: twicepix / flickr (CC BY-SA 2.0)

Die Anregungen des Arbeitskreises lagen bereits im Frühsommer vergangenen Jahres vor, waren aber bis vor kurzem nicht bekannt. Neben Burgenmeister, der das Theodor-Heuss-Gymnasium in Esslingen führt, waren noch weitere sechs gymnasiale Schulleiter an dem 15-köpfigen Arbeitskreis beteiligt. SPD-Fraktionschef Claus Schmiedel hatte in einer Landtagsdebatte vor kurzem auf die Kritik der Opposition an den Anregungen hin den hohen Anteil von Direktoren hervorgehoben: «Denen unterstellen Sie, dass sie das Gymnasium an die Wand fahren wollen – das ist doch töricht.»

Einer der Vorschläge des Arbeitskreises lautet, auf das vierte schriftliche Prüfungsfach im Abitur zu verzichten und dafür eine zweite mündliche Prüfung einzuführen. Das sei alles andere als eine Erleichterung für die Schüler, meinte Burgenmeister. Bei der bisherigen mündlichen Prüfung, der sogenannten Präsentationsprüfung, seien den Schülern die Themen bekannt. Bei den angedachten weit anspruchsvolleren Prüfungen müsse der Schüler sich hingegen auf ein ihm unbekanntes Thema aus den letzten beiden Unterrichtsjahren einstellen.

Dieses muss in 20 Minuten vorbereitet und dann in zehn Minuten vorgetragen werden. Weitere zehn Minuten muss der Absolvent Fragen der Lehrkräfte beantworten. Eine der beiden Prüfungen kann durch einen Seminarkurs ersetzt werden, in dem die Schüler allein oder in Gruppen eine Seminararbeit selbstständig erarbeiten und präsentieren. Die Kritik der CDU an diesen Erwägungen verstehe er nicht, so Burgenmeister. Denn im unionsregierten Bayern werde das schon seit Jahren umgesetzt.

Wie sieht der Fahrplan des Ministeriums für den Umgang mit dem Reformpapier aus? Es wird zunächst in den Beratungsgremien des Kultusministeriums – dem Landesschul-, dem Landeseltern- und dem Landesschülerbeirat – diskutiert. Kultusminister Stoch ist ferner mit den vier Direktorenvereinigungen im Gespräch. Auch ein abschließendes Gespräch mit den Mitgliedern des Arbeitskreises ist vorgesehen.

Ziel ist, zu klären, welche der Vorschläge umgesetzt werden. Klar ist bereits, dass Stoch keine strukturellen Änderungen wie die Neuordnung der Oberstufe anstrebt; er bevorzugt Reformen, die die pädagogische Qualität an den Gymnasien stärken. Beispiel sind die Lernbegleiter oder Coaches, die auch die Direktorenvereinigung befürwortet. Julia Giertz

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