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Immer weniger Auszubildende – Berufsschulen müssen umgebaut werden

SCHWERIN. Der demografische Wandel sowie die verstärkte Studierneigung von jungen Menschen hat die Berufsschulen erreicht. Beispiel Mecklenburg-Vorpommern: Die Ausbildungsstätten für gesuchte Fachkräfte werden dort konzentriert. Einige Klassen fallen fort, Wege werden weiter.

Der Rückgang der Auszubildenden in Mecklenburg-Vorpommern schlägt sich auf die Berufsschulen nieder. Von Herbst an wird es landesweit nur noch 23 Bildungszentren mit teils zusammengefassten Fachklassen geben, wie das Kultusministerium am Montag mitteilte. 2006 hatte es im Nordosten noch 46 berufliche Schulen gegeben.

Hintergrund der Konzentration der Bildungsstätten ist der Einbruch bei den Lehrlingszahlen. Diese gingen in Mecklenburg-Vorpommern seit dem Jahr 2000 von 70.000 Berufsschülern um mehr als die Hälfte auf derzeit 29.000 zurück. Aufgelöst werde die Landwirtschaftsschule Jördenstorf und die Ausbildung von dort nach Güstrow (Landkreis Rostock) verlagert, sagte Referatsleiter Hasko Schubert.

Besonders betroffen von sinkenden Lehrlingszahlen seien die Branchen Bau-, Elektro-, Metall- und Holztechnik, Ernährung, Hauswirtschaft und das Friseurhandwerk, erklärte Schubert. Raumausstatter und Polsterer könnten von September an nicht mehr in Parchim lernen, sondern müssten zur Berufsschule in ein benachbartes Bundesland. Die schulische Ausbildung für nur noch drei angehende Gießereimechaniker im Nordosten war bereits 2014 eingestellt worden.

Es könnten aber bei Bedarf und mindestens 20 Interessenten auch neue Berufsschulklassen gebildet werden, betonte Ilona Pollack, im Ministerium zuständig für Berufliche Schulen. So gehe im Herbst in Rostock erstmals seit Jahren wieder eine Klasse für Drogisten an den Start. Diese waren vorher in Schleswig-Holstein zur Schule gegangen.

Qualität in der Berufsschule könne nur mit mehreren Klassen und Fachlehrern einer Branche garantiert werden, betonte Pollack. Mindestens eintausend Schüler sollten ein Regionales Berufliches Bildungszentrum besuchen. Die Zahl der Auszubildenden im neuen ersten Lehrjahr aber stehe noch nicht fest. Auch müssten die Schulpläne noch mit den Trägern, den Landkreisen und kreisfreien Städten abgestimmt werden.

Kritik am Umbau der Berufsschullandschaft kam von der Linksfraktion im Landtag. Tausende offene Lehrstellen zeugten bereits in diesem Jahr davon, dass es notwendig sei, die Berufsausbildungen näher zum Schüler zu bringen, monierte die bildungspolitische Sprecherin Simone Oldenburg. Die geringverdienenden Jugendlichen sollten nicht hinter der Ausbildung herreisen müssen. Kleine Berufsschulen mit rund 500 Schülern müssten im ländlichen Raum erhalten bleiben, um eine wohnortnahe Ausbildung zu ermöglichen und Fachkräfte zu sichern. dpa

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