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Fileccias Medienkolumne: So trickse ich die Technik beim Online-Shopping aus

OBERHAUSEN. Ich bin 5. Und müde. Müde, weil ich nun ständig auf das ideale Zeitfenster zum Online-Shopping warte und 5, weil ich mir fünf verschiedene Online-Identitäten zum Einkauf verschiedener Warengruppen zulegen musste. Daneben sitze ich vor dem ältesten Computer, der im Keller zu finden war. Und warum das Ganze?

Das Modell „Tankstelle“ schlägt voll durch bei den Preisen im Online-Einkauf. Und das bedeutet, die Preise ändern sich ständig und laufend, in unserer selbstverständlichen Marktwirtschaft nach Angebot und Nachfrage. Schätzungsweise ändern sich beispielsweise die Preise bei Amazon millionenfach pro Tag und wer nostalgisch veranlagt ist, mag sich eine Fachverkäuferin Nahrungsmittel im Supermarkt vorstellen, wie sie von morgens bis abends andauernd die Preisschilder aus Papier austauscht. Tatsächlich erledigt diese Aufgabe eine Software. Und die wird mit Daten gefüttert, die wir ständig hinterlassen. Diese Daten sagen, dass die Menschen am Mittwoch weniger Elektronikartikel kaufen – warum auch immer. Dazu sind viele Käufer am frühen Abend unterwegs – klaro. Das ist der Grund, warum ich mitten in der Nacht mittwochs eine externe Festplatte bestelle. Schuhe kaufe ich nur noch donnerstags und Kosmetik am Freitag. Am Wochenende kaufe ich gar nicht mehr online ein, sondern begleite offline und wohlwollend den Kampf von LIDL und ALDI um den Samstag-Kunden. Von Freitagabend bis Montagmorgen ist im Netz zu viel Masse unterwegs, pardon, zu viel Nachfrage und damit einhergehend steigende Preise. Mir graut vor dem Tag, an dem das – siehe Tankstelle – viele Menschen erkennen und sich, wie ich, antizyklisch verhalten. Also antizyklisch antizyklisch. Und dann wird es richtig kompliziert.

Doch nicht nur Uhrzeit und Warengruppe beeinflussen die Preise, sondern – bei ALDI und LIDL kennen wir das Spiel um den besten Preis von Milch und Mehl – abhängig von den Mitbewerbern. Senkt der eine den Preis, muss der andere nachziehen. Sie ahnen es… das geht automatisch mit Software wie zum Beispiel „Pricebot“. „Dynamische Preisbeobachtung und –anpassung“ nennen Experten das. Auch dies können wir an den Tankstellen beobachten, die ihre Preise der – die heißt wirklich so – „Markttransparenzstelle für Kraftstoffe“ melden müssen. Diese Preise finden sich dann in den Tanken-Apps wieder, beim Online-Shopping geht das auch, mit Preisvergleichsportalen wie idealo.de oder billiger.de.

Wohin entwickelt sich das Internet? Diese und andere Fragen treibt unseren Kolumnisten Marco Fileccia um. (Foto: privat)

Wohin entwickelt sich das Internet? Diese und andere Fragen treibt unseren Kolumnisten Marco Fileccia um. (Foto: privat)

Doch nicht nur die Preise der anderen beeinflussen die Preise, sondern auch mein Profil, das ich beim Einkauf und sogar beim Online-Stöbern hinterlasse. Dabei geht es oft um Rabatte, die gewährt werden oder eben nicht. Und aus diesem Grunde bin ich 5. Da ist die Marco2, die eigentlich nur Kleidung einkauft und plötzlich unschlüssig vor der Entscheidung steht teure Elektronik einzukaufen. Plötzlich erhalte ich eine kleine Entscheidungshilfe und Motivation in Form eines Rabatt-Angebots. Und natürlich habe ich die Software vorher ausgetrickst, weil Marco2 sich seit Tagen diese Produkte anschaut – ohne zuzuschlagen natürlich. Wer ständig die neueste Hardware anschafft, darf sich nicht wundern, wenn er nicht die besten Preise zu sehen bekommt. Also kauft der Nerd, Marco3, meiner kleinen Einkäufer-Schar plötzlich Haushaltsartikel und Nahrungsmittel. Marco4 ist modisch desinteressiert, außer manchmal und Nr. 5 schließlich ist reserviert für Freizeitartikel und er kauft normalerweise Bürokram. Und siehe da… die Tankstellenpreise lohnen sich für uns Schnäppchenjäger.

Doch nicht nur mein Surfverhalten beeinflusst die Preise, sondern auch die benutzte Hardware. Was auf den ersten Blick absurd klingt, hat – natürlich – System. Denn wer viel Geld hat, zahlt auch höhere Preise. Wer viel Geld hat, surft mit teurerer Hardware. Und schon ergibt es Sinn. Also shoppe ich nicht mit meinem funkelnagelneuen iPad Air2, sondern mit dem Uralt-PC und Windows XP, und klaro, mit einem längst veralteten Internet Explorer. Außerdem hilft – ich schlage Software mit ihren eigenen Mitteln – das Angebot Spottster.com, wo ich für meine Einkaufsliste in dem Augenblick eine Benachrichtigung erhalte, wenn der Preis günstig ist.

Ach ja… wer sich über die neuartigen elektronischen Preisschilder in einigen – real existierenden – Supermärkten wundert und sich freut für die arme Angestellte mit den Papier-Schildchen, die sie nun nicht mehr auszutauschen braucht… diese Schilder werden zentral über Software angesteuert. Und dabei möglich sind Preise, die sich minütlich ändern, je nachdem bspw. ob viele Kunden im Laden sind oder wenige oder ob der Ladenschluss droht.

Meine Lieblings-Einkauf-Adjektive heißen also antizyklisch und unberechenbar. Ich kaufe nur noch ein, wenn die anderen es nicht tun, ich kaufe so ein, dass niemand meine wahren Absichten und Vorlieben erkennen kann. Außerdem zögere ich immer… lasse die Seite mit der Ware geöffnet und hole mir einen Kaffee, schließe sie wieder und öffne erneut… wollen wir doch mal sehen, wer besser ist: Software oder wir 5. Marco Fileccia

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