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Unternehmen sehen schulische Qualifikation von Azubis nur mittelmäßig – werden Hauptschüler abgehängt?

ESCHBORN. Bereiten Schulen werdende Auszubildende noch hinreichend auf das Berufsleben vor? Glaubt man der Wirtschaft, kommt das Thema angesichts der straffen Lehrpläne oft zu kurz. Nach einer aktuellen Umfrage bewerten die meisten Unternehmen die schulischen Qualitäten ihrer Azubis in Kernfächern wie Mathe, Deutsch und Englisch nur als mittelmäßig. Gleichzeitig sinkt trotz der guten Konjunktur der Anteil an Auszubildenden mit Hauptschulabschluss, besonders in großen Unternehmen.

Mit ihrem Zeugnis in der Tasche starten bald zahlreiche Jugendliche ins Berufsleben. Hauptschüler haben dabei weitaus schlechtere Chancen, einen Ausbildungsplatz zu bekommen, als junge Leute mit anderen Schulabschlüssen. Das zeigen die Ergebnisse einer Befragung des Zeitarbeitsunternehmens Randstad und des ifo-Instituts . Der Großteil der Auszubildenden in den Unternehmen hat mindestens Mittlere Reife.

 Die Qualifikationen von Ausbildungsplatzbewerbern in den Kernfächern Mathe, Deutsch und Englisch, sehen viele Unternehmen nur als mittelmäßig, auch wenn es keine eklatanten Defizite gebe. Bild: obs/Randstad Deutschland GmbH & Co. KG

Die Qualifikationen von Ausbildungsplatzbewerbern in den Kernfächern Mathe, Deutsch und Englisch, sehen viele Unternehmen nur als mittelmäßig, auch wenn es keine eklatanten Defizite gebe. Bild: obs/Randstad Deutschland GmbH & Co. KG

In der Untersuchung wurden mehr als 1.000 Personalleiter gefragt, welcher Schulabschluss unter den Auszubildenden im Unternehmen am häufigsten vorkommt. Hauptschüler sind mit einem Anteil von 17 Prozent deutlich abgeschlagen. 24 Prozent der Azubis verfügen über Abitur. „Eine mögliche Ursache dafür ist, dass immer mehr Unternehmen in ihren Lehrstellenausschreibungen zumindest die Mittlere Reife verlangen. Auf der anderen Seite nimmt aufgrund sinkender Schülerzahlen auch die Zahl der Hauptschulabsolventen ab“, so Petra Timm von Randstad Deutschland.

Realschulabsolventen stellen bei den Auszubildenden in Unternehmen die Mehrheit (59 Prozent), wie die Personalleiterbefragung zeigt. Laut den Initiatoren der Befragung setze sich damit ein Trend fort. Bereits in den vergangenen Jahren hätten Arbeitgeber immer weniger Ausbildungsverträge mit Hauptschulabsolventen abgeschlossen.

Das trifft insbesondere auf große Unternehmen zu. Bei kleineren Firmen haben Hauptschüler bessere Chancen, eine Lehrstelle zu bekommen. So liegt der Anteil dieser Gruppe bei Betrieben mit weniger als 50 Mitarbeitern bei 22 Prozent. Zum Vergleich: Bei Firmen mit bis zu 500 Beschäftigten sind es nur 9 Prozent. Ob sich darin ein Ausweichen von Hauptschülern auf weniger beliebte Ausbildungsbetriebe manifestiert, geht aus der Befragung jedoch nicht hervor.

Insgesamt hätten sich die schulischen Qualifikationen der Bewerber um einen Ausbildungsplatz einer weiteren Befragung nach in den letzten fünf Jahren verschlechtert. Mehr als die Hälfte der befragten Personalverantwortlichen gab an, Unternehmen die Azubis in einigen Bereichen nachschulen müssten. Eklatante Defizite stellen allerdings nur die wenigsten fest.

Die meisten erachteten die Leistungen der Azubis in den Kernfächern als befriedigend: Mathe (51,79 Prozent), Deutsch (45,4 Prozent) und Englisch (44,96 Prozent). Das gilt auch für die Soft Skills wie etwa, Auftreten, Sorgfalt und Motivation. 40,76 Prozent bewerten die Soziale Kompetenz sogar mit „gut“.

Knapp 58 Prozent der Unternehmensmitarbeiter gaben an, auf die letzten fünf Jahre bezogen hätten sich die schulischen Qualifikationen der Bewerber um einen Ausbildungsplatz verschlechtert. Ein knappes Viertel meinte, sie seien gleich geblieben, nur 5,76 Prozent stellten fest, sie hätten sich verbessert.

In vielen Fällen müssten die Unternehmen Nachhilfe geben, so die Untersuchung. Rund 52 Prozent der Umfrage-Teilnehmer gaben an, dass die Azubis in manchen Bereichen Nachholbedarf hätten, etwa was die Allgemeinbildung, sprachliche Ausdrucksweise und Themen wie pünktliches Erscheinen am Arbeitsplatz angehe.

„Um die Nachwuchskräfte frühzeitig auf das Berufsleben vorzubereiten, ist es wichtig, mit der Förderung schon in der Schule zu beginnen. Aber die Lehrer allein können das aufgrund des straffen Lehrplans nicht leisten. Da müssen auch Unternehmen, also die potenziellen zukünftigen Arbeitgeber, unterstützen.

Lösungsansätze dem Trend entgegen zu wirken sehen die Unternehmen in einer Kooperation mit der Schule. Petra Timm: „Um die Nachwuchskräfte frühzeitig auf das Berufsleben vorzubereiten, ist es wichtig, mit der Förderung schon in der Schule zu beginnen. Aber die Lehrer allein können das aufgrund des straffen Lehrplans nicht leisten. Da müssen auch Unternehmen, also die potenziellen zukünftigen Arbeitgeber, unterstützen.“. Die Erfahrungen mit einschlägigen Programmen zeigten, dass es auch in Hauptschulklassen ganz viele Talente gebe. „Wenn man sie praxisnah fördert, dann bergen sie auch großes Potenzial für Arbeitgeber.“, so Timm. (zab)

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Ein Kommentar

  1. Die Unternehmen haben sich doch das Ei selbst auf die Schiene genagelt. Das Fachabitur an allgemeinbildenden Schulen gibt es doch nur noch als schulischen Teil. Das wiederum bedeutet, dass die „Fachabiturienten“ erst eine Ausbildung oder aber ein gelenktes Praktikum absolvieren müssen, bevor sie das Unternehmen als Inhaber der Fachhochschulreife für ein Studium verlassen können.

    Dagegen können die Abgänger mit Hauptschulabschluss (nach Klasse 9) oder erweitertem Hauptschulabschluss (nach Klasse 10) nur ablosen. Die wenigsten Personaler werden nämlich wissen, dass die Hauptschüler ganz andere Hauptfächer außer D und M im Vergleich zu den Abgängern mit Mittlerem Bildungsabschluss haben.

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