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Ortsbesuch in einer 24-Stunden-Kita: Wie Schwesigs Modell in der Praxis funktioniert

SCHWERIN. Bundesweit soll die Kinderbetreuung in Randzeiten ausgebaut werden – Bundesfamilienministerin Manuela Schwesig (SPD, wir berichteten) fördert ein entsprechendes Programm. Mecklenburg-Vorpommerns Landeshauptstadt bietet bereits zwei 24-Stunden-Kitas ausschließlich für Schichtarbeiterfamilien an. Ein striktes Zeitmanagement sorgt dafür, dass die Kids nicht überfordert werden. Ein Ortsbesuch.

In einer 24-Stunden-Kita können die Kinder übernachten. Foto: Geoff Livingston / flickr (CC BY-NC-SA 2.0)

In einer 24-Stunden-Kita können die Kinder übernachten. Foto: Geoff Livingston / flickr (CC BY-NC-SA 2.0)

Malte macht schon mal ein Nickerchen. Das sechs Monate alte Baby ist das jüngste Kind in der zweiten Schweriner 24-Stunden-Kita. In beiden wird ausschließlich der Nachwuchs von Schichtarbeitern betreut. Der Name der Einrichtungen ist Programm: «nidulus» (lateinisch: «Nestchen») soll Kids rund um die Uhr Geborgenheit geben, wie Anke Preuß, Geschäftsführerin der kommunalen Kita gGmbH, erklärt. Auf eine bundesweit bessere Kinderbetreuung in Randzeiten, abends, nachts und an Wochenenden, zielt ein geplantes Förderprogramm ab, für das Bundesfamilienministerin Manuela Schwesig (SPD) in den Jahren 2016 bis 2018 bis zu 100 Millionen Euro bereitstellen will.

Mecklenburg-Vorpommerns Landeshauptstadt gründete Ende 2009 die erste Rund-um-die-Uhr-Einrichtung und 2014 die zweite, «nidulus duo». Zusammen verfügen die Häuser über 133 Plätze für Babys, Klein- und Vorschulkinder und sind so gut wie ausgelastet, wie Preuß sagt. Ein drittes Angebot für Schichtarbeiterfamilien sei geplant. Bundesweit gebe es nur wenige solcher Kitas, die meisten davon seien private Initiativen. Einige hätten wegen finanzieller Engpässe ihre Öffnungszeiten aber wieder reduzieren müssen, sagt Preuß. Kitas mit Übernachtungsmöglichkeiten hielten etwa noch die Städte Neubrandenburg und Schwedt in Brandenburg vor.

Der Bedarf an professioneller Kinderbetreuung in Randzeiten nimmt auch in Schwerin zu. Schätzungen gehen von 22.000 Schichtarbeitern in Deutschlands kleinster Landeshauptstadt aus. Insgesamt 96 000 Einwohner zählt die Stadt. Zwar sei eine Rund-um-die-Uhr-Betreuung teurer als eine Regel-Kita, weil die Gruppen nachts und an Wochenenden kleiner seien, erklärt Preuß. Doch für Eltern rechneten sich die um etwa 120 bis 150 Euro teureren Gebühren pro Monat, weil viele nur so ihrem Job überhaupt in Vollzeit nachgehen könnten.

Um das besondere Kita-Angebot für 365 Tage und Nächte im Jahr nutzen zu dürfen, müssen Eltern monatlich einen Arbeitszeitnachweis vorlegen. Aber auch für die Kids gibt es «Stechuhren»: Mit einem Daten-Transponder würden alle Betreuungszeiten exakt erfasst, sagt Katrin Köhler, stellvertretende Leiterin der Kita «nidulus duo». Jedes Kind darf rechnerisch pro Werktag nur 10 Stunden, im Monatsschnitt also etwa 200 Stunden in die Kita. Für Übernachtungen gibt es pauschal 30 Stunden pro Monat dazu. «Feste Zeiten, genaue Absprachen sind in einer 24-Stunden-Kita extrem wichtig.» Strikte Regularien in dem ansonsten eher unkonventionellen Tagesablauf dienten letztlich dem Kindeswohl, sagt Köhler.

Erzieherin Janina Stadler lobt das enge Verhältnis zu Kindern und Eltern. «Das besondere Betreuungsangebot nimmt jenen eine große Last ab, die ihre Arbeitszeiten nicht mit einem Regelkindergarten vereinbaren können, sie haben trotzdem den Kopf frei für ihren Job.» Dabei sind die 24-Stunden-Kitas durchaus nicht nur für Ärzte und Firmenchefs eine Entlastung. Auch Krankenschwestern, Rettungssanitäter, Altenpfleger, Busfahrer, Polizisten, Feuerwehrleute, Köche, Kellner und Verkäuferinnen nutzen die begehrten Betreuungsplätze mit Ganztagskonzept und Vollverpflegung.

Familiäre Atmosphäre müsse dabei nicht zu kurz kommen, betont Katrin Köhler. Bewusst seien für Übernachtungen extra Schlafräume eingerichtet worden und für den Aufenthalt am Wochenende ein gesondertes Familien-Spielzimmer sowie ein Kinder-Restaurant für alle zusammen. Die wenigsten Probleme hätten ohnehin die Kinder selbst mit der Betreuung in «Schichten», sagt die Pädagogin. «Die Kids gehen ganz unbefangen damit um, sie wachsen ja so auf.» Von Grit Büttner, dpa

Zum Bericht: Schwesig will 24-Stunden-Kitas fördern – Widerspruch kommt aus der Union. Lob aber auch

 

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