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Schulleiter verweist Schüler von der Schule – und wird dafür jetzt von Interpol gesucht

KÖLN. Stellen Sie sich vor, Sie sind Leiter einer Schule – und leiten eine Schulkonferenz, auf der Schüler von der Schule verwiesen werden. Der Anlass: Die Jugendlichen hatten offenbar eine Schülerin unter Druck gesetzt, Aktaufnahmen von sich zu machen, und diesen Film dann unter Schulkameraden herumgeschickt. So weit, so schlimm. Dann aber müssen Sie erleben, wie die Eltern eines der Jungen eine Kampagne gegen Sie inszenieren, an deren Ende Sie mit internationalem Haftbefehl gesucht werden. Absurd? Keineswegs. Dem Leiter einer Deutschen Schule in Guatemala ist nach Medienberichten genau das passiert.

Mit diesem Steckbrief fahndet Interpol nach dem deutschen Schulleiter. Screenshot (Schwärzungen von news4teachers)

Mit diesem Steckbrief fahndet Interpol nach dem deutschen Schulleiter. Screenshot (Schwärzungen von news4teachers)

An der Schule in dem mittelamerikanischen Land arbeiten 70 Lehrer; sie wird von rund 900 Schülern, zumeist Kindern von Kaufleuten und Diplomaten, besucht. Aufgeschreckt wird die Schulgemeinde laut „Spiegel online“ 2011 von einer üblen Geschichte, die dem Muster von „Sexting“ folgt – einem Trend, bei dem sich Jugendliche nackt oder in anzüglichen Posen und Situationen fotografieren oder fotografieren lassen. Diese Bilder senden sie per Handy an Freunde und Bekannte oder stellen sie in Sozialen Netzwerken ein. In diesem Fall war offenbar auch noch Druck im Spiel, denn eine Zwölfjährige soll von drei Jugendlichen gedrängt worden sein, pornografische Bilder von sich zu liefern. Was sie dann auch tat. Der so entstandene Film kursierte an der Schule. Einstimmig urteilte die Schulkonferenz, die drei Schüler von der Schule zu verweisen. Die Eltern von zweien akzeptierten die Sanktion – vom dritten jedoch nicht.

Der vermögende und einflussreiche Vater bestritt laut „Bild“-Zeitung nicht nur, dass sein Sohn mit der Geschichte zu tun hatte. Der Mann ging zum Angriff über – und beschuldigte seinerseits den Schulleiter sowie Mitglieder des Kollegiums, den Jungen mit falschen Anschuldigungen psychisch geschädigt zu haben.  Laut „Spiegel online“ erlitt der Junge einem Gutachten zufolge „eine Abnahme der Fähigkeit zur individuellen, familiären und gesellschaftlichen Lebensfreude sowie des Freizeitvergnügens“. Die Eltern zogen vor Gericht; der Schulleiter erfuhr, dass bereits ein Haftbefehl gegen ihn vorbereitet wurde. Er wollte deshalb Guatemala verlassen. Ein erster „Fluchtversuch“ scheiterte dem Bericht zufolge  – der Schulleiter wurde von Polizisten aus einem Flugzeug heraus abgeführt. Ein zweiter Anlauf gelang; zu Fuß marschierte er durch den Urwald nach El Salvador und flog zurück nach Deutschland.

Im Auswärtigen Amt in Berlin und bei seinem Dienstherrn werden die Vorwürfe gegen den Schulleiter dem Bericht zufolge als „grotesk“ und „fern jeder Rechtsstaatlichkeit“ angesehen. Die deutschen Behörden sind überzeugt: Der Schulleiter wurde Opfer eines Rachefeldzuges. In Deutschland ist der Pädagoge sicher. Aber bei einer Auslandsreise müsste er wegen der Interpol-Fahndung mit seiner Festnahme rechnen – und einer Auslieferung nach Guatemala. News4teachers

Zum Bericht: Studie – Deutsche Auslandsschulen genießen international hohe Anerkennung

2 Kommentare

  1. Vielleicht ist Deutschland – egal was der Spiegel schreibt – doch nicht das schlimmste Land der Welt.

    • mehrnachdenken

      Da sollte wohl vor Auslandseinsätzen dieser Art auch an ein prophylaktisches Überlebenstraining im Dschungel gedacht werden, lach.

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