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Rolle rückwärts bei G8 bald auch in Nordrhein-Westfalen? SPD-Fraktion denkt über Plan B zum «Turbo-Abi» nach

DÜSSELDORF. Das «Turbo-Abitur» bleibt ein heißes Eisen – auch in Nordrhein-Westfalen. Wenn das politische Versprechen, Gymnasiasten zu entlasten, gebrochen wird, droht Rot-Grün ein Debakel bei der Landtagswahl 2017. Die SPD sucht schon nach Auswegen.

Die SPD-Landtagsfraktion will über einen «Plan B» nachdenken, wie es in Nordrhein-Westfalen weitergehen könnte, falls die versprochenen Entlastungen zum «Turbo-Abitur» ausbleiben. Das kündigte die stellvertretende Vorsitzende Eva-Maria Voigt-Küppers am Dienstag in Düsseldorf an. Ende August wollen sich die Bildungspolitiker der Fraktion bei einer Klausur in Düsseldorf mit dem Thema beschäftigen.

Ob auch eine Rückkehr zum neunjährigen gymnasialen Bildungsgang (G9) denkbar sei – wie im ebenfalls rot-grün regierten Niedersachsen, falls keine Entlastungen spürbar werden, ließ Voigt-Küppers offen. Es gebe auch weitere Optionen, die geprüft werden könnten, falls die Entlastungen im Laufe des Schuljahres nicht eintreten, sagte die SPD-Politikerin. Als Beispiele nannte sie erweiterte Wahlmöglichkeiten zwischen dem acht- und dem neunjährigen Bildungsgang oder 8,5 Jahre.

Im neuen Schuljahr müssen alle Schulen in NRW Vorgaben des Ministeriums zur Entlastung der Schüler auf dem Weg zum «Turbo-Abitur» umsetzen. Dazu zählen Beschränkungen bei Hausaufgaben, Nachmittagsunterricht und Pflichtstunden. Schulministerin Sylvia Löhrmann (Grüne) hatte allerdings schon wenige Monate nach der Regierungsübernahme der rot-grünen Koalition 2010 einen Handlungskatalog für Entlastungen der G8-Schüler erarbeitet. Eine verbindliche Umsetzung an den Schulen blieb aber aus.

Es könne nicht weitere Jahre einfach abgewartet werden, räumte Voigt-Küppers ein. «Wir müssen vorbereitet sein, falls die Wirkung nicht so ist. Wir müssen festlegen, wie wir uns verhalten.» Es sei klar, dass Bildungspolitik immer auch ein zentrales Wahlkampfthema sei, sagte die SPD-Politikerin. In NRW wird im Mai 2017 der Landtag neu gewählt.

Das Landesparlament hatte im Juni die Forderung der Volksinitiative «G9-jetzt» abgelehnt, zum neunjährigen Gymnasium zurückzukehren. Die Initiative hatte dafür mehr als 100.000 Unterschriften gesammelt. «Wir wissen, dass diese Frage einen großen Teil der Eltern bewegt und nehmen das sehr ernst», versicherte Voigt-Küppers. Klar sei auch, dass die Meinung der in Verbänden organisierten Interessenvertreter, die sich für G8 ausgesprochen hatten, nicht deckungsgleich mit der Gesamtheit der Eltern sein müsse.

Die CDU-Opposition will im Wahlkampf auf jeden Fall den Unterrichtsausfall in NRW thematisieren. Technisch wäre es kein großes Problem, Ausfälle an den einzelnen Schulen zu erfassen, sagte Voigt-Küppers. Zuvor müsse aber definiert werden, was denn als Unterrichtsausfall gelten solle.

Die SPD-Politikerin räumte ein, dass der gemeinsame Unterricht von Kindern mit und ohne Behinderung noch nicht überall im Land reibungslos laufe. Beklagt werde vor allem ein Mangel an Sonderpädagogen in den Schulen. Eine Lösung könne sein, mehrere Sonderpädagogen an «Schwerpunktschulen» zu bündeln, schlug Voigt-Küppers vor.

Auf Bundesebene will die Landesregierung dafür eintreten, dass Integrationshelfer, die behinderte Kinder im Alltag unterstützen, künftig flexibler eingesetzt werden könnten. Ziel sei, dass ein Helfer dann mehr als einen Schüler unterstützen könnte.

Voigt-Küppers äußerte Unverständnis, dass 52 Kommunen die Verteilung der Inklusionskosten vor dem Landesverfassungsgericht überprüfen lassen wollen. Die Vereinbarungen seien zwischen Landesregierung und den kommunalen Spitzenverbänden nach langen Verhandlungen errungen worden, unterstrich sie. Die klagenden Kommunen sehen jetzt allerdings Klärungsbedarf bei der Anpassung der Inklusionspauschale. dpa

Zum Bericht: «Turbo-Abi» bleibt – NRW-Landtag lehnt Forderung von Volksinitiative ab

5 Kommentare

  1. Gibt es eigentlich ernstzunehmende Studien über die tatsächliche oder gefühlte Arbeitsbelastung der Schülerschaft am Gymnasium? Dazu gehören auch belastbare Daten über die tatsächliche Arbeitszeit der Schüler inkl. Hausaufgaben. Dazu kommen noch Sportverein, Musikschule, GEGEBENE Nachhilfe usw., jedoch NICHT die ERHALTENE private Nachhilfe. Davon ABZIEHEN muss man die laut Schulordnung maximal erlaubte tägliche Dauer der Hausaufgaben und natürlich die Unterrichtszeit an der Schule selbst. Mich würde es wundern, wenn bei einem nennenswerten Anteil Schüler noch eine positive Stundenanzahl übrig bleibt.

    Fazit: Wem das G8-Gymnasium zu anstrengend ist, der wechselt auf die Gesamt- oder Realschule. Das Argument „Die Gesamt- und Realschüler sind mir zu asozial.“ zieht nicht, wenn genügend viele Schüler dorthin wechseln, weil sich dadurch die soziale Durchmischung verbessert. Nur leider leider darf das alles insbesondere zu Wahlkampfzeiten so nicht sagen.

    • Die überwiegende Zeit hängen die Sch an den elektronischen Medien wie Smartphone und Co. In Berlin sollen es im Schnitt 50 Std. in der Woche sein.
      Das sind die eigentlichen Zeitfresser. Ja, was bleibt noch für die Schüle übrig? Klar, dass dann laut über die angeblich so hohe Schulbelastung gejammert wird!

  2. Etwas zum G8:
    Für mich war die Einführung typisch zum Zeitgeist. Irgendeiner hat die Idee aufgebracht, sie gut verkauft und dann wurde im Schnelligkeitswettbewerb der Länder (Wer ist der erste oder am weitesten vornedran) das G 8 eingeführt. So etwas klingt politisch immer gut, wenn man innovativ ist, das bringt Wähler. Allerdings sagt mir der gesunde Menschenverstand, dass durch das G 8 langfristig Lehrerstellen eingespart wurden, somit hat man da ja vermeitlich doppelt gewonnen.
    Statt alles genau zu überdenken im Sinne derjenigen, die es ausbaden müssen, hat man einen Schnellschuss gemacht, jetzt merkt man, dass es schlechter ist als vorher und nun drehen neue Landesregierungen den Spieß wieder um.
    Gut finde ich wenigstens, dass man wagt, den Schritt zum G 9 zu gehen. Oder ist es politische Notwendigkeit (Wählerschaft) ?

    • sinnvoll halte ich g8 für nach wie vor. die umsetzung aber genauso nach wie vor für dilettantisch, allen voran die Kürzung in der sek i und nicht in der sek ii.

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