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Kita-Streit vor dem Ende: So sieht der Schlichterspruch aus

BAD BRÜCKENAU. Es ging monatelang ums Geld – aber nicht allein. Jetzt liegt ein Kompromissvorschlag im Kita-Streit auf dem Tisch. Der allerdings dürfte nur einen Teil der Betroffenen freuen.

Die Kita-Beschäftigten vier Wochen lang gestreikt - Managergehälter gibt's trotzdem nicht. Foto: GEW

Die Kita-Beschäftigten vier Wochen lang gestreikt – Managergehälter gibt’s trotzdem nicht. Foto: GEW

Nicht alle Erzieher und Sozialarbeiter der Kommunen werden deutlich mehr im Portemonnaie haben – so viel wird vier Monate nach Beginn der Tarifverhandlungen am Dienstag im unterfränkischen Städtchen Bad Brückenau klar. Knapp vier Wochen waren die Kita-Erzieherinnen und -Erzieher zwischendurch in den Ausstand getreten. Mehrere Gesprächsrunden auf Spitzenebene scheiterten. Nun haben die Schlichter das Wort.

Was der frühere sächsische Ministerpräsident Georg Milbradt (CDU) und der einstige Hannoveraner Oberbürgermeister Herbert Schmalstieg (SPD) in dem Kurort ganz im Norden Bayerns zu verkünden haben, dürfte manch Betroffene freuen – aber längst nicht alle. Zum Beispiel soll das Gehalt für eine Erzieherin mit Grundtätigkeit, die seit mindestens 16 Jahren in ihrem Job ist, von heute 3289 um 161 auf künftig 3450 Euro steigen.

Erzieher mit schwieriger Tätigkeit und entsprechender Berufserfahrung sollen 3800 statt heute 3732 Euro brutto bekommen. Sozialarbeiter mit Grundtätigkeit kommen in der höchsten Stufe künftig auf 4022,50 Euro. Nicht weniger als 17 Gruppen umfasst die Lohntabelle für die 240 000 Beschäftigten im Sozial- und Erziehungsdienst der Kommunen – für 8 werden laut Arbeitgeberverband VKA die Werte angehoben. Verdi bedauert: «Bei den Sozialarbeitern konnten wir angesichts der harten Haltung der Arbeitgeber nur geringfügige Verbesserungen, und auch nur für einen Teil der Beschäftigten, erreichen.»

Verdi-Chef Frank Bsirske pochte immer wieder auf eine Aufwertung für alle Betroffenen. Es sollte schließlich nicht nur ums Geld gehen, sondern auch um eine stärkere gesellschaftliche Anerkennung frühkindlicher Bildung. Sind die insgesamt mehr als 50 000 Kindertagesstätten in Deutschland mehrheitlich noch reine Betreuungseinrichtungen – oder werden ausreichende Bildungspläne schon heute von motivierten Erzieherinnen adäquat umgesetzt?

Es ist ein Tarifkonflikt mit besonderen Tücken – denn mit den Kommunen und Gewerkschaften sitzen nur zwei von mehreren Verantwortlichen am Tisch. Den Kita-Ausbau der vergangenen Jahre hat auch der Bund angetrieben. Die Kitas finanzieren sich zwar mit rund 60 Prozent hauptsächlich durch die Kommunen. Etwa ein Fünftel zahlen aber auch Länder und Bund. Bildungsexperten fordern seit langem, dass der Bund sein finanzielles Engagement angesichts der Bedeutung der frühkindlichen Bildung stark vergrößert.

Schmalstieg unterstreicht, wie wichtig es gewesen sei, dass nun der Wert früher Bildung auf der gesellschaftspolitischen Tagesordnung sei. «Das ist wichtig, immer dann, wenn Bund und Länder sagen, dass wir eine Bildungsrepublik sind, und dass Bildung in den Vordergrund gestellt wird.» Nicht nur um Schulen und Hochschulen gehe es dabei – die Kindererziehung gehöre auch dazu.

Große Ziele, eine komplizierte Entgelttabelle und hohe Forderungen an klamme Kommunen – das war die Mischung, die die Verhandlungen bis zum Schluss zäh machte. «Wir haben die Nächte durchgetagt, wir haben den Parteien einiges zugemutet», sagt Milbradt. Und noch gibt es keinen neuen Tarifvertrag. Erst haben die Gremien der Gewerkschaften und der VKA das Wort. Am Mittwochabend wollen sich die Spitzen noch einmal treffen, diesmal in Offenbach, und wahrscheinlich mehrere Stunden die Köpfe zusammenstecken, um die Schlichterempfehlung in einen ordentlichen Tarifabschluss zu überführen. Von einem Scheitern geht niemand mehr aus. Schließlich waren Arbeitgeber und Gewerkschaften am einvernehmlichen Schlichterspruch beteiligt. Von Basil Wegener und Christiane Gläser, dpa

Zum Bericht: Fernsehkritik zu „hart aber fair“: Heißes Eisen Kita-Streik – lauwarm diskutiert

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