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„Fünf nach Zwölf“ – CDU sieht Lehrer auf Flüchtlingskinder ungenügend vorbereitet

STUTTGART. Die CDU-Fraktion im Baden-Württembergischen Landtag fordert ein flexibles Verfahren und genügend Mittel für die Einstellung von Lehrern auch während eines Schuljahres, um eine bessere Integration von Flüchtlingskindern an Schulen zu ermöglichen. Spitzenkandidat Wolf mahnt außerdem Sofortmaßnahmen zur Verbesserung der Gemeinschaftsschulen an.

Die Südwest-Lehrer sind nach Ansicht der CDU schlecht auf die «größte pädagogische Herausforderung seit der Jahrtausendwende» vorbereitet: Für die Integration von Flüchtlingen an den Schulen sei eine dreitägige «Schnellbleiche» ungenügend, sagte Bildungsexperte Georg Wacker am Freitag in Stuttgart. «Es ist fast Fünf nach Zwölf. Wir vermissen ein klares Fortbildungskonzept.» Es gehe nicht nur um die Vermittlung der Sprache sondern auch von Alltagskompetenzen und Werten. Zudem forderte Fraktionschef Guido Wolf Kultusminister Andreas Stoch (SPD) auf, rasch den in einem Gutachten zur Tübinger Gemeinschaftsschule aufgezeigten Defiziten abzuhelfen. Gegenwind bekam er von Grünen und SPD.

"Es ist das falsche Ziel, die Gemeinschaftsschule mit allen Mitteln zum Erfolg bringen zu wollen", betont Guido Wolf, Spitzenkandidat der CDU-Baden-Württemberg für die Landtagswahl 2016 Foto: Robin Krahl /Wikimedia Commons (CC-BY-SA 4.0)

„Es ist das falsche Ziel, die Gemeinschaftsschule mit allen Mitteln zum Erfolg bringen zu wollen“, betont Guido Wolf, Spitzenkandidat der CDU-Baden-Württemberg für die Landtagswahl 2016 Foto: Robin Krahl /Wikimedia Commons (CC-BY-SA 4.0)

CDU-Spitzenkandidat Wolf betonte: «Es ist das falsche Ziel, die Gemeinschaftsschule mit allen Mitteln zum Erfolg bringen zu wollen, es muss darum gehen, die Schüler zum Erfolg zu bringen.» Statt sich mit der Unterrichtsqualität zu beschäftigen, konzentriere Stoch sich auf die Frage, ob dem Ministerium das Gutachten vorlag oder nicht und wie es an die Öffentlichkeit geraten konnte. In dem Gutachten ist die Rede unter anderem von nicht effektiv genutzten Lernzeiten.

Grünen-Landeschefin Thekla Walker bezichtigte Wolf, wider besseren Wissens eine engagierte Schule und eine ganze Schulart zu diffamieren. «Obwohl es längst Richtigstellungen vonseiten der Wissenschaftler, des Schulleiters und der Elternvertreter gibt, erzählt Wolf das Schauermärchen vom angeblichen Geheimgutachten skrupellos weiter.» SPD-Fraktionschef Claus Schmiedel warf Wolf Konzeptlosigkeit vor: «Die einzige erkennbare Strategie bleibt der ideologische Feldzug gegen die Gemeinschaftsschule.»

Die CDU-Fraktion nennt sieben «Sofortmaßnahmen», um die Lernbedingungen an der Gemeinschaftsschule bereits im anlaufenden Schuljahr zu verbessern. Dazu gehört, leistungsdifferenzierte Klassen, eine Vielfalt der Lehrmethoden, Noten und Sitzenbleiben zuzulassen. Überdies sollten keine weiteren als die bislang 271 Gemeinschaftsschulen genehmigt werden. Wolf regte außerdem einen Leistungsvergleich zwischen Gemeinschafts-, Realschule und Gymnasium an. Dass es an Gemeinschaftsschulen, wo Schüler aller Leistungsstufen gemeinsam unterrichtet werden, nicht rund laufe, zeige die wachsende Zahl von Lehrerwünschen nach Versetzung an andere Schularten.

Aus Sicht des Herausforderers von Winfried Kretschmann (Grüne) bei der Landtagswahl ist die Landesregierung auch ein ganzheitliches Integrationskonzept für hilfesuchende Kinder und Jugendliche schuldig geblieben. Die CDU schlägt einen Pakt vor mit Experten und Organisationen, darunter die Elternstiftung und Schulpsychologen, um Flüchtlingskinder optimal zu fördern.

Zur Koordination und Steuerung aller Aktivitäten müsse eine Lenkungsgruppe aus Vertretern von Kultus-, Sozial- und Integrationsministerium gebildet werden. Nach Ansicht der Arbeitgeber Baden-Württemberg sind die Bündelung aller Kräfte und eine bessere Koordination der richtige Ansatz für die dringend notwendige Integration der jungen Menschen aus anderen Ländern.

Die in diesem und vergangenem Jahr geschaffenen zusätzlichen 565 Lehrerstellen reichen nach Einschätzung der CDU-Fraktion wahrscheinlich nicht aus, um die rasant steigende Zahl von Flüchtlingskindern eingliedern zu können. Es müsse ein flexibles Verfahren und genügend Mittel für die Einstellung von Lehrern auch während eines Schuljahres geben. Wolf resümierte: «Der Kultusminister muss jetzt die Voraussetzungen dafür schaffen, dass die Schulen ihren Beitrag für eine gelingende Integration leisten können.» (Julia Giertz, dpa)

• zum Bericht: Tübinger Schulleiter stärkt Minister Stoch im Streit mit der FAZ den Rücken – „Vorwürfe sind absoluter Quatsch“
• zum Bericht: Stellenstreichung abgeblasen: Stoch will jetzt 6.000 neue Lehrer einstellen – doch der Markt ist leer

Ein Kommentar

  1. Dann sollte die CDU sich an die eigene Nase fassen. Wer Jahrzente lang jegliche Einwanderungspolitik verhindert hat und nicht einmal trotz der vorhandenen Verhältnisse anerkennen wollte, dass Deutschland de facto ein Einwanderungsland ist, der sitzt selbst im Glashaus.

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