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Udo Lindenberg platzt als Überraschungsgast in eine Schulaufführung – und rockt mit den Schülern

GREIFSWALD. Kein Rocker thematisierte die deutsch-deutsche Absurdität des Mauerbaus so klar wie Udo Lindenberg. Sein Musical «Hinterm Horizont» machte jetzt in Greifswald Schule – als Sozialprojekt mit durchschlagendem Erfolg. Der Panikrocker tauchte als Überraschungsgast auf und fand es «Hammer».

"Das törnt ja richtig an": Udo Lindenberg. Foto: rockzoom.de / Flickr (CC BY-NC-SA 2.0)

„Das törnt ja richtig an“: Udo Lindenberg. Foto: rockzoom.de / Flickr (CC BY-NC-SA 2.0)

Die Udo-Lindenberg-Stiftung hat das Händchen für punktgenaue Inszenierungen: Schon als die Einladung zur Generalprobe für die neue Tour des Rockmusikers ausgesprochen wurde, brachen die Greifswalder Schüler – sichtlich geschafft von der soeben begeistert gefeierten Premiere ihres Schülermusicals «Hinterm Horizont» – in Jubel aus. Doch dann wurde im bis auf den letzten Platz ausverkauften Theater der Hansestadt ein Überraschungsgast angekündigt – und Lindenberg trat auf die Bühne. «Das ist absolut der Hammer», machte er unter tosendem Applaus den Siebt- bis Neuntklässlern ein Kompliment. «Macht euer Ding. Ihr seid über Euch hinausgewachsen.»

Ein Schuljahr lang hatte der 69-Jährige wie «Godfather» über dem Schulprojekt geschwebt. Die Jugendlichen kreischten, einigen Schülern, Lehrern und auch Eltern liefen die Tränen über das Gesicht. «Supergeil», «krass», «ich flipp aus» – tönte es nicht nur von der Bühne. Dann jammte der Panikrocker zusammen mit dem Saal «Keine Panik in Greifswald». Bei «Mein Ding» und der A-cappella-Version von «Hinterm Horizont» groovte gar die stolze Oma, die ihren Enkel kurz zuvor noch im FDJ-Hemd oder NVA-Uniform auf der Bühne gesehen hatte.

Für die 80 Schüler der Caspar-David-Friedrich-Schule und der Erwin-Fischer-Schule war dieser Moment die beste Anerkennung eines zuweilen auch schwierigen Weges. Seit Herbst 2014 hatten sie mit Coaches aus dem Berliner Original-Musical, darunter die Hauptdarsteller Josephin Busch (Jessy) und Alex Melcher (Udo), ihre eigene Variante des Musicals über eine verbotene deutsch-deutsche Liebe in den 1980er Jahren einstudiert – «Udologie» als zusätzliches Hauptfach im Schulalltag. Ziel der Stiftung: Jugendliche aus Brennpunktschulen musikalisch, aber auch sozial zu fördern und ihr Wissen um die komplizierte deutsch-deutsche Geschichte zu erweitern.

Das Konzept ist aufgegangen, so die Bilanz von Schulleiterin Anke Thurow. «Die Schüler sind zu einem Team zusammengewachsen, zu einem Dreamteam.» Die Jugendlichen befragten Lehrer und Greifswalder zu ihren Erinnerungen an Mauer und Mauerfall. Für viele Schüler war es das erste Mal, dass sie sich über die Zeit der deutschen Teilung  beschäftigten. Als Video-Einspieler ergänzten diese Interviews die Aufführung und machten sie so zu «Hinterm Horizont made in Greifswald».

Greifswald – eine Stadt, in der es bis zum Mauerfall kein Westfernsehen gab, in der Udo-Platten aus dem Westen wieder und wieder auf Kassetten vervielfältigt wurden. Lindenberg brachte es auf der Bühne so auf den Punkt: «Wir können durch das Fenster eines solchen Stückes in die Geschichte reingucken. Nach dem Motto, wenn wir genauer wissen, wo wir herkommen, dann können wir auch ein Stück nach vorne gehen.» Der musikalische Leiter Michael Eisenburger war überzeugt: «Mit den Schülern ist extrem viel passiert, nicht nur von der künstlerischen Seite.» Einige Darsteller sehen ihre berufliche Zukunft im Schauspiel oder im Kulissenbau.

Möglich wurde das Projekt durch die Kulturpartnerschaft, die das Universitätsklinikum Greifswald mit der Lindenberg-Stiftung seit einigen Jahren pflegt. Die Stiftung des Panikrockers hatte vor zwei Jahren zum ersten Mal zwei Leipziger Schulen mit diesem Projekt gefördert. In diesem Schuljahr war Greifswald der bundesweit einzige Standort. Dritte Station für das Schülermusical könnte nun eine Stadt im Westen sein – möglicherweise Udos Geburtsstadt Gronau. Auch wenn der Osten dort ganz weit weg ist. Von Martina Rathke, dpa

Zum Bericht: Udo Lindenberg hält Geschichtsunterricht an der Schule für die „große Gähne-Show“

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