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Flüchtlingskinder: Philologen-Verbandschef fordert Dolmetscher für den Einsatz an Schulen

HANNOVER. Sie kommen aus Syrien, Afghanistan oder vom Balkan: Allein in Niedersachsen werden in diesem Jahr etwa 30.000 schulpflichtige Flüchtlinge erwartet – bundesweit bis zu 400.000. Vor dem Schuljahresbeginn in Niedersachsen sind die Lehrer dort in Sorge: Sie wünschen sich für die Arbeit mit den Flüchtlingskindern mehr Unterstützung vom Land und warnen vor großen Problemen.

Allein in Niedersachsen werden in diesem Jahr 300.000 Flüchtlingskinder in den Schulen erwartet. Foto: Dick Vos / flickr (CC BY-NC-SA 2.0)

Allein in Niedersachsen werden in diesem Jahr 300.000 Flüchtlingskinder in den Schulen erwartet. Foto: Dick Vos / flickr (CC BY-NC-SA 2.0)

Für Tausende von Flüchtlingskindern, die kaum Deutsch sprechen, beginnt am Donnerstag in Niedersachsen die Schule. Die wachsende Zahl an Asylbewerbern ist nach den Sommerferien auch mit besonderen Herausforderungen für niedersächsische Lehrer verbunden. «Die Mädchen und Jungen können nicht einfach in die Klassen gesteckt werden», sagte Horst Audritz, Landeschef des Philologenverbandes. «Wir benötigen Hilfsmittel für den Unterricht, Dolmetscher und möglichst kleine Lerngruppen.» In diesem Jahr wird für Niedersachsen mit insgesamt rund 80.000 Flüchtlingen gerechnet, etwa 30 bis 40 Prozent von ihnen sind schulpflichtige Kinder und Jugendliche.

Pensionierte Lehrer in die Schulen zurückzuholen, könne nur im Einzelfall auf freiwilliger Basis eine Überbrückung sein, sagte der Präsident des Verbandes, in dem vor allem Gymnasiallehrer organisiert sind. Nach Audritz‘ Überzeugung ist es sehr wichtig, dass junge Asylbewerber so früh wie möglich reguläre Schulen besuchen, auch um mit hiesigen Werten vertraut zu werden. «Es dürfen keine Parallelstrukturen in Containerdörfern entstehen», warnte er.

Auch der bildungspolitische Sprecher der FDP-Fraktion in Hannover, Björn Försterling, fordert mehr Engagement der Landesregierung für den Unterricht von Flüchtlingen. Die deutsche Sprache sei ein wichtiger Schlüssel zur Integration, sagte der Landtagsabgeordnete. Außerdem seien die Flüchtlingskinder die Fachkräfte von morgen.

In einem Brief an Kultusministerin Frauke Heiligenstadt (SPD) wollen mehrere Lehrerverbände ihr Anliegen unterstreichen. Ministeriumssprecherin Susanne Schrammar sagte: «Wir fangen in Niedersachsen nicht bei Null an.» So habe die Landesregierung die Mittel für die Sprachförderung massiv aufgestockt. «Die Zahl der Sprachlernklassen ist im vergangenen Schulhalbjahr auf rund 240 gestiegen, dies entspricht einer Vervierfachung gegenüber dem Schuljahr 2013/2014.» Heiligenstadt will ihre konkreten Pläne zum Schulbesuch von Flüchtlingskindern am Mittwoch vorstellen.

«Niedersachsens Schulen stehen zu Beginn des neuen Schuljahres vor großen Herausforderungen», sagte Manfred Busch vom Verband Niedersächsischer Lehrkräfte am Montag in Hannover. Insbesondere die Integration der zahlenmäßig stark zunehmenden Flüchtlingskinder werde Schulen herausfordern.

Die meisten Lehrer seien auf diese Aufgaben, insbesondere auf das Vermitteln von Deutsch als Fremdsprache, weder ausgebildet noch vorbereitet. Sie bräuchten hierzu umgehend Unterstützung in Form von Fortbildungskursen, betonte Busch. Auch die Anzahl der Sprachlernklassen – obwohl zum neuen Schuljahr bereits erhöht – werde nicht ausreichen. «Der Spracherwerb ist nun einmal eine der wichtigsten Voraussetzungen für eine erfolgreiche Integration. Es kann und darf nicht sein, dass Flüchtlingskinder ohne Deutschkenntnisse sofort am Unterricht in Regelklassen teilnehmen müssen, weil in den bestehenden Sprachlernklassen kein Platz ist oder solche gar nicht existieren», sagte Busch. dpa

Zum Kommentar: Frau Merkel, übernehmen Sie! Lassen Sie die Schulen mit der Eingliederung der Flüchtlingskinder nicht allein!

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