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Wie Sprechen und Zuhören die Erinnerung beeinflussen

REGENSBURG. Was geschieht mit unserer Erinnerungsleistung, wenn wir uns bei einem Gespräch mit anderen Personen gemeinsam gemachte Erfahrungen ins Gedächtnis rufen? Liegt die Erfahrung länger zurück ist eher Schweigen Gold. Ist die Erfahrung noch nicht allzu lang her, tut man gut daran, das Gespräch selbst zu beginnen.

Aufmerksame Zuhörer erinnern sich in Gesprächen über Ereignisse, die tagelang zurückliegen, an zusätzliche Details. Das haben Regensburger Forscher bei Studien herausgefunden, die in der Fachzeitschrift «Cognition» veröffentlicht wurden. Die Rolle des Zuhörers führe zu einer Auffrischung der nur noch fragmentarisch vorhandenen Erinnerungen, sagte Prof. Karl-Heinz Bäuml vom Institut für Psychologie der Universität Regensburg am Freitag.

Reden ist Silber, Schweigen ist Gold, das gilt nur eingeschränkt, wenn es darum geht, sich später an das Erlebte zu erinnern. Foto: Seeds_of_Peace / flickr (CC BY-SA 2.0)

Reden ist Silber, Schweigen ist Gold? Das gilt nur eingeschränkt, wenn es darum geht, sich später an das Erlebte zu erinnern. Foto: Seeds_of_Peace / flickr (CC BY-SA 2.0)

Anders ist die Situation bei Erfahrungen, die nur wenige Minuten zurückliegen. Bei einer Unterhaltung tue man hier gut daran, das Gespräch selbst zu beginnen, betonten die Forscher. Andernfalls könne das Zuhören hier zum Vergessen von Details führen. «Denn der erste Redner aktiviert den Erinnerungsprozess und bringt selektiv einzelne Passagen der gemeinsamen Vergangenheit zur Sprache, während wiederum andere unerwähnt bleiben», sagte Bäuml. Unerwähnte Inhalte könnten so beim Zuhörer vergessen werden.

Bei den insgesamt drei Studien hatten jeweils 128 Teilnehmer mitgemacht. Sie mussten sich Listen mit verschiedenen Begriffen merken. Dann folgten Gespräche mit den anderen Teilnehmern, anschließend wurden die Begriffe abgefragt.

Die Ergebnisse der Regensburger Wissenschaftler könnten weitreichende Konsequenzen für verschiedene Fachgebiete – von der Pädagogik bis hin zur Kriminologie – haben, heißt es in einer Pressemitteilung der Universität Regensburg. Sie belegen zudem, dass das Abrufen von Erinnerungen in sozialen Gruppen zwei Gesichter haben kann. Der Grundsatz „Schweigen ist Gold“ gelte dabei eben nur unter bestimmten Bedingungen. (dpa, PM)

zum Bericht: Studie: Multitasking verhindert Langzeiterinnerung

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