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Cybermobbing unter Mitschülern – Medienscouts helfen

MAINZ. Medienkompetenz ist ein zentraler Bildungsauftrag. Eltern und Lehrer finden aber oft keinen Zugang zum digitalen Alltag von Jugendlichen. Hier setzt das Projekt der Schüler-Medienscouts an. In Mainz haben sie sich jetzt getroffen.

 Schüler helfen Schülern: Etwa 1900 Medienscouts geben in Rheinland-Pfalz praktische Lebenshilfe im digitalen Alltag. Auch in anderen Bundesländern, etwa in Nordrhein-Westfalen gibt es das Projekt. Jetzt haben sich rund 700 von ihnen zum ersten Mal getroffen, um sich über ihr Engagement auszutauschen und neue Anregungen mitzunehmen. Das vor sieben Jahren gestartete Programm sei «ein toller Erfolg», sagte Ministerpräsidentin Malu Dreyer (SPD) am Donnerstag in Mainz.

Nicht mehr angesagt: Facebook steht bei Jugendlichen nicht mehr hoch im Kurs.

Facebook ist für Jugendliche out, sagen die Medienscouts.

«Alle haben WhatsApp», erklärte Medienscout Helena aus der elften Klasse der Maria-Ward-Schule in Landau. «Dadurch werden die Mobbing-Fälle krasser.» Schon Fünftklässler erhielten über diesen Dienst zur Echtzeit-Kommunikation Kettenbriefe, berichtete Elisa, die ebenfalls Medienscout für die fünften bis achten Klassen in Landau ist. «Da ist dann eine Sprachnachricht dabei, in der damit gedroht wird, dass sich ein Mädchen umbringt, wenn der Kettenbrief nicht an zehn Adressen weitergeschickt wird.»

Ein verantwortungsvoller Umgang mit Facebook, WhatsApp oder Google sei ein zentraler Bildungsauftrag für die Schulen, sagte Dreyer. «Ihr übernehmt Verantwortung, ihr seid keine Yolos», rief sie den Medienscouts zu – mit Blick auf die Lebenseinstellung unter dem Motto «You only live once» (Man lebt nur einmal).

«Facebook geht gar nicht mehr», sagte Medienscout Helena. Spätestens ab der achten Klasse hätten sich die Schüler von dieser Plattform verabschiedet. Der Mainzer Medienwissenschaftler Stefan Aufenanger bestätigte: «Dort, wo Erwachsene hingehen, da gehen die Jugendlichen raus.» Für Jugendliche sei es wichtig, sich in sozialen Netzwerken mit ihren Hobbys und Anliegen zu zeigen – «man muss drin sein». Auf der anderen Seite gebe es Risiken und Grenzen. Die Medienscouts könnten beides reflektieren und bewusst machen. Es gehe darum, schon im Jugendalter kritisch über den Umgang mit eigenen Daten nachzudenken.

Für Jugendliche ist das Internet das meistgenutzte Medium. Der Mainzer Publizistikprofessor Gregor Daschmann verwies auf Studien, wonach Jugendliche im Schnitt mehr als drei Stunden (187 Minuten) am Tag im Netz unterwegs sind, während in der Gesamtbevölkerung Fernsehen und Radio noch an der Spitze liegen. dpa

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