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Überförderte Kinder: Eltern setzen ihre Sprösslinge unter Stress

BERLIN. Einschlafprobleme, Kopfschmerzen, Antriebsarmut, jedes sechste Kind zeigt stressbedingt klassische Burnoutsymptome. Und dennoch glauben ihre Eltern der Förderung noch nicht genug zu tun, haben Bielefelder Forscher ermittelt.

Jedes sechste Kind und jeder fünfte Jugendliche in Deutschland leiden einer Studie zufolge unter deutlichem Stress – doch viele Eltern nehmen dies kaum wahr. So glauben neun von zehn dieser Eltern nicht, dass sie ihr Kind überfordern und 40 Prozent sorgen sich sogar, dass sie ihr Kind nicht gut genug fördern. Das geht aus einer heute präsentierten repräsentativen Studie der Universität Bielefeld hervor.

Eine leistungs- und erfolgsorientierte Erziehung, die Kindern keine Freizeit lässt birgt eine hohes Stresspotenzial für Jugendliche. Foto: Hibr / flickr (CC BY-NC-SA 2.0)

Eine leistungs- und erfolgsorientierte Erziehung, die Kindern keine Freizeit lässt birgt eine hohes Stresspotenzial für Jugendliche. Foto: Hibr / flickr (CC BY-NC-SA 2.0)

Rund 1100 Kinder und Jugendliche sowie 1039 Eltern wurden dazu befragt. Stress bei Kindern äußert sich demnach oft durch Einschlafprobleme, Kopf- oder Bauchweh sowie Müdigkeit. Zwei Drittel der Kinder mit hohem Stress leiden darunter. «Das sind klassische Burnout-Symptome, die für Eltern wichtige Warnsignale sind», so Studienleiter Prof. Holger Ziegler. Weitere Auswirkungen: Zwei Drittel der betroffenen Kinder sind vergleichsweise oft wütend, aggressiv oder gelangweilt. Sie haben weniger Selbstbewusstsein und schaffen es schlechter, Probleme selbstständig zu lösen.

«Der wohl bedeutsamste Faktor für kindlichen Stress dürfte eine instrumentelle, auf Leistung und mehr noch auf Erfolg orientierte Erziehungspraxis sein», bilanziert der Erziehungswissenschaftler. Daneben mangelt es den 6- bis 16-Jährigen vor allem an selbstbestimmter «Qualitätszeit»: Mehr als 83 Prozent der Kinder mit hohem Stress haben nach eigenen Angaben keine Zeit für Dinge, die ihnen wirklich Spaß machen. Weitere Faktoren: wenig unverplante Freizeit, wenig Mitbestimmung und – vor allem für Kinder aus sozial schwachem Elternhaus – viele Pflichten im Haushalt.

Gestresste Kinder haben oft auch gestresste Eltern, zeigte sich in der Doppelbefragung. Insgesamt sind sozial schwächere Familien davon stärker betroffen, oft auch durch finanzielle Nöte. Doch Förderstress haben vor allem diejenigen mit hoher Erwartungshaltung: So wollen sechs von zehn hochgestressten Eltern, dass es ihre Kindern einmal besser haben sollen. Bei entspannteren Eltern sind es nur 30 Prozent.

Eine Anfang des Jahres veröffentlichte Studie hatte ergeben, dass Schule für Kinder in Deutschland Stressfaktor Nummer eins ist. Nach dem «Kinderbarometer» der Bausparkasse LBS fühlt sich ein Drittel der Kinder regelmäßig von der Schule gestresst. Häufigen Druck von Eltern und Freunden empfänden hingegen nur 15 beziehungsweise 6 Prozent als Stressfaktor, wie die Umfrage unter 11 000 Kindern zwischen 9 und 14 Jahren ergab. Aus Sicht des Deutschen Kinderschutzbundes ist chronischer Stress ein ernstzunehmendes Problem, das auch die gesundheitliche Entwicklung von Kindern hemmt. (dpa)

zum Bericht: Thüringischer Lehrerverband: Burnout bei Kindern wird unterschätzt
zum Bericht: Diagnose Depression – immer mehr Schüler betroffen

2 Kommentare

  1. darüber hinaus könnten etliche dieser eltern ihren helikopter verkaufen …

  2. mehrnachdenken

    Sind das tatsächliche neue Erkenntnisse? Dafür braucht es eine Studie?

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