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Liebe Schulpolitiker, gebt endlich mal Ruhe

Ein Kommentar von NINA BRAUN.

Die Bildungsjournalistin Nina Braun. Foto: Bildungsjournalisten.de

Die Bildungsjournalistin Nina Braun. Foto: Bildungsjournalisten.de

Es gehört zu den demokratischen Selbstverständlichkeiten, dass im Wettbewerb um den Wähler unterschiedliche Ideen und Ansätze diskutiert werden. Blöd wird die Sache allerdings immer dann, wenn Entscheidungen, die naturgemäß längere Perspektiven als eine Legislaturperiode brauchen, hin und her gewendet werden. Der Atomausstieg beispielsweise lässt sich nicht mal eben nach vier Jahren revidieren, wenn eine neue Bundesregierung andere Prioritäten setzt. Auch die Frage, ob Deutschland in der Euro-Zone bleiben soll, ließe sich nicht mit einem wilden Zickzack-Kurs beantworten. Ob Nato-Mitgliedschaft oder Hochschulrahmengesetz – es braucht verlässliche Strukturen, damit sich der Staat nicht im Chaos verliert und der Bürger sich auf das Prinzip des Vertrauensschutzes verlassen kann.

Damit rühren wir an ein Kernproblem der Schulpolitik in Deutschland: die fehlende Kontinuität. So flott, wie die Landesregierungen mitunter am Steuerrad wechseln, bewegt sich der Supertanker Schulsystem nicht. Zehn Jahre, so veranschlagen Bildungsforscher, benötigen Schulreformen, bis sie Wirkung entfalten. Die durchschnittliche Verweildauer von Kultusministern im Amt ist aufgrund des enorm gewachsenen öffentlichen Drucks mittlerweile auf rund zweieinhalb Jahre gesunken. Und jeder neue bringt eigene Schwerpunkte und andere Ideen ein. Liebe Bildungspolitiker, wie wäre es mal damit, den Schulen statt eines Radikalumbaus Ruhe zu versprechen? Ihnen Zeit zu geben, um begonnene Reformen umsetzen und ihre Wirkung beurteilen zu können? Dass dies gehen kann, hat Nordrhein-Westfalen vorgemacht: Der dort von rot-grüner Landesregierung, Opposition, Lehrer- und Elternverbänden getroffene Schulkonsens hat verlässliche Strukturen geschaffen. Vorbildlich.

Interessant ist in diesem Zusammenhang, was der Neuseeländer John Hattie in seiner als Bibel der Bildungsforschung geltenden Meta-Studie herausgebracht hat: Der Rahmen ist nicht so wichtig; in erster Linie ist es die Qualität des Unterrichts, die zählt. Anders ausgedrückt: Auf die Lehrer kommt es an. Auf änderungswütige Schulpolitiker eher weniger. (Beitrag vom 1.9.2014, aktualisiert am 19.8.2015)

Zum Beitrag: Das ewige Hin und Her – CDU will Schulreformen von SPD und Grünen wieder rückgängig machen

 

42 Kommentare

  1. Genau, Frau Braun, die Qualität des Unterrichts zählt. Nur, wenn zu einem Großteil in einer neu gegründeten Schule gar nicht mehr Unterricht stattfinden soll, sondern nur noch die Aneignung selbstidentischen Wissens in „Lernbüros“, dann kann auch der gute Lehrer nicht wirklich wirken. Es ist also nur konsequent, diesen Quatsch, diese Bildungsesoterik wieder einzustampfen.

    • Sie haben ja so Recht!!
      Was Sie aber stark kritisieren, ist doch seit geraumer Zeit der „neueste Schrei“ in den Schulen. Dabei gibt die konstruktivistische Didaktik den Lehrkräften die Legitimation so zu arbeiten.

      Mich wundert allerdings, dass Frau Braun auf John Hättie verweist, der den Lehrer (Hallo, wo bleibt denn hier die „gendergerechte Sprache“, lach?) in den Mittelpunkt des Unterrichts stellt und dabei übersieht Frau Braun offensichtlich, wie heutiger Unterricht oft stattfindet.

    • Milch der frommen Denkungsart

      So wird ein Schuh draus !
      Der von Ihnen, Frau Braun, ja zurecht monierte Durchlauferhitzer jener permanenten Reformeritis hat uns Lehrer vielerorts zu „Lernarrangeuren“
      sowie „coaches“ verbogen, die ihren Schülern nur mehr einen Wust von
      Arbeitsblättern vor die Füße werfen sollen, um sie in derart organisierter
      Verwahrlosung herumexperimentieren, tatsächlich aber umherirren zu
      lassen, obwohl bereits Platon – nicht der dümmste unter unseren Kollegen –
      erkannt hat, dass wir Menschen durch instruierte Imitation der Älteren
      lernen ! Hätte dieser absurde, aber politisch oder gar ideologisch von
      oben verordnete Rousseauismus nicht Platz gegriffen, wäre Ihre Klage
      weniger nötig.

      • Wenn Politiker über Schul – „Reformen“ schwadronnieren, meinen sie in erster Linie die Schulformen. Evtl. habe ich ja da etwas nichts mitbekommen, aber gibt es Stimmen von Politikern (auch von CDU/CSU oder FDP) zu der Form von Unterricht, den Sie so treffend kritisieren?

  2. Liebe Frau Braun,

    ja, Ruhe und Kontinuität wären wirklich mal sinnvoll, aber bitte auch nur mit sinnvollem Schulsystem. Mich als Junglehrerin stört es seit Anfang an, dass all diejenigen die das Sagen in unserem Beruf haben oft vom Beruf selbst leider schlichtweg keine Ahnung haben und daher Dinge entscheiden, ohne die wahren Umstände zu kennen. Schön, wenn es Studien gibt, die belegen, dass Gemeinschaftsschulen und selbstorganisiertes Lernen das Nonplusultra sind, aber wenn ich aus der Praxissicht darauf schaue, sehe ich genau, dass garantiert die Hälfte meiner Schüler mit Selbstorganisiert komplett überfordert ist. Ja, auch sie sollten es lernen, aber als eine von mehreren Möglichkeiten und in Ruhe in einem Rahmen, der sie nicht überfordert!
    Ich bin absolut für das dreigliedrige Schulsystem, das Problem liegt in der Wirtschaft. Solange ein Hauptschulabschluss immer weniger wert wird und auch Handwerksberufe jetzt schon oft die Mittlere Reife voraussetzen läuft in unserer Gesellschaft etwas schief. Das kann die Bildungspolitik mit ihren Einfällen aber leider nicht auffangen, siehe Idee Werkrealschule. Die Mittlere Reife einer Werkrealschule wird trotz gleichem Namen immer ein „Gschmäckle“ haben und sicher nicht als gleichwertig zur Mittleren Reife eines Realschülers gesetzt werden. Also nächste Idee: Gemeinschaftsschule! Toll, da wird jetzt einfach alles zusammengeworfen und bis es endlich einen Bildungsplan für diese neue Schulart gibt, gilt halt der Realschulstandart… Wohl überlegt bzw. zum Wohle der Schüler mit der Beachtung der Einzelnen sieht für mich anders aus! Dann lieber dreigliedrig und durchlässig, auch dann hat man alle Chancen, wenn man möchte bzw. das nötige Engagement mitbringt. Klar, das schafft sicher nicht jeder, aber wir brauchen nach wie vor auch handwerklich begabte Menschen 🙂

    • Ein Kommentar, der mir aus der Seele spricht! Toll, liebe Tanja, und vielen Dank!!

    • Ich frage mich schon die Zeit, warum sich hier nicht mehr Lehrkräfte melden, die vor Ort doch jeden Tag erleben, dass es bei genauerer Betrachtung mit der „schönen neuen Schulwelt“ nicht so weit her ist!
      Warum also diese Zurückhaltung??

      • Milch der frommen Denkungsart

        @mehrnachdenken:

        Solange etwa im von Frau Braun zum Gelobten Land verklärten Nordrhein-Westfalen die Einser-Abiturnoten wie Unkraut aus dem Boden wuchern, ergo die Eltern den an ihren Kindern verstohlen begangenen Betrug nicht realisieren, werden auch die ja eh nicht als wider-harrig bekannten Pauker in Mehrheit nicht auf die Bar-rikaden gehen – leider.

        • Ist das nicht mal wieder ein gutes Beispiel für die Manipulierbarkeit des „Homo Sapiens“, lach?
          Da sind Noten oft nichts Anderes als gut verpackte Mogelpackungen, aber so lange der Inhalt „stimmt“, fragt niemand nach dem „Wie“ oder dem „Warum“.

          Wehe aber, wenn eine Lehrkraft diese „Spielchen“ nicht mehr mit macht und z.B. echte Leistungen verlangt und entsprechende Noten verteilt! Dann kann er fast sicher sein, von seinen „Kollegen“ einiges zu hören zu bekommen und auf einmal werden Eltern putzmunter und verlangen nach Erklärungen.
          Das sind aber harmlose Reaktionen. Oft geht’s auch bei den „Kollegen“ ganz anders „zur Sache“, und Eltern beschweren sich nicht nur bei der Schulleitung, sondern gleich bei der Schulbehörde.
          „Spielverderber“ werden eben nirgendwo gemocht, auch nicht in der Schule.

          • Und wehe, wenn in Folge eines unterjährigen Lehrerwechsels (z.B. aufgrund von Schwangerschaftsvertretungen o.ä.) die Noten zumindest gefühlt abfallen, weil die vertretende Lehrkraft im Gegensatz zur vertretenen Lehrkraft in den Stufen 8-10 eine Mitarbeit im Unterricht und eine intensive Nacharbeit des Stoffes als selbstverständlich voraussetzt …

          • @xxx
            Das nenne ich dann mangelnde Absprache!

      • Tanjas Kommentar beschreibt wohl die extreme veränderte Situation in Baden-Württemberg: Innerhalb kurzer Zeit die Umwandlung von einem jahrzehntelang
        gepflegtes Schulsystem in ein anderes, kaum erprobtes.

        „…dass es bei genauerer Betrachtung mit der „schönen neuen Schulwelt“ nicht so weit her ist!“
        Diese Aussage kann ich für mein Bundesland und meinen Schultyp nicht unterstreichen. Es sind viele gute und bessere neue Sachen dabei, natürlich auch Konzepte, die nicht durchführbar sind. Heutzutage habe ich als Lehrkraft wesentlich mehr Handwerkszeug, den Unterricht zu einem Thema abwechslungsreich zu gestalten. Das Problem ist eher, bei all diesen Angeboten den Überblick zu behalten. Das umfangreiche Angebot macht die Unterrichtsvorbereitung zeitintensiver.

        Mich stören eher solche Sachen wie: die äußeren Rahmenbedingungen bleiben, aber wir bekommen mehr und mehr Aufgaben übergestülpt z.B. externe Evaluation, Konzepterstellungen, Inklusion etc. für die es kein praxistaugliches Konzept oder die unnötig sind.
        Auch die in dieser Diskussion erwähnte Individualisierung mit gleichen Leistungstests ist nicht zu Ende gedacht, das kann nur ansatzweise funktionieren.
        Oder man macht einen modernen Unterricht, der schwerpunktmäßig auf selbstentdeckenden Lernen liegt, braucht aber dazu mindestens die doppelte Zeit um zum fachwissenschaftlichen Ergebnis zu kommen. Natürlich habe die Schüler dort mehr Spaß gehabt und mehr andere „Kompetenzen“ entwickelt, doch die Lehrplaninhalte wurden seit Jahr und Tag nicht weniger. (Sie wurden höchstens einmal umgeschichtet, aber im Umfang hat sich nichts verringert.) Deswegen kann man diese Unterrichtsmethode nicht ständig durchziehen.
        Oder wir sollen ein Konzept für die Praxis entwickeln – ja solche Aufgaben erhalten wir immer mal wieder an den Schulen – deren Hintergründe theoretisch vorgegeben sind, in dem Spagat, dass die ganzen Rahmenbedingungen bleiben.

  3. Diese Lernbüros und Lernwerkstätten blühten bei uns so richtig in der Zeit der Jahrgangsmischung und der “ jeder-soll-nach-seinem- eigenen-Tempo-lernen“ Idee auf. Am Ende schreibt aber jeder die gleichen Tests und soll nach dem Schuljahr bestimmte Lernziele und Kompetenzen erreicht haben.

    • „Blüten“? ist davon nun Abstand genommen worden?

      Was soll denn dabei am Ende herauskommen, wenn jeder nach seinem Tempo lernt, am Ende aber alle den selben Test bewältigen müssen?
      Da hätte ich mich als Sch aber schön „verar …“ gefühlt. Nehmen die Eltern diesen „Zirkus“ kommentarlos hin?

      • Ja, denn denen kommt es auf den Schulabschluss an. Ob der Mittlere Schulabschluss dann nach 9 oder 12 Jahren erreicht ist, ist denen vollkommen egal. Genauso egal wie die Frage nach den eingesetzten Methoden und didaktischen Konzepten.

        Was meinen Sie warum die „Schulen des längeren gemeinsamen Lehrnens“ so boomen? Die Eltern vertrauen darauf, dass ihr Kind den MSA schon schaffen wird. Den Warnhinweis dass jeder nach seinen Möglichkeiten gefördert wird und die Schule alle Schulabschlüsse in der SekI verleiht, wird in der Regel falsch verstanden. Das fällt immer dann auf, wenn die lieben Kleinen am Ende der ).1 ihre erste Schulabschlussprognose mit den Halbjahreszeuignissen erhalten. Selbst die ausdrücklichen Hinweise zum Arbeitsverhalten und zum Leistungsstand in den halbjährlich mit Eltern und Schülern geführten Beratungsgespräche können die Eltern in das Vertrauen auf die Leistungsfähigkeit ihres Nachwuchses nicht erschüttern.

        BTW die Anmeldezahlen an den GY sind übrigens aus dem gleichen Grund so hoch.

        • „Selbstbestimmtes Lernen“, „Lernen nach eigenem Tempo“ oder „Lerntagebuch“, alles wohl klingende pädagogische Begriffe , die sich bei näherem Hinsehen aber als wenig praxistauglich und damit als Täuschung oder Mogelpackung entpuppen?

          Wenn ich mir vor Augen halte, dass …

          – zahlreiche Sch nicht einmal korrekt von der Tafel abschreiben können, von
          einer formalen AB – Gestaltung mal ganz abgesehen,
          – zahlreiche Sch ein RS – Übungsheft nicht nach best. Kriterien führen können
          und wollen, dass ihnen x- mal – auch praktisch – erläutert wurde,
          – zahlreiche Sch trotz intensiven praktischen Übens nicht in der Lage sind,
          Fehlerwörter auf Karteikarten zu schreiben und mit ihnen selbstständig zu
          üben, (Fächer – Prinzip)
          – dass, dass, die Liste ließe sich beliebig verlängern.

          Andererseits bringen die Verlage aber am laufenden Band Materialien zum „individuellen Lernen“ heraus und preisen es als „easy“ und „kinderleicht“ an.

          Meine praktischen Schulerfahrungen liegen nun bereits einige Jahre zurück, aber selbst vor 10 Jahren stellte ich bereits eine große Unselbständigkeit bei vielen Sch fest. Nur durch intensives Üben konnte bestimmte Lernergebnisse erreicht werden.
          Diese Probleme sollen sich nun alle „in Luft“ aufgelöst haben, und die Sch sitzen auf einmal intrinsisch hoch motiviert über ihren „maßgeschneiderten“ Plänen und bearbeiten sie selbstständig und fehlerfrei?

          Ich kann es kaum glauben!

          • Die Schüler sind genau wie immer, der Lehrer soll überall gleichzeitig sein und jeden individuell fördern. Den Eltern bleibt nichts anderes, als es zu glauben.

          • @ Mississippi

            Die Eltern _verlangen_ es sogar, weil die Politik und die Schulprogramme es ihnen vorgaukeln. Zugegeben, nicht alle Eltern. Aber verstärkt die mit Helikopterausbildung.

  4. Hallo, Frau Braun,
    Sie schreiben: „Zehn Jahre, so veranschlagen Bildungsforscher, benötigen Schulreformen, bis sie Wirkung entfalten.“
    Das gilt leider nicht nur für gute, sondern auch für schlechte Reformen. Darum ist Ihr Aufruf zu geduldigem Abwarten eine zweischneidige Sache – zumal falsche Weichenstellungen oftmals nur schwer oder gar nicht mehr zu korrigieren sind, weil die Voraussetzungen entfernt wurden.
    Sie meinen weiter, dass „der Supertanker Schulsystem“ viel zu unbeweglich sei und obendrein „fehlende Kontinuität“ aufweise. Das passt nicht zusammen, denn was ist kontinuierlicher als ein Supertanker und was ist unkontinuierlicher als ein Rennboot mit dem von Ihnen zu Recht kritisierten „wilden Zickzack-Kurs“?
    Sie haben vermutlich zweierlei im Auge. Erstens soll der schwer angeschlagene „Supertanker Schulsystem“ ohne langes Hin und Her von einem fortschrittlichen – vermutlich rot-grünen – Gefährt wie im vorbildlichen Nordrhein-Westfalen abgelöst werden und zweitens soll dieses Gefährt Bestandsschutz erhalten für mindestens zehn Jahre. Das verpflichtet Nachfolgeregierungen zum Stillhalten.
    Nur so kann ich den unbeweglichen „Supertanker Schulsystem“ und die „fehlende Kontinuität“ unter einen Hut bringen.

    • Der Zick-Zack-Kurs trifft es doch recht gut.
      Schulsystem hin oder her, es ist unendlich kräftezehrend und zeitraubend, spätestens alle 4-5 Jahre grundlegende Schulkonzeptionen neu zu erfinden.
      In der Regel ist es doch so, dass die Ministerien zwar sagen, WAS zu ändern ist, aber nicht WIE.
      Es sind Lehrkräfte, die von G8 auf G9 und wieder zurück umsatteln – ein Beispiel, das jedem ersichtlich ist und einleuchtet.
      Genauso gibt es aber eine Vielzahl von weiteren Vorgaben, die Jahr für Jahr viel Arbeit einfordern. In der Regel muss sich dafür JEDE Schule auf den Weg machen, JEDE Schule Konzepte erdenken, JEDE Schule ausprobieren und evaluieren.
      Das gilt auch für Bildungsstandards und neue Curricula, Individuelle Lernentwicklung, Inklusion sämtlicher Förderbereiche, Schullaufbahnempfehlungen samt Gutachten oder Entwicklungsgespräche, Notenzeugnisse oder Berichte zum Halbjahr etc. … Diese Liste wäre sicher sehr lang, wenn wir gemeinsam die Änderungen der letzten 15 Jahre zusammentragen würden. Vermutlich nicht ganz unabhängig vom Regierungswechsel einzelner Bundesländer, aber es gibt auch länderübergreifende Initiativen, die in allen Bundesländern umgesetzt werden, egal ob geraade rot, grün, schwar, gelb oder anders bunt auf den Fahnen weht.

      Dazu kommen solch alltäglich Dinge wie laufend geänderte Schulbuchausgaben, Lehrer- und Schulleiterwechsel, Referendare (mit laufend geänderter Ausbildung), Anbauten, Umbauten etc., die ja auch berückstichtigt und bedacht werden müssen.

      Gerade in Nds. sind Änderungen erfolgt, die die großen Parteien miteinander an einem Tisch diskutiert und gemeinsam entschieden haben (Inklusion).
      Gesamtschulen waren vorher jahrelang unterbunden, es konnten keine neuen gegründet werden, jetzt ist der Trend gegenläufig.

      Käme man aber mit einem verpflichtenden Konsenz weiter?

  5. Meine Forderung:
    Konsequentes Einbeziehen der Vorschläge/Gedanken vieler erfahrener Lehrer in den Schaltzentralen des Ministeriums.
    Denn diese Leute wissen, wie es läuft. In meinen Augen haben viel zu schnell Leute etwas zu sagen, die zum Teil aufgrund ihrer guten Examen eine steile Karriere gemacht haben, aber nie richtig und lange genug erfahren haben, wie die Arbeit an der Basis läuft. Außerdem scheinen in den Ministerien grundsätzlich viele Juristen zu sein, die schon berufswegen die Arbeit an der Basis überhaupt kennen.

    • PseudoPolitiker

      Ich stimme Ihnen von vorne bis hinten zu. In der Bildungspolitik haben zu viele Leute das Sagen, die vom Schulalltag keine oder nur sehr wenig Ahnung haben. Eine Firma ginge pleite, wenn sie von vorwiegend Ahnungslosen gelenkt würde.

    • Damit keine Missverständnisse entstehen, ich meinte natürlich:
      … die schon von Berufs wegen die Arbeit an der Basis überhaupt nicht kennen.

  6. Bei all dem individuellen Lernen geht doch so viel verloren. Wo sind die guten Unterrichtsgespräche und Diskussionen, die wir mit unseren Lehrern hatten? Wo der soziale Aspekt? Die Kinder sind doch schon vom Elternhaus her vor allem Individuen, das Miteinander sollte doch gerade im Vordergrund stehen, auch das gegenseitige Helfen, abgucken von den Schlauen, schadet das ? Ich möchte nicht der schlechte Schüler sein, der kaum hinterherkommt und neben dem der Lehrer /die Lehrerin die ganze Zeit steht.
    Das Verbalisieren der Inhalte kommt zu kurz in einer Gesellschaft, in der man von Spracharmut redet.

    • Wenn individuelles Lernen so organisiert ist, dass jeder an für ihn zugeschnittenen Aufgaben arbeitet, dann stimme ich Ihnen zu.
      Es gibt allerdings auch andere Methoden, in denen es ein Stück weit individuelles Lernen gibt, die Ergebnisse aber dann wieder zusammengeführt und diskutiert werden, wie z.B. in der think – pair – share (ich-du-wir) Methode. Oder aus dem Mathe – SINUS -Programm, wo Schüler eine so offene Aufgabe gestellt bekommen, die jeder in seinem Niveau bearbeiten kann. Da haben sich in den letzten Jahren die Didaktiker viele Gedanken gemacht und einige Methoden aus dem englischsprachigen Raum übernommen.
      Von der Grundschule her kann ich nicht sagen, dass zu wenig diskutiert wird, eher zu viel. Genauso, was Referate/Vorstellen von Gruppenergebnissen betrifft. Da sind heutzutage Viertklässler schon Experten.

      • Stimmt das tatsächlich?
        Es gibt hier zahlreiche andere Stimmen von L, die wohl noch alle im Schuldienst tätig sind.
        Zudem „ticken“ in Bayern die „Schuluhren“ offensichtlich noch etwas anders, als z.B. in NRW.
        Deshalb würden mich andere Meinungen ja so sehr interessieren.

  7. Wir haben in der Schule z.B. für das Fach Deutsch Material zum individuellen Lernen. Benutzt man es so, wie von der Idee her gedacht, arbeiten manche Schüler am Themenheft Rechtschreiben, die nächsten am Heft Grammatik, während andere schon beim Heft Texte verfassen sind und die ganz Schnellen sind schon beim Themenheft Lesen. Ist die Lernportion fertig, geht es mit der nächsten los, wieder Rechtschreiben, Grammatik, Texte, Lesen, nächste Lernportion. Jeder ist woanders. Und mir fehlt schon das gemeinsame erarbeiten, verbalisieren, sichern. Aber ich und viele Kolleg/innen arbeiten inzwischen mit dem Material in einer doch etwas / ziemlich strukturierten Weise.

    Präsentationen stehen bei uns auch hoch im Kurs. Betrifft aber v.a. den Sachunterricht.

    • Mit anderen (und überhaupt nicht negativ gemeinten) Worten benutzen Sie das Material als Aufgabensammlung für mehr oder weniger klassischen Unterricht, der im Gegensatz zu dem was diverse Bildungslobbyi — ääh — experten verkaufen woll — ääh — herausgefunden haben, offensichtlich auch nach Jahrzehnten der Praxis noch immer funktioniert.

      • So ähnlich, das Gute ist, dass Schnelle schon selbst weiterarbeiten können und noch zusätzliche Ergänzungen von den Lehrern bekommen, bis alle „soweit“ sind. So wird niemand ausgebremst, besonders Schlaue können noch „Sternchenaufgaben“ erledigen, von allen wird aber erwartet, das normale Pensum zu schaffen. Wer sowieso Mühe hat, muss nicht noch zusätzliche Aufgaben erledigen oder eben leichtere.

  8. Nachtrag: Ich führe die Themen immer gemeinsam ein, auch die ersten Übungsstunden. Dann dürfen die Schüler tatsächlich selbständig weiterarbeiten. Aber alle sind beim selben Thema und es wird am nächsten Tag gemeinsam „verbalisiert“, bevor die Kinder dann weiterarbeiten. Es folgt ein Test, den alle bei mir möglichst zeitnah schreiben, aber manche schreiben ihn dann schon 1 Woche oder 10 Tage später. Bei unserem Material könnte das aber völlig frei laufen. Dann bräuchte man eben ein Schuljahr länger. Das sehe ich überhaupt nicht so. Kindern, die alles verstanden haben, aber nur langsam arbeiten, streiche ich den Stoff zusammen und setze ihnen einen Termin, bis wann sie spätestens den Test schreiben. (Einserschüler). Danach fange ich mit allen ein neues Thema an. Die Schnellen kann man nicht ewig mit Zusatzkniffeleien beschäftigen und der Lehrplan sollte ja für alle erfüllt werden.

    • Nachfrage: Welches Material setzen Sie ein und von welchem Bundesland sprechen Sie?
      Mir sind Flex und Flo von Diesterweg und Einstern von Cornelsen bekannt.

      • In Mathematik ist es Einstern, in Deutsch Lola, Einsterns Schwester, Bundesland BaWü.

        • Hausaufgaben sind auch individuell. Ich sage tatsächlich jedem Schüler/in, was er/ sie bis zur nächsten Stunde arbeiten soll. Aber ehrlich gesagt, so komme ich ganz gut klar mit dem Material. Mir liegt nur nicht das ganz freie laufen lassen. Vielleicht bin ich da ein bisschen autoritär…

    • Gibt es noch so eine klassische Std., wie ich sie kennen lernte:

      1. Einstieg (Motivation, Neugier wecken)
      2. Problemstellung
      3. Erarbeitung
      4. Auswertung und ggf.
      5. Transfer

      Es gab nicht nur eine Methode oder eine Sozialform, sondern einen Methoden- und Sozialformenmix.

      • Jeder, der im Schuldienst ist, wird Ihnen die Frage etwas anders beantworten. Inzwischen gibt es doch einige Unterrichtsvarianten. Einen guten Überblick erhält man, wenn man sich die Unterrichtsentwürfe bei 4 teachers anschaut, die in der Regel von Referendaren eingestellt sind. Da sind auch traditionelle dabei. Das Schema kenne ich ja auch noch, doch das war im Prinzip lehrergeführt und mit Feinzielen gespickt und es wurde eins nach dem anderen abgearbeitet. Wenn aber mit diesem Schema offen gearbeitet wird, das Raum für Individualität lässt, kann man dieses Schema heute mit Abwandlungen anwenden. Eine große Motivationsphase ist dann nicht mehr nötig, sondern man kann schnell in die Erarbeitungsphase gehen, weil hier die Schüler ihre Fähigkeiten und ihr Wissen einbringen. Die Auswertung ist dann eher die Reflexion über die Ergebnisse, die dann natürlich auch festgehalten werden, die Übung mit Aufgaben unterschiedlicher Schwierigkeiten und Erweiterung erfolgt dann anschließend. Der ganze Unterrichtsablauf ist jetzt globaler/offener angelegt.

        • Großen Wert legte ich auf die Sicherung der Unterrichtsergebnisse, die i.d.R. in top geführten Mappen festgehalten wurden. Mappen sammelte ich regelmäßig ein. Sie wurden bewertet. Zudem gab es zu Beginn der folgenden Std. von Sch immer eine kurze Zusammenfassung der letzten Std.,
          an die dann angeknüpft wurde.
          HA wurden grundsätzlich besprochen, verglichen und ggf. korrigiert.
          Eltern sollten auf keinen Fall bei den HA helfen. Stattdessen bat ich sie, mir Probl. bei der Anfertigung in einem Mitteilungsheft aufzuschreiben. Zu Beginn der Std. wurden nicht verstandene Inhalte noch einmal gründlich von Sch wiederholt.

  9. Mich würde mal die Kontrolle bei den unterschiedlichen Aufgabenstellungen (auch bei den Hausaufgaben) interessieren. Gelingt die noch oder wird sie nicht so genau genommen?

    • Ich kontrolliere immer, ob sie gemacht wurden. Schwierige Aufgaben, z.B. Sachaufgaben lesen wir nach einer Zeit, wenn alle sie gemacht haben, gemeinsam vor. Andere Aufgaben, bei denen Probleme auftreten könnten, kontrolliere ich gezielter. Ansonsten schaffe ich es nicht, bei jedem Kind jede Aufgabe zu kontrollieren. Es geschieht eher stichprobenartig. Die meisten Eltern kontrollieren die Hausaufgaben und setzen mit Bleistift einen Haken. Wenn ich wenig Zeit habe, bekommen auch mal alle die gleiche Hausaufgabe. Die lesen wir dann vor. Der Vorteil bei den individuellen Hausaufgaben ist, dass ich auch noch mal zurückgehen kann, d.h., wer z.B. die schriftliche Subtraktion ohne Übertrag noch nicht kann, muss noch nicht die mit Übertrag lösen. Ich habe aber nur 18 Schüler/innen im Moment, das ist dann leicht, den Überblick zu behalten.

      • Da gratuliere ich Ihnen, dass Sie gewissenhafte Eltern haben.

        Lassen Sie mich raten: Die Eltern, die die Hausaufgaben nicht abhaken, haben Kinder, die ein Abhaken besonders nötig hätten. Blöde Vorurteile …

        • @ xxx: Das ist so. Aber die Kinder können auch nicht besser rechnen, wenn jede Aufgabe kontrolliert wurde. Ich versuche mein Bestes und merke schon, wenn die Kinder Probleme haben, die können ja auch nicht abgucken. Im Unterricht bin ich ständig unterwegs oder sie kommen zu mir.

          Aber ich glaube, wir kommen vom Thema ab.

          • da haben sie recht. ich bin froh, dass sie sich nicht zu sehr vom Reformwahn beeinflussen lassen.

  10. .. vielleicht bedarf es auch im Bildungssektor eines genialen Visionärs wie Roland Pofalla – leider aus dem Kanzleramt von Frau Merkel zu einem lukrativen Posten bei der Bahn abgewandert – , der in der Lage ist, mit einem einfachen Satz den Reformismus in den Schulen ein für allemal für beendet zu erklären… ;-))

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