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„dmexco“ in Köln: Digitale Wirtschaft im Aufwind – verschläft die Bildungsbranche den Trend?

KÖLN. Auf die Inhalte kommt es an, weniger auf die Form der Übermittlung. Sagt einer, der sowohl bei Print wie im Digitalen erfolgreich ist: Handelsblatt-Herausgeber Gabor Steingart. Er hat es geschafft, mit einem morgendlichen Briefing – einem persönlich gehaltenen Newsletter, der als E-Mail verschickt wird – weitaus mehr Leser anzusprechen, als das eigentlich von ihm geführte Blatt. Sein Erfolgsrezept? Dem Leser auf Augenhöhe begegnen, Kommunikation zulassen, sich nicht in den Redaktionsräumen verstecken, wie er verriet. Und das gelte eben auch für ihn, den Chef. So jettete Steingart im Anschluss an den Besuch in Köln zu einem Treffen mit 800 Lesern seiner Zeitung. Journalismus auf Tuchfühlung also.

Die "dmexco" zieht Tausende von Besuchern an, hier die Congressbühne. Foto: dmexco

Die „dmexco“ zieht Tausende von Besuchern an, hier die Congressbühne. Foto: dmexco

Steingart plauderte zur Eröffnung der dmexco, der Messe „Digital Marketing / Exposition and Conference“, die heute und morgen in der Domstadt stattfindet – und so etwas wie die deutsche Leitveranstaltung der digitalen Wirtschaft darstellt. Fast alle sind sie gekommen: globale Akteure wie Adobe, Amazon, E-Bay, Facebook, Google, Paypal, Spotify oder Twitter – und deutsche Media-Unternehmen wie Axel Springer, Bauer, IQ (Holzbrinck), Spiegel, Focus oder RTL. Die Veranstalter melden Rekordzahlen bei Ausstellern wie Besuchern. Auffällig: die Bildungswirtschaft, zu der ja auch nicht ganz kleine Verlage gehören, ist nicht unter den sich hier präsentierenden Unternehmen vertreten.

Warum eigentlich nicht? Die Antwort liegt auf der Hand: Die Bildungsbranche gehört eben nicht zu den Vorreitern beim Entwickeln digitaler Angebote. Dabei verfügt sie eigentlich über beste Voraussetzungen, um hier vorne mitzuspielen: nämlich große, netzaffine Zielgruppen – Lehrer, Schüler, Eltern, Weiterbildungswillige (also eigentlich fast alle) – und zum Teil hervorragende, mit der Erfahrung von Jahrzehnten entwickelte Inhalte.

Nun ist es ja nicht so, dass es keine Versuche gegeben hätte (und geben würde), Lernmittel über das Internet zu vertreiben. Die ambitionierte Plattform Scook von Cornelsen sei hier beispielhaft genannt. Trotzdem scheint es der Branche als ganzer nicht zu gelingen, mit ihren digitalen Angeboten in die Breite zu kommen. Das mag auch mit der schlechten Ausstattung der Schulen zu tun zu haben; trotzdem nutzen neun von zehn Lehrern einer aktuellen VBE-Umfrage zufolge das Internet im Unterricht – die Chancen sind also da.

Woran es hapert? An der Kommunikation – dies jedenfalls legt ein Besuch der dmexco nahe. Der große, auf der Messe heiß diskutierte Trend ist das Thema „content marketing“. Bedeutet: Unternehmen sprechen ihre Zielgruppen über das Netz mit ausgesuchten, aktuellen Inhalten an und binden sie so an sich. Das macht Coca-Cola mit einer Homepage, die einem bunten, der Marke entsprechenden Magazin entspricht. Das macht die Telekom, deren Startseite ja schon lange eine Nachrichtenseite darstellt. Und das macht Handelsblatt-Herausgeber Steingart, der täglich seinen Newsletter verschickt und damit die Auflage seiner Zeitung nach oben treibt.

Und die Bildungsverlage, die ja über gehaltvollen „content“ im Übermaß verfügen? Wie sprechen die aktiv Ihre Zielgruppen an? Suchen Sie nur mal zum Spaß etwa auf Facebook ein paar der großen deutschen Bildungsunternehmen! Das Ergebnis dieser kleinen Recherche sei hier vorweggenommen: Fehlanzeige. ANDREJ PRIBOSCHEK, Agentur für Bildungsjournalismus

Zum Bericht: Schulen kaufen zu wenige Schulbücher. Klett trotzt der Flaute – mit eigenen Schulen

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