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Nach Debatte um Tweet der Schülerin Naina: Grüne wollen Alltagswissen stärker im Unterricht verankern

DÜSSELDORF. Den Satz des Pythagoras lernen die Schüler im Unterricht kennen. Aber was muss man eigentlich nach dem Schulabschluss bei der Wohnungssuche beachten? Auch solches Alltagswissen müssten Schulen künftig stärker systematisch vermitteln, meinen die Grünen in NRW, immerhin Teil der Regierung. Zuvor hatte sich auch schon Bundesbildungsministerin Wanka für ein Fach „Alltagswissen“ eingesetzt.

Ist das Fach Hauswirtschaft überholt? In NRW offenbar schon. Foto: pinkpurse / flickr (CC BY 2.0)

Ist das Fach Hauswirtschaft überholt? In NRW offenbar schon. Foto: pinkpurse / flickr (CC BY 2.0)

Wissen für das praktische Leben sollte nach dem Willen der Grünen mehr Raum im Unterricht nordrhein-westfälischer Schulen einnehmen. Vor allem das Fach Hauswirtschaft soll generalüberholt werden, kündigte die Schulexpertin der Landtagsfraktion, Sigrid Beer, an. Neben den bisherigen Schwerpunkten Ernährung und Gesundheit sollen weitere lebensnahe Alltagskompetenzen stärker vermittelt werden. Dazu zählten etwa der Umgang mit neuen Medien, Mietrecht und den eigenen Finanzen, erläuterte Beer in Düsseldorf.

Die Grünen wollen nach den Sommerferien eine Initiative ergreifen. Sie stellen in NRW mit der stellvertretenden Ministerpräsidentin Sylvia Löhrmann die Chefin des Schulministeriums.

Zu Jahresbeginn hatte eine Twitter-Mitteilung einer Kölner Schülerin bundesweit für Diskussionen darüber gesorgt, wie viel praktisch nutzbares Wissen deutsche Schulen eigentlich unterrichten. Naina hatte geklagt: «Ich bin fast 18 und hab keine Ahnung von Steuern und Miete oder Versicherungen. Aber ich kann ’ne Gedichtsanalyse schreiben. In 4 Sprachen».

Klassische Lernstoffe würden nun nicht gestrichen, versicherte Beer. «Eine Wohnung mieten und Gedichte interpretieren zu können, das geht zusammen.» Dafür sei kein neues, eigenes Fach Verbraucherbildung nötig. «Es gibt schon viele Bausteine, die wir wirkungsvoll miteinander verknüpfen können.» Dies sei im Sachunterricht ebenso möglich wie in Deutsch, Gesellschaftslehre, praktischer Philosophie und vielen anderen Fächern. Die Inhalte müssten aber unbedingt aktualisiert werden – auch wenn man über Häkeln, Stricken und Serviettenfalten dort längst hinaus sei.

Das Fach Hauswirtschaft soll einen attraktiveren Namen erhalten. Der bisherige Arbeitstitel bei den Grünen lautet Konsum-Ernährung-Gesundheit. Hauswirtschaft ist an den Gesamt-, Sekundar- und Hauptschulen in NRW reguläres Fach; an Realschulen und Gymnasien wird es als Wahlfach angeboten. Nach Vorstellung der Grünen sollen die systematisierten Inhalte der schulischen Verbraucherbildung in einer bindenden Rahmenvorgabe festgehalten werden. Über die Inhalte wollen sie sich vor allem auch mit der Landesschülervertretung austauschen. dpa

Zum Bericht: Jetzt will’s auch CDU-Vize Klöckner: Immer mehr Forderungen nach Schulfach „Alltagswissen“

 

4 Kommentare

  1. den Pythagoras kann man z.b. bei der wohnungssuche beachten. schließlich kann ein schrank nur gekippt werden, wenn die decke höher ist als die (oft schwer mess- aber mit Pythagoras leicht berechenbare) schrankdiagonale.

  2. und noch ein xyz-fach wie mensch-natur-technik und mensch-kultur-technik. mietrecht passt für mich in den arbeitstitel nicht hinein und dürfte bei den meisten unter 16-jährigen an irrelevanz kaum zu überbieten sein.

  3. Bei mir verstärkt sich der Eindruck, dass die Grünen ein guter Kontraindikator sind. Es empfiehlt sich, das Gegenteil dessen zu tun, was sie befürworten. In der Regel ist das vernünftiger als grünen Sirenengesängen zu folgen.
    „Alltagswissen“ ist ein Sammelbecken, in dem sich alles unterbringen lässt, was ideologisch am Herzen liegt und mit der Maske eines angeblich notwendigen Wissens um die Bewältigung des Alltags versehen werden kann.
    Es wird spannend sein zu beobachten, welche Inhalte über das „Alltagswissen“ allmählich die Fächer „bereichern“.

  4. Um wessen Alltag soll es denn hier gehen? Whats-App-News schreiben, irgendwas bei Facebook posten, chillen? Abhängen? Das können die meisten Jugendlichen schon, vieles andere interessiert sie so wenig wie der Satz von Pythagoras.

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