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Philologen in Baden-Württemberg warnen vor Abschaffung des gegliederten Schulsystems

STUTTGART. Der Philologenverband Baden-Württemberg hat in Stuttgart getagt und eine Stellungnahme zu den Empfehlungen des Arbeitskreises „Gymnasium 2020“ verabschiedet. Darin heißt es, der Verband fordere, erstens, im Zwei-Säulen-Modell das gymnasiale Profil zu schärfen, und, zweitens, anstelle eines Coaching-Systems von Klasse 5 bis 12 die Förderung in den bestehenden gymnasialen Strukturen, also durch Einführung einer Klassenlehrerstunde, durch Anrechnungsstunden beziehungsweise Deputatsabsenkung für Fachlehrer, Verbindungslehrer, Beratungslehrer und für die Hausaufgabenbetreuung. Gewarnt wird vor einer „schleichenden Überführung des gesamten Schulsystems in ein Gemeinschafts-/Gesamtschulsystem“, wie es in einer Pressmitteilung heißt.

Mehr als ein Jahr hatte sich der Arbeitskreis „Gymnasium 2020“ im Auftrag des Kultusministeriums mit der Entwicklung von Vorschlägen zur „Weiterentwicklung“ des Gymnasiums beschäftigt und seit über einem Jahr liegt dem Kultusminister der Abschlussbericht vor. Dass der Philologenverband Baden-Württemberg als Verband der Gymnasiallehrer an den Beratungen nicht beteiligt wurde, war von vornherein Anlass zur Kritik. Darüber hinaus forderte der Verband seit Monaten Transparenz und die Veröffentlichung der Ergebnisse dieses Arbeitskreises. Dass nun eine kritische und heftige Diskussion ausgelöst wurde, als das Papier endlich – aus Sicht des Kultusministeriums ungewollt – ans Licht kam, sei auch der Geheimniskrämerei des Kultusministeriums um den Arbeitskreis zuzuschreiben. „Kritikern des Papiers vorzuwerfen, sie wollten Denkverbote aussprechen, wie dies der Kultusminister wiederholt zu unterstellen versuchte, ist angesichts dieser Geheimniskrämerei sehr sonderbar“, so heißt es beim Verband.

Der Philologenverband lehnt es ab, Schülerinnen und Schüler der Gemeinschaftsschule in der Eingangsphase der gymnasialen Oberstufe, also in Klasse 10 des G8, mit einer zweiten Fremdsprache beginnen zu lassen, für die kein Abiturniveau mehr erreichbar ist und fragt sich, „ob denn das Angebot der 2. Fremdsprache ab Klasse 6 an der Gemeinschaftsschule gar nicht ernst genommen werden kann“. Nach Auffassung der Philologen scheint der Arbeitskreis bereits jetzt, da die erste Tranche der Gemeinschaftsschule erst die Klasse 7 erreicht hat, zu ahnen, dass das E-Niveau (erweitertes, also gymnasiales Niveau) entgegen der Erklärung des Kultusministeriums vermutlich gar nicht erreicht werden könne.

„Wer die Gemeinschaftsschule ernst nimmt und wer sich – wie Ministerpräsident Kretschmann und sein Kabinett – für das Zwei-Säulen-Modell ausspricht, sollte das Profil der beiden Säulen schärfen und nicht Schritte vorsehen, die einem schleichenden Übergang in ein ‚Ein-Säulen-Modell‘ Vorschub leisten. Der Satz ‚Wenn ein Gymnasium dasselbe pädagogische Profil wie eine Gemeinschaftsschule anbieten möchte, sollte es Gemeinschaftsschule werden‘ auf Seite 3 des Arbeitspapieres lässt Grundtenor und -stoßrichtung der Arbeitskreisempfehlungen deutlich erkennen“, so heißt es.

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