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Unterricht mit 2.000 Schülern auf dem Hamburger Rathausmarkt: Privatschulen werben für freies Schulsystem

HAMBURG. In Hamburg warben Vertreter von Privatschulen für Schulvielfalt, eine bessere Refinanzierung und die Erlaubnis, sich über Bundeslandsgrenzen hinweg zu öffnen.

Rund 2000 Schüler haben beim Tag der Freien Schulen den Hamburger Rathausmarkt in ein riesiges Freiluftklassenzimmer verwandelt. Gemeinsam mit NDR-Moderatorin Birgit Hasselbusch gestalteten sie eine 90-minütige Schulstunde. Statt auf der Schulbank saßen die Kinder auf mitgebrachten Papphockern und machten La-Ola-Wellen. Auf dem Stundenplan standen Musik, Sport und Mathematik. Die bundesweite Aktion sollte die Vielfalt und Größe des freien Schulsystems in Deutschland sichtbar machen. In Hamburg besuchen mehr als 20.000 Schüler eine Privatschule.

Ein Knappes Viertel der allgemeinbildenden Privatschulen sind Grundschulen. (Foto: Departement for Communities and locals/Flickr CC BY-ND 2.0)

Ein Knappes Viertel der allgemeinbildenden Privatschulen sind Grundschulen. (Foto: Departement for Communities and locals/Flickr CC BY-ND 2.0)

Veranstaltet wurde das Event von der Arbeitsgemeinschaft Freier Schulen Hamburg (AGFS). «Schulvielfalt ist ein essenzieller Bestandteil einer Demokratischen Bürgergesellschaft», sagte Volker Reitstätter von der Arbeitsgemeinschaft Freier Schulen Hamburg. Deshalb forderte er auch höhere finanzielle Mittel für die Alternativen zur öffentlichen Schulen. Laut dem Hamburgischen Gesetz für Schulen in freier Trägerschaft übernimmt der Staat 85 Prozent der Kosten, die ein Schüler an einer öffentlichen Schule verursacht. Den Rest müssten die Privatschulen durch Gebühren decken.

Gebäudekosten seien jedoch von der Regelung ausgenommen. «Hier werden stattdessen nur 56 und 75 Prozent der Kosten refinanziert», erklärte Reitstätter. Dies würde zu erheblichen Finanzierungslücken führen. «Wir sehen darin eine Benachteiligung der freien Schulen.» Eine Anpassung der staatlichen Refinanzierung sei dringend nötig.

Denn nur so könne sich auch jeder in Zukunft das Schulgeld leisten. Außerdem forderte die Veranstalter eine Stärkung der Bildungsmobilität. Der Zugang zur freien Schule aus den Nachbarbundesländern müsse erleichtert werden. «Es ist Paradox: für Olympia wollen wir die ganze Welt nach Hamburg holen, aber für Schüler sind die Stadtmauern fast unüberwindbar», sagte Andreas Haase vom Verband Deutscher Privatschulen.

Nach Angaben des Verbandes deutscher Privatschulverbände gibt es in Deutschland rund 5.700 Privatschulen, die den staatlichen Schulbegriff erfüllen. Rund jeder Elfte deutsche Schüler habe im Schuljahr 2013/2014 eine Privatschule besucht. Im OECD-Durchschnitt besuchten etwa 14 Prozent aller Schüler eine private allgemeinbildende Schule. (dpa)

• Webseite zum Tag der freien Schulen
• zum Bericht: Mehr Kohle für Private: Thüringen regelt Finanzierung freier Schulen neu
• zum Bericht: Minischule muss nach Kündigung von Lehrerin schließen

39 Kommentare

  1. Wie auch sonst im Vergleich privat – öffentlich, bedeuten Privatschulen vor allem schlechtere Arbeitsbedingungen für die Lehrer. Wenn es sich nicht gerade um eine altehrwürdige Eliteschule handelt, verdienen die Kollegen dort 1/4 – 1/3 weniger als im öffentlichen Dienst. Oft genug sind sie auch zur Präsenzpflicht verdammt und manchmal müssen sie auch in den Ferien dort sein. Alles, was den Lehrerberuf attraktiv macht, haben die Kollegen dort oft genug nicht. Klar, es gibt Ausnahmen, aber es sind eben nur Ausnahmen ! So ist denn auch die Fluktuation entsprechend hoch. Wer kann, geht in den öffentlichen Dienst – und so hat man an den Privatschulen nicht selten Lehrer, die eigentlich keine sind (Quereinsteiger, Seiteneinsteiger, Leute ohne Abschluss, Leute ohne Anerkennung). Der einzige Vorteil, der mir einfällt, sind die kleineren Klassen.

    • Der gehaltsunterschied ist nicht das tatsächliche Unterscheidungsmerkmal. Im ÖD verdienen die Tarifbeschäftigten ebenfalls netto 25-30% weniger als die verbeamteten Lehrkräfte.

      Quer- und Seiteneinsteiger sind im Regelfall „richtige Lehrer“, da sie die Lehrbefähigung ebenfalls wie Anwärter und Referendare nach einem erfolgreich bestandnen Zweiten staatsexamen erhalten.

      Ein Vorteil von Privatschulen – nicht Ersatzschulen – ist die tatsache, dass sie lejrkräfte ohne staatliche Anerkennung beschäftigen können. Der Vorteil der Privatschulen liegt darüber hinaus darin, dass sie sich ihr Schülerklientel aussuchen können. Selbst bei Falschentscheidungen kann man die Ausbildungssituation durch Vertragskündigung sehr schnell korrigieren.

      Die wahl des schülerklientes ist der eigentliche Markenkern von Privatschulen. Die müssen eben nicht jeden nehmen. Hieraus leitet sich auch die Mär von der elitären Ausbildung ab, sie beruht lediglich auf der Abgrenzung von der stinknornalen durchschnittlichen Schülerschaft.

      • Die Einkommen der Eltern sind ein weiteres Unterscheidungsmerkmal zwischen Privatschulen und öffentlichen Schulen, besonders wenn die Privatschule gleichzeitig ein Internat ist.

      • @ dickebank, bist du Leiter einer Privatschule? 🙂 Nein, die Lehrer an Privatschulen verdienen auch im Unterschied zu den Angestellten im öffentlichen Dienst mehrere hundert Euro weniger, also noch einmal 1/4 – 1/3 weniger !!! Natürlich variiert das von Schule zu Schule bzw. von Träger zu Träger.

        Du hast Recht, dass es einen Unterschied zwischen den Quer- und Seiteneinsteigern gibt. Ich meine, die Quereinsteiger haben während des Studiums gewechselt und dann einen normalen Abschluss (2. Staatsexamen) erworben. Die Seiteneinsteiger kommen aus anderen Berufen. Sie haben KEINE Lehrerausbildung, kein 2. Staatsexamen!

        Was du uns als Vorteil verkaufen willst, 🙂 ist eher die Leitungsperspektive. Da ja die Lehrer mit 2. Staatsexamen zur Zeit je nach Fächerkombination überall etwas finden können, wenn sie nur (örtlich) flexibel sind, hat man an den Privatschulen einen sehr hohen Anteil von „Lehrern ohne Lehrerausbildung“. Nicht, dass die das so wollen, es ist dem Lehrermangel geschuldet, sonst könnten sie dicht machen!

        Für die Schüler ist das aber eher ein Nachteil. Ich will nicht alle Kollegen ohne Lehrerausbildung schlechtreden!!! Es gibt unter ihnen sicher Talente, die besser sind als Kollegen mit Lehrerausbildung. Fakt ist aber, die meisten haben keine und erwerben sich ihre Erfahrungen erst im Laufe der Jahre – allerdings bis dahin auf dem Rücken der Schüler!

        • PS:

          Ja, du hast auch Recht damit, dass eine Privatschule „Schüler wieder loswerden“ kann, die zu viele Schwierigkeiten machen bzw. gar nicht erst nimmt. Tatsache ist aber auch, dass eine Privatschule bemüht ist, doch möglichst JEDEN zu nehmen und möglichst NIEMANDEN zu verlieren, denn jeder Schüler bringt ja Geld (Schulgeld).

          So gibt es auch den gegenteiligen Effekt, auch wenn das womöglich Ausnahmen sind, wenn sich an Privatschulen die schwierigen Schüler konzentrieren, weil sie zwar nicht von ihrer öffentlichen Schule geflogen sind (was ja kaum möglich ist), aber weil ihre Eltern sie von der öffentlichen Schule nehmen, da ihrer Meinung nach (wie so oft !) die Schule schuld ist an den Schwierigkeiten mit dem Schüler!

          (Ich kenne solche Schulen. Aber natürlich betreibe ich hier keinen Rufmord !!!)

        • @sofawolf, erzähl keinen Blödsinn. Seiteneinsteiger sind keine „grundständigen Lehrer“. Sie haben kein erstes Staatsexamen als Abschluss eines Lehramtstudiums.

          Anstelle dieses ersten Staatsexamens sind entweder individuell oder per ministeriellem Erlass die Diplom- oder Magisterexamen an anderen Fakultäten als erstes Staatsexamen anerkannt worden. Um eine dauerhafte Lehrbefähigung an staatlichen Schulen zu erhalten, müssen aber alle Seiteneinsteiger einen Vorbereitungsdienst absolvieren und ein zweites Staatsexamen ablegen.

          Der Unterschied bei lehrkräften der SekI in NRW hinsichtlich der Bezahlung besteht darin, dass Seiteneinsteiger mit bestandenem 2. StEx im TV-L in E11 eingruppiert werden und nicht wie grundständige Lehrer, die in E12 nach bestehen des 2. StEx als Tarifbeschäftigte eingruppiert werden. Der daraus resultierende Gehaltsunterschiet (E11 zu E12) kann bis zu 430 EUR je Monat je nach Erfahrungsstufe ausmachen.

          • @ dickebank, erzähl keinen Blödsinn. Quereinsteiger haben erst etwas anderes studiert, dann gewechselt und mit 2. STX abgeschlossen.

            Seiteneinsteiger haben einen anderen Berufsabschluss und kein 2. STX. Seiteneinsteiger nennt man jene, die aus anderen Berufen kommen, wenn z.B. ein Biologe als Biologielehrer oder ein Diplomsportwissenschaftler als Sportlehrer arbeiten will.

            Siehe: https://www.lehrcare.de/blog/als-seiteneinsteiger-in-den-lehrerberuf/

          • @sofawolf, schön dass Du mir erklären kannst, wie ich Lehrer geworden bin.

            Kein Student – außer Medizinern – verlässt die Uni oder Hochschule mit dem 2. StEx. In früheren zeiten verließ ein Absolvent diese Bildungseinrichtungen mit dem 1. StEx, einem Magister- oder Diplomabschluss. Das 2.StEx wurde nach Ablegen der staatlichen Prüfung am Ende des Vorbereitungsdienst verliehen. In heutigen Zeiten gibt es als Voraussetzung für das Lehramt nur noch den Master-Abschluss, da im Lehrerberuf der bachelor kein berufsqualifizierender Abschluss ist, der zur Aufnahme in den Vorbereitungsdienst berechtigt. Dies ist grundsätzlich anders als in anderen Bereichen des ÖD.

            Seiteneinsteiger haben auch weiterhin keinen Berufsabschluss sondern einen Studienabschluss, der im Einzelfall vom zuständigen Schulministerium anstelle eines ersten Staatsexamens oder Abschluses als Master of Education als adäquat anerkannt werden kann. Nach der Anerkennung des Studienabschlusses muss der Seiteneinsteiger als nicht grundständiger Lehrer im Vorbereitungsdienst noch erziehungswissenschaftliche Studieninhalte vermittelt bekommen sowie fachdidaktische Grundlagen in D oder M für Grundschullehramt. Beide Zusatzveranstaltungen enden mit Prüfungen, die Voraussetzung sind für die Weiterführung des Vorbereitungsdienstes und die Zulassung zur Zweiten Staatsprüfung. Hier in NRW durchlaufen die Seiteneinsteiger mittlerweile die OBAS (Ordnung für die berufsbegleitende Ausbildung von Seiteneinsteigern). Die Bestimmungen für die Anerkennung anderer Hoschulabschlüsse und den Vorbereitung gem. OBAS kann jeder Interessierte auf den Seiten des Schulministeriums NRW einsehen.

  2. Ach ja, und nicht wenige Eltern behandeln die Lehrer wie „Personal“, weil sie meinen, sie bezahlen uns ja schließlich !

  3. @ dickebank, schön, dass du mir erklären kannst, wie ich Lehrer geworden bin. 😉 (Du siehst, ich gebe Komplimente gerne zurück.)

    Jedenfalls geht es ja hier schon schön „lehrerhaft“ zu. Wer hat Recht? Und mit dem Thema hat es gar nichts mehr zu tun. Wie begann es? Du hattest geschrieben: „Quer- und Seiteneinsteiger sind im Regelfall „richtige Lehrer“, da sie die Lehrbefähigung ebenfalls wie Anwärter und Referendare nach einem erfolgreich bestandnen Zweiten staatsexamen erhalten.“

    Wie gesagt, der Quereinsteiger hat einen Nicht-Lehrerstudiengang gewählt und sich dann während des Studiums entschieden, in einen Lehrerstudiengang zu wechseln. Er schließt mit einem 2. Staatsexamen ab und ist dann „richtiger Lehrer“. Das stimmt.

    Der Seiteneinsteiger hat eine Nicht-Lehrerberufsausbildung abgeschlossen und will dann doch Lehrer werden. Er hat also kein 2. Staatsexamen. Er arbeitet (wenigstens zeitweise) an einer Schule ohne abgeschlossene Lehrerausbildung – wie auch immer sie heutzutage heißt. Oft, aber nicht immer muss er die entsprechenden Qualifikationen noch nachträglich erwerben, so wie du es für NRW beispielhaft beschrieben hast. Wie gesagt, das ist aber überall anders und an Privatschulen z.B. gar nicht unbedingt nötig. Sie arbeiten dann „berufslebenslang“ ohne 2. Staatsexamen, also ohne „richtige Lehrerausbildung“ !!! Sobald sie aber das 2. Staatsexamen aber doch noch erwerben, dürfen sie sich natürlich mit Fug und Recht auch als „richtige Lehrer“ ( = abgeschlossene Lehrerausbildung) betrachten. (Aus meiner Sicht ist das wie gesagt überhaupt keine WERTUNG ihrer Arbeit.)

    Im alltäglichen Sprachgebrauch wird das aber kaum unterschieden und mir scheint sogar, es wird eh der Begriff Quereinsteiger bevorzugt. Was das jetzt alles mit den Bedingungen an Privatschulen zu tun hat, weißt vielleicht du ?!?

    • „Der Seiteneinsteiger hat eine Nicht-Lehrerberufsausbildung abgeschlossen und will dann doch Lehrer werden. Er hat also kein 2. Staatsexamen.“

      An einer Privatschule können auch grundständige Lehrer ohne 2.StEx arbeiten. Seiteneinsteiger an staatlich anerkannten Schulen müssen das 2.StEx bestehen, sie sind lediglich während des Vorbereitungsdienstes an der Schule angestellt, da der Vorbereitungsdienst berufsbegleitend absolviert wird.

      Im Gegensatz zu der heutigen Ausbildungssituation gem. OBAS habe ich als Anerkenner eine reguläre Anwärterausbildung absolviert, einschließlich Besuch des Studienseminares sowie angeleitetem und bedarfsdeckendem Unterricht – also unter den gelichen Bedingungen wie die grundständigen Lehrer.

      Übrigens, der Vorbereitungsdienst ist zwar Teil der Lehrerausbildung, er dient aber in erster Linie – wie auch der Vorbereitungsdienst bei anderen Behörden – nicht primär der fachlichen sondern den dienstrechtlichen und verwaltungstechnischen Gegebenheiten. Ich weiß worüber ich hier schreibe, ich habe vier Staatsexamina, ein erstes, ein anerkanntes und zwei Zweite.

  4. Mir fehlt im bisherigen Austausch die Differenzierung, denn es gibt ziemlich viele sehr unterschiedliche Privatschul-Konzepte und -Intentionen. Zwischen der Reicherleutekindereinpaukschule, der von Nonnen geführten Mädchenschule, der Waldorfschule, Summerhill und der Bochumer Matthias-Claudius-Schule mit Schwerpunkt Inklusion von Behinderten gibt es so ungeheuer viele zentrale Unterschiede …
    Einer meiner Ref-Kollegen begann an einer Privatschule, verdiente weniger als anderswo und sagte doch, er wolle nie wieder tauschen … es gibt auch Lehrer, die lieber ein ihnen gemäßes pädagogisches Konzept verwirklichen als maximal Geld verdienen wollen.
    Aber – sind nicht alle Kinder gleich viel wert? Warum also gibt der Staat für die privat beschulten weniger Geld aus??

  5. ZITAT: „An einer Privatschule können auch grundständige Lehrer ohne 2.StEx arbeiten. Seiteneinsteiger an staatlich anerkannten Schulen müssen das 2.StEx bestehen, sie sind lediglich während des Vorbereitungsdienstes an der Schule angestellt, da der Vorbereitungsdienst berufsbegleitend absolviert wird.“

    Womöglich ist das in NRW so.

    Ihr Begriff „grundständig“ ist mir nicht geläufig. Ich kenne etliche Lehrer ohne 2. Staatsexamen, die an Privatschulen arbeiten; manchmal haben sie das 1. Staatsexamen, aber jedenfalls nicht das 2. und sie arbeiten so seit Jahren.

    Den Vorbereitungsdienst / das Referendariat sehe ich anders. Es war zu meiner Zeit vor allem eine didaktisch-methodische Ausbildungsphase, aber vielleicht ist auch das in NRW anders.

    Belassen wir es dabei. 😉

  6. @ Pfälzer, ich will nicht bestreiten, dass es sehr unterschiedliche Privatschulen gibt und ich will gerne glauben, dass es Konzepte gibt, die auch den Lehrern gefallen.

    ZITAT: „Aber – sind nicht alle Kinder gleich viel wert? Warum also gibt der Staat für die privat beschulten weniger Geld aus??“

    Die Frage stellt sich mir so gar nicht. Ich frage mich (ich bin nicht dagegen), warum der Staat eine Privatschule überhaupt finanziert? Das ist doch „Privatwirtschaft“! Der Staat hat die Aufgabe, die Schulpflicht umzusetzen und stellt deshalb Schulen zur Verfügung. Wenn nun einige Eltern dieses Angebot nicht wollen und deshalb eine eigene Schule gründen, die dann in Konkurrenz zur öffentlichen Schule steht (die im Extremfall schließen muss, warum soll das der Staat finanzieren? Ich finde es sehr nobel, wie stark der Staat die Privatschulen finanziell unterstützt. Warum eigentlich?

    • Milch der frommen Denkungsart

      @sofawolf:

      Die Antwort ist relativ einfach: da die öffentliche Finanzierung durch die Verfassung garantiert ist,
      sobald die Schule staatliche Standards nachweist.

      • Es wäre auch schade, wenn es keine Privatschulen gäbe. Sie sind immerhin eine gewisse Konkurrenz für unser weitgehend monopolisiertes Schulsystem. Wettbewerb um die Gunst der Verbraucher (Eltern und Schüler) ist ein gesundes Mittel, um fragwürdige Bildungsentscheidungen rascher abstrafen und politischer Geisterfahrerei eine Absage erteilen zu können.

      • @ Milch, danke für die Erklärung. Gleichwohl überzeugt sie mich nicht. Ich frage, warum steht das in der Verfassung? Und steht da wirklich drin, dass der Staat die Privatschulen zu FINANZIEREN hat ?!? Da steht doch sicherlich „nur“ drin, dass es ein Anrecht der Bürger auf Privatschulen gibt. Und das ist auslegbar und bedeutet nicht zwangsläufig, dass der Staat sie auch finanzieren muss, zumal er das ja auch nicht zu 100% tut.

        • Privatschule ist nicht gleich Privatschule.

          Die einen sind Ersatzschulen, die zumeist in kirchlicher Trägerschaft geführt werden. Sie unterliegen der staatlichen Schulaufsicht und die Abschlüsse werden staatlich anerkannt.

          Privatschulen – so auch viele Waldorfschulen – werden von freien Trägern geführt. Die Länder können diese freien Träger finanziell unterstützen, da sie die Schüler beim Wegfallen des privaten Trägers in staatlichen Schulen aufnehmen müssten. Letzteres führt ebenfalls zu Kosten, deshalb kann das Land die privaten Schulen mit einem Betrag x je Schüler cofinanzieren. Ebenso erhalten die meisten Privaten darüberhinaus noch kommunale Zuschüsse zu den Betriebskosten.

          Die Abnahme von Schulabschlüssen bzw. die Versetzung/Nicht-Versetzung ist hoheitliche Aufgabe, weshalb sie von staatlicher seite erfolgen muss. Die Absolventen von nicht staatlich anerkannten Schulen müssen die Abschlussprüfungen als Externe vor staatlichen Prüfungskommissionen ablegen.

        • Jetz‘ is‘ gut. Lesen Sie einfach die Landesverfassungen.

          • @ dickebank,

            da stimme ich Ihnen zu, dass es verschiedenste Arten von Privatschulen gibt. Ich sagte auch mehrfach, dass ich nicht dagegen bin, ich frage mich nur, WARUM das der Staat überhaupt finanziert, nachdem dem Staat vorgeworfen war, dass er die Privatschulen nicht zu 100% finanziert.

            @ Pfälzer, jetz‘ is‘ gut. Wenn Sie mir nicht sagen mögen, wo genau in der Verfassung (in welcher?) steht, dass die Privatschulen vom Staat finanziert werden müssen, dann eben nicht. Aber wenn Sie wissen, wäre es doch einfacher, Sie sagen es mir, bevor ich mich dumm und dämlich suche. Die Frage war aber eine Art, nämlich nach dem WARUM und das wird nicht mit einem Verweis auf die Verfassung geklärt, denn die haben „wir“ ja selbst geschrieben. Warum haben „wir“ dann das dort hineingeschrieben. Ich meine ja immer noch Privatschule ist Privatsache ! 🙂

  7. @ dixo, wie gesagt, ich habe gar nichts gegen Privatschulen. Ich wundere mich nur, WARUM der Staat sie finanziert, weil das doch Privatsache / Privatwirtschaft ist. Ein bisschen erinnert mich deine Argumentation an das Gesundheitswesen. Da argumentiert man ja auch damit, dass „Wettbewerb das Geschäft belebt“ und die privaten Krankenkassen das Monopol der gesetzlichen aufgebrochen und auch sie zu mehr Service veranlasst haben. Aber im Endeffekt hat es zu einer 2-Klassen-Medizin geführt. Die Vermögenden und Leistungsstarken klinken sich aus der Solidargemeinschaft aus und überlassen die Schwächeren sich selbst. Ist das mit den Privatschulen nicht ähnlich? Die Vermögenden und Leistungsstarken können ihre Kinder an (vermeintlich) bessere Schulen schicken, die „Schwächeren“ müssen im öffentlichen System bleiben. Und das unterstützt der Staat noch, indem er die Privatschulen erheblich mitfinanziert?! Von den Steuergeldern jener, die ihre Kinder nicht an Privatschulen schicken können, weil sie das Geld dafür nicht übrig haben. WARUM machen wir das so?

    • Ich befürworte Privatschulen, weil mir die Bildungspolitik immer mehr missfällt. Jede Partei benutzt Lehrer und Schüler, um sich mit immer Neuem zu profilieren, auch wenn das Verschlechterung als Besserung bedeutet. Da ist Konkurrenz wichtig.
      Deine Frage war aber eine andere. Du denkst wahrscheinlich in anderen Bahnen als ich. Bei dir geht es stark um „soziale Gerechtigkeit“ und Vermeidung von Benachteiligung. Das ist im Prinzip auch gut. Es darf im Endeffekt aber nicht bedeuten, dass es allen gleich schlecht geht, damit Gerechtigkeit herrscht. Du willst zwar, dass es allen gleich gut geht, aber erreichst du das, indem du Privatschulen abschaffst und damit die Möglichkeit, dass es manchen besser geht?
      Die andere Alternative wäre, dass es nur noch Privatschulen gibt und das staatliche Bildungssystem abgeschafft wird. Die eingesparten Steuergelder würden dann nach sinnvollen Kriterien auf die Privatschulen verteilt und diese müssten damit zurechtkommen. Diese Lösung ist aus diversen Gründen utopisch.
      Alle Gerechtigkeitslösungen lehne ich ab, die nach unten ziehen, sei es das Leistungsniveau, das „geschenkte“ Abitur oder gute Noten, die nichts mehr wert sind. Ich glaube auch nicht, dass dies den sog. Benachteiligten hilft. Es schadet nur jenen, die mehr wollen und könnten, wenn sie das entsprechende Futter erhielten. Wenn es um Förderunterricht geht, wird nie von der Förderung der „Starken“ gesprochen, sondern immer nur von Hilfen für die Benachteiligten. Gleichbehandlung von Ungleichen ist für mich Ungerechtigkeit im Namen von Gerechtigkeit.

      • Es heißßt ja auch Förderung und nicht Forderung. Die beiden zusätzliche Punkte machen aus Knobeleien Nachhilfe. Genauso sind die Vertiefungskurse in der Einführungsphase in NRW nichts anderes als Nachhilfe. Ich musste einmal einen sehr guten Schüler davon abraten, den Vertiefungskurs Mathematik zu belegen. Warum hat er ihn angekreuzt? Weil er aus welchen Gründen auch immer (lol) das Wort „Vertiefung“ nicht mit dem Wort „Nachhilfe“ identifizieren konnte.

    • Mir scheint offensichtlich, dass Sie bei „Privatschule“ nur den besonderen Typ der „Reiche-Leute-Privatschule“ denken können. Ja, die gibt es. Aber es gibt auch andere, ich will jetzt nicht noch mahr Typen aufzählen, aber es gibt viele Schulen, die ein pädagogisches Ideal jenseits des staatlichen Schemas haben und nur aufgrund des hohen Einsatzes von Lehrern und Eltern und Schulvereinsaktiven finanziell über die Runden kommen. Hier von „Privatwirtschaft“ zu sprechen wäre hämisch und ungerecht.
      Die Eltern von Schülern dieser Schulen zahlen Steuern wie alle anderen. Da erscheint es mir angemessen, dass der Staat auch die Schulbildung dieser Kinder (soweit sie nicht überdurchschnittlich teuer ist) bezahlt.

  8. @ dickebank, Pfälzer, ich hoffe, ihr versteht meinen Beitrag von 20.00 Uhr trotz der verschiedenen Tippfehler richtig. Ich kann sie leider nicht korrigieren. 🙁

  9. @ dixo, ich sage gerne zum 100ten Male, dass ich nicht gegen Privatschulen bin ! 🙂 Warum schreibst du jetzt: „Du willst zwar, dass es allen gleich gut geht, aber erreichst du das, indem du Privatschulen abschaffst und damit die Möglichkeit, dass es manchen besser geht?“ Das sind irgendwie alles Unterstellungen. 😉 Wieso will ich, dass es allen gleich gut geht, wenn ich frage, WIESO der Staat die Privatschulen eigentlich finanziert, wo das doch Privatsache ist !

    Was du als utopische Lösung beschreibst, könnte man vielleicht auf einem anderen Wege erreichen. Nämlich durch das Konzept der selbstständigen / autonomen Schule, für die die Politik nur noch einen weit gesteckten Rahmen vorgibt und die alles andere intern selbst bestimmt. Wenn es dann auch keine Einzugsbereiche mehr gibt, dann stehen auch die öffentlichen Schulen in „Wettbewerb“ miteinander um das beste Konzept. Das gibt es bzw. das beginnt in Ansätzen bereits. Vielleicht ist das der Weg. Aber vor allem steht das allen Schülern offen – nicht nur jenen, deren Eltern Schulgeld zahlen können.

  10. ZITAT: „Hier von „Privatwirtschaft“ zu sprechen wäre hämisch und ungerecht.“ (Pfälzer)

    Es gibt auch – da bin ich aber zu wenig „Experte“, um es zu verallgemeinern – Privatschulen, die bzw. deren Träger Profit erwirtschaften, z.B. durch die 1/4 – 1/3 geringeren Gehälter der Lehrer. Warum soll der Staat diese Profite durch seine „Subventionen“ noch mitfinanzieren ??? Privat ist privat. Das kann sein, das muss nicht. Gibt es nicht genügend Geld (bei den Privaten), kann jedes Kind eine öffentliche Schule besuchen. Für Extra-Wünsche muss nicht die Allgemeinheit / Solidargemeinschaft aufkommen. So sehe ich das. 😉

  11. @ dickebank u.a.,

    (dickebank, du scheinst dich da ja doch gut auszukennen)

    Ich bin gerade auf eine Frage gestoßen. Eine Privatschule, die bzw. deren Träger Gewinn erwirtschaftet, ist vielleicht die Ausnahme. Aber, wenn eine Privatschule (lassen wir den Träger mal weg) mehr Geld ausgibt, als sie einnimmt (Eltern, Staat), dann geht sie pleite, richtig? (rhethorische Frage, die richtige kommt gleich)

    Wenn eine Privatschule MEHR Geld einnimmt (Eltern, Staat), als sie ausgibt, was passiert mit dem „Gewinn“? Also dort, wo vielleicht „Gewinn machen“ wegen der einer Gemeinnützigkeit (ich bin da zugegeben kein Experte !!!) nicht erlaubt ist? Sicherlich investiert die Privatschule dann diesen „Gewinn“ in die Schule, richtig?

    Dann ist das aber auch ein bisschen ungerecht gegenüber den öffentlichen Schulen. Die haben ja nur als Einnahmequelle den Staat und der kürzt und kürzt und spart und spart. Die können nichts „erwirtschaften“ und investieren!!! Was vielerorts so NOTWENDIG wäre. Also subventioniert der Staat die Privatschulen und spart bei seinen eigenen, den öffentlichen Schulen?

    Oder wo ist mein Denkfehler?

  12. Gewinne, welche Gewinne.

    Wenn folgende Konstruktion aufgestellt wird, dann macht die private Schule keine Gewinne.

    1) Die Schule hat eine Trägereinrichtung,die das operative Geschäft führt.
    2) Daneben gibt es eine weitere Gesellschaft, der Gebäude und Grundstück gehören.
    3) Es muss einen Förderverein für Eltern und Sponsoren geben.
    4) Die Geschäfte der Liegenschaftsverwaltung werden durch eine Verwaltungs-GmbH geführt.

    Die Trägereinrichtung kann sowohl als Stiftung als auch als gGmbH gegründet werden. Die gemeinnützige Betreibergesellschaft der Schule ist genauso wie die Liegenschaftsverwaltung Gesellschafter der Verwaltungs-GmbH. Kapital muss nur beim Förderverein akkumuliert werden. Die Betreibergesellschaft ist eigentlich immer klamm und muss Geld vom Förderverein annehmen, dieses geht in nicht unerheblichem Maße als Pacht oder Mietzahlung an die Liegenschaftsgesellschaft. Des Weiteren müssen die Overhead-Kosten der Verwaltungsgesellschaft getragen werden.

    Um bei einer Insolvenz dieses Firmengeflechtes, die Schüler dieser Einrichtung nicht noch zusätzlich an einer staatlichen Schule in kommunaler Trägerschaft übernehmen zu müssen, zahlen die Kommunen verlorene Zuschüsse an die Betreibergesellschaft als Betriebskostenzuchuss. Wenn man die Ausgaben je Schüler einer solchen privaten Schule sieht, sind die im Regelfall höher als die an öffentlichen Schulen.

  13. @ dickebank, danke. Es mögen Gerüchte, die von einer Schule bzw. ihrem Träger behaupteten, die wollen nur Profit machen.

    Wie kommt es aber eigentlich, dass die Privatschulen ihren Lehren so viel weniger zahlen als die öffentlichen, wo sie doch gerade die Personalkosten zu rund 90 % (die Prozente sind wohl pro Bundesland verschieden) vom Staat übernommen werden?!? Ich meine, es gibt auch das Gebot, dass die Lehrkäfte an den Privatschulen gegenüber denen im öffentlichen Dienst nicht „erheblich“ schlechter gestellt werden dürfen. (Auslegungssache? Oder wo kein Kläger, da kein Recht?)

    • Ist bei den Ländern nicht anders, angestellte Lehrer werden schlechter bezahlt als verbeamtete.

      Hinzukommt dass bei den privaten Arbeitgebern eine Reihe von Zulagen sowie kindergeldbezogene Bezügebestandteile wegfallen. Des Weiteren kann der Arbeitgeber bei der Einstufung in die Tarifgruppen andere nehmen als im ÖD vorgesehen. Vor allem dann, wenn Bewerber auf eine freie Stelle kein 2.StEx aufweisen können.

      Was vor allem den Stundenlohn senkt, der private AG kann seine Mitarbeiter zu einer höheren Wochenstundenzahl vertraglich verpflichten.

  14. @ dixi, was mir auch noch so durch den Kopf geht. Du möchtest, dass der Staat die Privatschulen zu 100% finanziert, weil ja Kinder an Privatschulen nicht weniger wert seien als die an den öffentlichen?!?

    Nur: Dann werden Privatschulen und öffentliche zu 100% finanziert, aber die Privatschulen kriegen noch das Schulgeld der Eltern und können sich davon „schöne Sachen“ leisten. Die öffentlichen Schulen kriegen dieses Schulgeld nicht.

    Oder sollen die Privatschulen dann in deinem Modell auch kein Schulgeld mehr nehmen? Was ist dann an ihnen noch privat, wenn alles der Staat finanziert? Was ist es dann letztlich anderes als eine autonomen / selbstständige öffentliche Schule?

    • Die Privatschulen werden hier in NRW mit sa. 95% der Personalkosten, die an öffentlichen Schulen im Durchschnitt anfallen, vom Land bezuschusst. Eine 100% Kostenerstattung ist nicht vorgesehen.

      Die Kommunen steuern darüber hinaus noch Anteile zu den Betriebskosten bei.

  15. @ Entschuldigung für die Tippfehler. Wieder zu spät gesehen. 🙁

  16. @ Danke, dickebank.

    Irgendwie sind wir da ja wieder am Anfang, als ich meinte, die Lehrer haben (an sicher nicht allen, aber doch vielen) Privatschulen eher Nachteile. Deshalb können sie zumindest die „richtigen“ Lehrer auch oft nicht lange halten und es gibt an Privatschulen ein ständiges Kommen und Gehen.

    Naja, kann man sagen: selber schuld.

    • Die würde es an staatlichen Schulen auch geben, wenn diese für „ihr“ Personal zuständig wären.

      Lehrkräfte im ÖD – auch angestellte respektive tarifbeschäftigte – haben ja nur das Land vertreten durch die regional zuständige Bezirksregierung als Arbeitgeber. Wenn ich in NRW meinem Arbeitgeber kündigen würde, um die Stelle zu wechseln, bliebe mir nur ein Wechsel zu den Privaten oder in ein anderes Bundesland. Da im letzten Fall für Neueinstellungen die Hürden aber sehr hoch sind, bleibt nur wie bei Beamten der Weg über das länderübergreifende Versetzungsverfahren.

      PS Auch beim Staat werden tarifbeschäftigte Lehrer über den Tisch gezogen. Denn anders als im sonstigen ÖD gelten im Bereich Schule die gleichen Arbeitszeitregelungen für Beamte und Tarifbeschäftigte. Würde ich als Tarifbeschäftigter im Dezernat Schule der Bezirksregierung arbeiten, müsste ich nur 39 Wochenstunden im Gegensatz zu den Beamten mit 41 WS ableisten. Nur „vor Kreide“ sind wir dann alle „gleichgestellt“.

      Übrigens der weit aus größere Teil der Beschäftigten an privaten Schulen hat ein 2.StEx. Die Gründe warum sie nicht im Staatsdienst gelandet sind, können sehr vielschichtig sein. Nur auf die Noten im 2.StEx abzustellen ist zu einfach.

  17. @ dickebank,

    nochmals danke für die Ausführungen. Ich will das nun hier nicht ewig in die Länge ziehen. Meiner Erfahrung nach ist es mit dem 2. STX an Privatschulen nicht so, wie Sie berichten, aber vielleicht ist es in NRW anders oder in meiner Region. Lassen wir es mal so stehen, wenn Sie einverstanden sind.

    • das hängt natürlich auch von der Anzahl privater Schulen in einem Bundesland ab. Gibt es viele, ist der Markt für Lehrer, die zu so einen AG kommen wollen/müssen, auch sehr schnell abgegrast.

      Der überwiegende Teil der „Privatschulen“ hier in NRW sind wie gesagt Ersatzschulen, Schulen in privater Trägerschaft, die aber ansonsten die staatlichen Lehrpläne umsetzen. Die Dienstbezeichnungen dieser lehrkräfte sind identisch mit denen im Staatsdienst, sie tragen lediglich den Zusatz i.E.

      Ein „StR i.E.“ ist folglich ein Studienrat im Ersatzschuldienst.

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