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War da mal was mit Stellenabbau? Grün-Rot schwenkt um – und sorgt jetzt für eine „hervorragende Einstellungssituation“ bei Lehrern

STUTTGART. Kultusminister Stoch kann sich freuen: Die ursprünglich mal angekündigte Zahl von 11.600 abzubauenden Lehrerstellen spielt in Baden-Württemberg keine Rolle mehr. Die Rahmenbedingungen und der Bedarf an Lehrerstellen haben sich deutlich verändert. Darüber hinaus sind im nächsten Jahr Landtagswahlen. So ist für die grün-rote Landesregierung Stellenaufbau statt Streichen angesagt.

Gute Nachrichten zu verkünden, macht Spaß: Kultusminister Andreas Stoch (SPD).  Foto: Sven Teschke/Wikimedia Commons (CC-BY-SA-3.0)

Gute Nachrichten zu verkünden, macht Spaß: Kultusminister Andreas Stoch (SPD). Foto: Sven Teschke/Wikimedia Commons (CC-BY-SA-3.0)

Flüchtlinge, Zuwanderer, die Integration behinderter Schüler an Regelschulen sowie eine aus dem Ruder gelaufene Diskussion um abzubauende Lehrerstellen führen im kommenden Schuljahr im Lände zu einem Lehrereinstellungsrekord. Mit rund 5300 Stellen für 5750 (Vorjahr: 4600) Pädagogen wird die höchste Zahl seit den 1970er Jahren erreicht. Damit ergebe sich eine «hervorragende Einstellungssituation» für angehende Lehrer, sagte Kultusminister Andreas Stoch (SPD) am Dienstag in Stuttgart. Unter anderem werden 3800 Pensionäre ersetzt. 713 Stellen werden neu geschaffen, 637 ursprünglich zur Streichung freigegebene Stellen werden weiterbesetzt. Lob gab es von der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW), Kritik vom Gymnasiallehrerverband.

Ursprünglich sollten 2015/16 rund 1800 Stellen abgebaut werden. Diese Zahl stand im Zusammenhang mit den einst von Ministerpräsident Kretschmann (Grüne) genannten 11 600 abzubauenden Lehrerstellen bis 2020. Von dieser Zahl hatte sich Grün-Rot aber angesichts neuer pädagogischer Herausforderungen und veränderter Schülerzahl-Prognosen verabschiedet. Für 2015/16 wird etwa an den Grundschulen anstelle eines Schülerrückgangs ein deutlicher Anstieg um etwa 3000 Kinder erwartet. Andere Schularten weisen nach Stochs Worten schwächere und stärkere Schülerzahlenrückgänge auf. In Summe werde im kommenden Schuljahr mit 12 800 weniger Schülern gerechnet. Ursprünglich war man von 16 800 weniger ausgegangen.

200 Stellen stehen für das gemeinsame Lernen von behinderten und nicht-behinderten Schülern (Inklusion) bereit. Stoch sagte, er wolle in jeder Inklusionsklasse dem für allgemeine Schulen ausgebildeten Lehrer einen Sonderpädagogen zur Seite zustellen. «Ich gebe das Ziel nicht auf, bezweifle aber, ob das an jeder Schule sofort zu realisieren ist.» Die Zahl der im Land ausgebildeten Sonderpädagogen reiche gerade noch aus, um den Bedarf zu decken. «Wir wollen aber auch eine Bestenauslese.» Personalknappheit herrscht bei naturwissenschaftlichen Lehrern fürs Gymnasium und bei Berufsschullehrern.

«Auch für die Förderung von Flüchtlingskindern benötigen wir zusätzliche Lehrerinnen und Lehrer», erläuterte Stoch. Dafür erhalten die Grundschulen 165 zusätzliche Stellen. Für die Förderung lese- und rechtschreibschwacher Kinder stellt das Land 180 Stellen an Grundschulen bereit. Die Aufstockung von frei verfügbaren Poolstunden, die etwa für individuelle Förderung eingesetzt werden, an den Realschulen schlägt mit 241 Stellen zu Buche.

Die GEW-Landeschefin Doro Moritz sagte: «Das ist nicht nur eine gute Perspektive für die angehenden Lehrerinnen und Lehrer, sondern auch für die Lehrkräfte, Schülerinnen und Schüler mit ihren Eltern, die auf bessere Bedingungen an den Schulen hoffen dürfen.» Sie erwarte, dass in den nächsten Jahren für Inklusion weitere Lehrerstellen geschaffen würden, nachdem das Ministerium 3000 bis 4000 Stellen ins Gespräch gebracht hatte.

Der Philologenverband findet die ihm zugeschlagenen 1080 Einstellungen nicht ausreichend. Die von den Kollegen wegen des doppelten Abiturjahrgangs aufgebaute Bugwelle von zusammengerechnet 1000 Stellen werde davon gar nicht berührt, sagte Verbandschef Bernd Saur. Es sei absehbar, dass es im kommenden Schuljahr angesichts rapide zunehmender Elternzeit-Fälle und der Arbeit am Schulcurriculum zu Unterrichtsausfällen kommen werde. Wegen des Fächerprinzips am Gymnasium sei es nicht leicht, Lücken auszugleichen. Trotz hoher Einstellungszahlen gebe es Schulstandorte auf der Alb, im Schwarzwald und im Odenwald, die möglicherweise nicht besetzt werden könnten, weil es die jungen Lehrer in die Ballungsräume ziehe, sagte Saur.

Nach Schularten gegliedert erhalten die Grund-, Haupt- und Werkrealschulen mit 1900 die meisten neuen Lehrer, gefolgt von den Gymnasien und den beruflichen Schulen (1020), Realschulen (1000) und Sonderschulen (500). Die Gemeinschaftsschullehrer werden unterschiedlichen Schularten zugeordnet. Von Julia Giertz, dpa

Zum Bericht: Kretschmann streicht bis 2020 „nur“ 3.100 Lehrerstellen – deutlich weniger als ursprünglich angekündigt

6 Kommentare

  1. mehrnachdenken

    Für keine Million EURO würde ich mich in dieses Bundesland locken lassen, dessen Schulpolitik mich geradezu anwidert!

    • Hoffentlich sehen das die Baden-Württemberger bei der Landtagswahl im nächsten Frühjahr ähnlich wie Sie. Letztes Mal stand ja Stuttgart 21 im Mittelpunkt des Wählerinteresses.
      Wie sieht es denn im rot-grünen Niedersachsen aus? Wird da auch kräftig gegendert und umgekrempelt?

  2. Hier regieren wohl die antischwäbischen Ressentiments! Die Schwaben haben nächstes Jahr die Wahl und werden sie sicher auch nutzen. Schmunzel.

  3. Es gibt eben badische und unsymbadische Leute.

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