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Jeder vierte Erasmus-Student findet im Auslandssemester die große Liebe

BERLIN. In kurzer Zeit Menschen aus ganz Europa kennenlernen: Das bietet ein Erasmus-Semester. In dieser Zeit finden viele neue, gute Freunde – und mancher sogar die große Liebe. Vier Paare erzählen, wie ihre Beziehung das Auslandssemester überdauert hat.

Wer im Ausland studiert, lernt dort auch Menschen kennen - nicht selten sogar den Partner fürs Leben. Foto: Vincent Anderlucci / flickr (CC BY 2.0)

Wer im Ausland studiert, lernt dort auch Menschen kennen – nicht selten sogar den Partner fürs Leben. Foto: Vincent Anderlucci / flickr (CC BY 2.0)

Neue Sprache, fremde Kultur und viele neue Leute: Ein Erasmus-Semester ist fast immer bereichernd. Mancher erlebt noch mehr. Laut einer Studie der EU-Kommission hat jeder vierte Erasmus-Student seine Liebe im Auslandssemester gefunden. Sie basiert auf einer Online-Umfrage in 34 europäischen Ländern, Antworten von mehr als 75 000 Studenten und Absolventen flossen ein. Vier Paare, die ihren Partner im Auslandssemester kennengelernt haben, erzählen:

Istanbul: Nicola Strehle war noch nie in Istanbul, als sie 2012 beschloss, ihr Erasmus-Semester in der Stadt am Bosporus zu machen. Dort lernte sie vor drei Jahren ihren Freund kennen – den 27-jährigen Studenten Dani Arbid. Der gebürtige Engländer ist im Libanon verwurzelt, hat in Beirut Politikwissenschaften studiert und in New York gearbeitet. Kennengelernt hat sich das Paar im Techno-Club. «Ich wollte nie zu den Erasmus-Partys der Universität. Mir waren Clubs, in denen sich auch Einheimische tummeln lieber – Dani ging es genauso», sagt die 25-jährige Psychologiestudentin.

Obwohl es bereits in Istanbul gefunkt hatte, wurden die beiden erst danach ein richtiges Paar. Die Zeit dazwischen überbrückten sie nicht mit Facebook oder Skype, sondern mit langen Briefen per E-Mail. Mittlerweile wohnen die beiden gemeinsam in Berlin. Dieser Schritt machte aus dem Erasmus-Flirt eine stabile Beziehung.

Köln: Für Thomas Gruttmann war es Liebe auf den ersten Blick, als er seine Frau Isabelle 1991 vor dem Aufzug im Studentenwohnheim sah. Die damals 20-jährige Erasmus-Studentin kam aus Marseille nach Köln. «Wir wohnten im selben Haus und trafen uns immer wieder zufällig in den Gemeinschaftsräumen», erzählt Gruttmann, der Versicherungswesen an der Fachhochschule studierte. Doch so richtig nah seien sie sich erst gekommen, als es 1992 in Köln ein Erdbeben gab. «Danach hatten wir uns richtig was zu erzählen», erinnert sich der 51-Jährige. Beide wollten der Beziehung eine Chance geben und hielten den Kontakt nach der Abreise aufrecht.

Der einzige Kommunikationsweg neben mehreren Besuchen, war das Telefon. Das Resultat: üppige Rechnungen. «Knapp 1000 Mark haben mich die mehrstündigen Gespräche ins Ausland pro Monat gekostet.» Doch es habe sich gelohnt. Nach ihrem Abschluss zog die jetzt 41-Jährige schließlich nach Köln. 2001 folgte die Hochzeit. Mittlerweile hat das Ehepaar zwei Kinder. Die einzige Hürde während der vergangenen Jahre sei nicht die Entfernung gewesen, sondern anfangs die Sprache. «Damals waren Familientreffen besonders interessant – da wurde manchmal auch mit Händen und Füßen kommuniziert», berichtet Thomas. Wichtig sei, viel miteinander zu reden und zu akzeptieren, dass der Partner durch seine kulturelle Prägung manches anders macht und sieht als man selbst.

Warschau: Die Psychologiestudentin Sabine Lenz lernte ihren Freund Piotr Milobedzki auf einer Erasmus-Party kennen. Der Informatikstudent kümmerte sich an diesem Abend um die Party-Fotos. Sein Lieblingsmotiv: die deutsche Studentin. «Wir haben uns gesehen und auf Anhieb gemocht», sagt Lenz. Die beiden tauschten Nummern aus und blieben während ihrer Zeit in Polen in engem Kontakt. «Als ich wieder zurück zu meiner Heimatuni musste, wollte ich nichts erzwingen. Ich habe es einfach auf mich zukommen lassen», erzählt Lenz.

Zwei Monate lang kommunizierten die beiden per Facebook und Skype. «Wenn man aus verschiedenen Welten kommt und sich auf eine Fernbeziehung einlässt, sollte man so viel wie möglich über die andere Kultur lernen», rät Lenz. Nur so könne man dann später zusammenbleiben. Milobedzki studierte dann bei Lenz in Maastricht weiter. «Wir haben erstmal drei Monate auf 15 Quadratmetern gewohnt, bis er eine eigene Wohnung hatte. Das hat uns noch mehr zusammengeschweißt», erzählt die 26-Jährige. Nach dem Studium ist das Erasmus-Paar nach Bonn gezogen – Lenz‘ Heimatort. Noch heute fragt sich die Psychologin, wie aus dem Erasmus-Flirt die große Liebe geworden ist. Doch ihre Eltern hätten es von Anfang an gewusst. «Nachdem ich von Piotr ganz unbefangen erzählt habe, sagte meinen Mutter nur: Jetzt ist es passiert.»

Köln: Die Kölner Studentin Jule wollte ihre Englischkenntnisse verbessern. Der Erasmus-Student Sam aus Warwick suchte Nachhilfe in Deutsch. Bei einer Tandem-Facebook-Gruppe lernte sich das Paar schließlich kennen, die Suchende miteinander verbindet. Die beiden trafen sich regelmäßig, um zu plaudern. Mal auf Englisch und mal auf Deutsch. Aus den Zwecktreffen wurden nach ein paar Wochen Dates. Aus der Freundschaft wurde Liebe. «Obwohl wir erst wenige Monate zusammen sind, waren wir schon im Urlaub in Thailand und haben uns super verstanden», erzählt Jule.

Die 20-jährige studiert Erziehungswissenschaften und wird bald auch für ein Erasmus-Semester nach Uppsala in Schweden gehen. Sam muss bald wieder zurück nach Warwick. Vorerst. Denn an der neuen Liebe wollen die beiden festhalten. «Wenn man sich um einander bemüht, klappt die Beziehung trotz Entfernung.» Davon ist Jule überzeugt. Einen Plan gibt es auch schon. «Sam ist in neun Monaten mit seinem Germanistikstudium fertig – dann will er zu mir nach Deutschland ziehen», sagt Jule. Von Aleksandra Bakmaz, dpa

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