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Schulen kaufen zu wenige Schulbücher. Klett trotzt der Flaute – mit eigenen Schulen

STUTTGART. Die Schulbuchbranche ächzt und stöhnt. Denn: Die Schülerzahlen sinken, und das um ein Jahr verkürzte Gymnasium macht den Verkäufern von Unterrichtsmaterialien auch keine Freude. Die Kommunen, als Verantwortliche für die Sachausstattung von Schulen eine relevante Größe auf der Nachfrageseite, arbeiten im Sparmodus. Weshalb Schulen zum Beispiel bei der IT-Ausstattung immer noch weit hinter den Möglichkeiten herhinken – und der Markt für die digitale Produktpalette entgegen aller Hoffnungen der Manager dümpelt und wohl noch eine ganze Weile nicht so recht in Schwung kommen wird. Bonjour tristesse also. Eigentlich. Denn ein Großer der Branche lässt aufhorchen – Klett vermeldet steigende Umsatzzahlen.  Der Grund ist eine besondere Geschäftsidee.

Warten auf die digitale Revolution: Die großen Schulbuchverlage auf der didacta im Frühjahr in Hannover. Foto: Deutsche Messe

Warten auf die digitale Revolution: Die großen Schulbuchverlage auf der didacta im Frühjahr in Hannover. Foto: Deutsche Messe

Alle setzen auf die Digitalisierung. Cornelsen, der nach Klett zweite Vertreter aus den  Top 3 der deutschen Schulbuchverlage (neben Westermann), konzentriert sich zum Beispiel auf sein Portal Scook und hat die Devise ausgegeben: „Das digitale Schulbuch der Zukunft kommt von uns“. Auch der erst seit dem vergangenen Jahr an der Konzernspitze agierende Westermann-Geschäftsführer Ralf Halfbrodt antwortet im Interview mit dem Börsenblatt auf die Frage „Wie sieht Ihrer Meinung nach die Zukunft des Schulbuchgeschäfts aus?“ mit: „Pauschal: verstärkt digital. Wie in den meisten weiteren Feldern der Medienbranche wird auch das Schulbuchgeschäft dadurch geprägt sein, für neue Lern- und Arbeitsformen immer mehr digitale Medien bereit stellen zu müssen.“

Daran zweifelt ernsthaft niemand. Auch Klett nicht. „Die digitale Transformation verändert unser Geschäftsmodell. Wenn man seine Medienangebote nicht neu erfindet oder an die veränderten Bedürfnisse des Marktes anpasst und nicht den Produktionsprozess darauf ausrichtet, dann ist man im Wettbewerb in ganz großen Problemen“, sagt Vorstandsmitglied Thomas Baumann gegenüber der Stuttgarter Zeitung. Nur: Wann kommt sie denn endlich, die digitale Revolution in den Schulen? Die Nachfrage lässt auf sich warten. „In Summe müssen wir feststellen, dass all diese zusätzlichen Anstrengungen nicht mehr Umsatz bedeuten, sondern – wenn überhaupt – nur in Teilen in der Lage sein können, Ausfälle zu kompensieren“, räumt Baumann ein.

Gut also, wenn ein Schulbuchverlag noch ein zweites As im Ärmel hält. Und über dieses verfügt Klett, wie sich dem aktuellen Geschäftsbericht entnehmen lässt. Danach stieg der Umsatz der Klett Gruppe 2014 gegenüber dem Vorjahr um 10 auf 459,9 Millionen Euro. Das Ergebnis vor Steuern hat sich um 3,2 Millionen Euro erhöht und liegt für das Geschäftsjahr 2014 bei 16,3 Millionen Euro. Zahlen, die sich sehen lassen können. Das Geheimnis des Erfolgs: Neben ihrem Kerngeschäft setzen die Stuttgarter zunehmend auf den Betrieb von kompletten Bildungseinrichtungen wie Fernhochschulen, Schulen oder Kindergärten. Und diese Sparte will das Unternehmen laut Stuttgarter Nachrichten nun mit Kraft ausbauen. „Das ist unser dynamisches Wachstumsfeld“, so begründet Baumann die Strategie.

Mittlerweile stattliche 30 Prozent des Gesamtumsatzes der Klett-Gruppe kommen der Zeitung zufolge auf diese Weise zusammen. Im aktuellen Geschäftsbericht liest sich das so: „Im erfolgreichen Geschäftsbereich der Fernhochschulen stellt sich die Klett Gruppe international auf. Mit der Internationalisierung der Wilhelm Büchner Hochschule hat Klett einen Schritt auf den ausländischen Weiterbildungsmarkt getan. Zukünftig richtet die Hochschule englischsprachige Angebote auch an ausländische Studierende. Mit dem Zukauf der Best Sabel GmbH Anfang des Jahres 2015 hat Klett sein Angebot an Präsenzeinrichtungen am Standort Berlin um weitere Kindergärten und Grundschulen sowie eine Oberschule und eine Berufsakademie erweitert. Seit wenigen Monaten beteiligt sich die Klett Gruppe außerdem mit 50 Prozent an der Fröbel International GmbH, die Kindertagesstätten in Australien, der Türkei und in Polen betreibt.“ An insgesamt 140 Bildungseinrichtungen ist Klett schon beteiligt – Tendenz steigend.

Erfreulicher Nebeneffekt: Das macht sich auch bei den Mitarbeiterzahlen bemerkbar. Klett benötigt mehr Personal. „Da wird die Gruppe in andere Mitarbeitergrößen hineinwachsen“, kündigt Baumann in den Stuttgarter Nachrichten an. News4teachers

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