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Von Hunden, Kaninchen und Bienen – Tiere im therapeutischen Einsatz

NEUENKIRCHEN-VÖRDEN. Bei Ängsten, bei psychischen Problemen, bei Krankheiten: Tiere können Menschen helfen, wieder gesund zu werden.

Immer mehr Therapeuten, Pädagogen, Kliniken, Heime oder Schulen arbeiten mit Tieren. Sie setzen auf tiergestützte Therapien. Dabei sind nicht nur Pferde oder Hunde geeignet. Die Suchtklinik St. Marienstift in Neuenkirchen-Vörden bei Vechta hält seit neuestem Bienen als geflügelte Therapiehelfer. «Vom Bau der Bienenstöcke bis zur Verantwortung für die Tiere wollen wir versuchen, um die Patienten einzubeziehen», sagt der Leiter der Suchtklinik, Thomas Wilhelm Heinz.

Bei der tiergestützten Therapie können auch Bienen helfen. Foto: blumenbiene/flickr (CC BY 2.0)

Bei der tiergestützten Therapie können auch Bienen helfen. Foto: blumenbiene/flickr (CC BY 2.0)

Es sei inzwischen wissenschaftlich etabliert, dass Tiere in der Therapie einen Nutzen hätten, sagt Constanze Stabaginski vom Berufsverband tiergestützte Therapie, Pädagogik und Fördermaßnahmen. Sie selbst arbeitet an einer Schule mit Kindern, die emotionale und soziale Schwierigkeiten haben. Es gebe viele Wirkweisen von Tieren, sagt Stabaginski. Unter anderem gelte, dass Tiere, die sich wohlfühlen, den Menschen Sicherheit vermitteln.

Es gehe um stammesgeschichtlich uralte, tief verwurzelte Abläufe im Gehirn, erklärt Stabaginski. «Um uns sicher zu fühlen, empfänglich zu werden für Interaktionen miteinander, um zu lernen – dafür brauchen wir Sicherheit», sagt die Pädagogin. Unwillkürlich orientierten sich dafür Menschen an der Natur. «Tiere, denen es gut geht, die fressen oder schlafen, die stressfrei ihren Dingen nachgehen, signalisieren unserem Gehirn: Der Säbelzahntiger ist gerade nicht um die Ecke», sagt Stabaginski.

Wichtig sei, an die Klienten heranzukommen, damit sie sich für den Therapeuten öffnen. «Ich arbeite an einer Schule für schwer erziehbare kleine Jungs. Die haben sehr oft das Feindbild Erwachsener oder das Feindbild Lehrer. Wenn ich die Hunde nicht dabei hätte, würden sie gar nicht mit mir sprechen», sagt sie. Die Tiere seien eine Art Eisbrecher – oder Brückenbauer.

Die Biologin Cornelia Drees aus Worpswede bietet seit 2002 mobile tiergestützte Arbeit in Kindergärten, Schulen, Altenheimen oder Kliniken an. Oft fährt sie mit ihren Tieren – Meerschweinchen, Kaninchen, Schafen – zu den Einrichtungen. «Als allererstes sorge ich dafür, dass es meinen Tieren richtig gut geht», sagt die 59-Jährige. Auf entspannte Tiere reagieren Menschen selber mit Entspannung, hat sie beobachtet. Tiere seien daher ideal, um den «Dauerangespannten» in unserer Gesellschaft zu helfen, etwa psychisch oder an Demenz erkrankten Menschen. «Die Anspannung ist wie ein Panzer um sie herum», sagt Drees. Menschliche Worte erreichten sie oft nicht mehr. Entspannte Tiere schon. Die Menschen fühlen sich sicher und öffnen sich, wenn sie die Tieren erleben, sie beobachten und sie vielleicht auch berühren. «Wir werden sozialfähiger, ohne auf die Worte zu achten. Wir reagieren eher auf die Körpersprache, werden dafür sensibler und dafür kompetenter.»

Ums Kuscheln geht es bei den Bienen im St. Marienstift natürlich nicht. «Wir wollen den Menschen den Umgang mit den Tieren vermitteln», sagt Klinikleiter Heinz. Die Idee sei, eine sinnvolle Freizeitbeschäftigung für die alkoholabhängigen oder glücksspielsüchtigen Männer der Klinik zu bieten. Die Menschen sollen lernen, was Bienen sind, warum sie nützlich sind, wie man sie behandelt – und auch, wie ein Bienenstock gebaut wird. «Sie sollen unter fachlicher Anleitung Verantwortung übernehmen für ein Bienenvolk», sagt Heinz.

Wie viele Therapietiere es gebe und wie viele Menschen mit tiergestützten Angeboten arbeiten, wisse keiner, sagt Angela Zimmermann, Vorsitzende der Deutschen Gesellschaft für tiergestützte Therapie. Es gebe verschiedene Formen der therapeutischen Intervention. Dazu zähle sowohl der direkte körperliche Kontakt, als auch die Beobachtung von Tieren, etwa bei Wildtieren. Wichtig sei eine gute Ausbildung der mit den Tieren arbeitenden Menschen. Gesetzlich ist in Deutschland der Bereich nicht geregelt. (Elmar Stephan, dpa)

zum Bericht: Tierische Hilfspädagogen – Was Hunde im Unterricht leisten

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