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Studie: Unerträglich, aber unverschuldet – Gehirnentwicklung erklärt Verhalten von Jugendlichen

HAMBURG. Jugendliche wissen, dass Rauchen oder ungeschützter Sex schädlich sein können, aber sie blenden die Risiken aus und bewerten das Vergnügen höher als die Gefahren.

Das haben wissenschaftliche Untersuchungen gezeigt, wie die Zeitschrift „National Geographic Deutschland“  berichtete. Verantwortlich dafür sei nicht allein der jugendliche Leichtsinn, sondern vorrangig die Entwicklung des Gehirns in der Pubertät. Zwar wächst das Gehirn während der komplexen Umorganisierung, die zu dieser Zeit stattfindet, nicht mehr, aber es wird zwischen dem zwölften und 25. Lebensjahr völlig neu vernetzt und verkabelt.

Jugendliche kennen die Risiken vom Rauchen, blenden sie aber aus; Foto: Valentin Ottone / Flickr (CC BY 2.0)

Jugendliche kennen die Risiken vom Rauchen, blenden sie aber aus; Foto: Valentin Ottone / Flickr (CC BY 2.0)

Die Veränderungen fangen in der Nähe des Stammhirns an – was für elementare Funktionen wie Sehen und Bewegung zuständig ist – und setzen sich danach in weiteren Hirnarealen fort. Auch die Verbindung zwischen linker und rechter Hirnhälfte verstärkt sich.

Laut Experten können Menschen durch die besseren Verbindungen ihr Gedächtnis und ihre Erfahrung besser nutzen, um Entscheidungen zu treffen. Auch die Geschwindigkeit und Vielfalt, in der Informationen im vorderen Hirn ausgetauscht werden, nehmen zu. So können Menschen in ähnlicher Zeit mehr Möglichkeiten durchspielen und abwägen als vorher. Nur in der Pubertät, wenn der Umbau des Gehirns beginnt, funktioniert das Zusammenspiel der verschiedenen Strukturen im Gehirn noch nicht fehlerlos.

Sozialer Ausschluss wirkt existenziell bedrohlich

In dieser Phase nehmen die Begeisterung, Unbekanntes zu erleben, und die Bereitschaft, Risiken einzugehen, merklich zu. Dass Jugendliche in dieser Zeit besonders positiv auf Belohnung reagieren, ist auf den Stoffwechsel zurückzuführen, der während der Pubertät besonders sensibel auf den Botenstoff Dopamin reagiert. Dieser hilft einerseits dabei, Entscheidungen zu treffen, und führt andererseits dazu, sehr empfänglich für Belohnungen zu sein. Ähnliches wurde auch im Hinblick auf das Hormon Oxytocin herausgefunden: Dieser Stoff verbindet unter anderem soziale Kontakte mit angenehmen Gefühlen und erklärt dadurch die große Bedeutung der Peergroup für Jugendliche. Verhaltensstudien deuten darauf hin, dass das Gehirn Heranwachsender auf den Ausschluss aus der Gruppe ähnlich reagiert wie auf eine körperliche Bedrohung. Dementsprechend wird die soziale Ablehnung von Jugendlichen als existenzielle Gefährdung wahrgenommen. (red)

 

2 Kommentare

  1. Super : „Das war nicht ich, das war mein Gehirn. Warum sollte ich schuld sein??“

    • Der Spruch könnte allenfalls einem Cartoon-Zeichner bzw. einer Cartoon-Zeichnerin geeignetes Material werden:
      Neuartiges bedingt – Ungewissheit – bedingt Unsicherheit – bedingt Lachen.

      Dahinter allerdings sind neue Anforderungen gemeint, die uns (Pädagogen) die Emotions- und Kognitionsforschung heute abverlangen. Z.B. : Das „romantische“ Konstrukt von S.Freud ( ICH ) muss heute anders verstanden werden, ebensoviele andere ICH- Bilder der Geisteswissenschaften. – Ebenso auch das Thema SCHULD und des Schuldigwerdens : Das sollten deshalb semestersfüllende Ausbildungs-Themen der Schul- und Sozialpädagogik werden

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