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Missbrauchsbeauftragter Rörig: Übergriffe an Odenwaldschule aufarbeiten

HEPPENHEIM. Die sexuellen Übergriffe an der Odenwaldschule müssen nach Ansicht des Missbrauchsbeauftragten der Bundesregierung, Johannes-Wilhelm Rörig, weiter aufgearbeitet werden – auch nach dem Ende der einst renommierten Schule. «Ernsthafte Aufarbeitung ist alternativlos», sagte Rörig im südhessischen Bensheim. «Auch die Entschädigung der Missbrauchsopfer steht weiterhin auf der Agenda.» Zu der Veranstaltung unter dem Motto «Epilog» («Nachruf») waren Spitzen des Landkreises Bergstraße, ehemalige Leiter der Schule in Heppenheim und Missbrauchsopfer gekommen.

Mahnt Aufarbeitung an: Johannes-Wilhem Rörig. Foto: www.rieken-fotografie.de / Unabhängiger Beauftragter

Mahnt Aufarbeitung an: Johannes-Wilhem Rörig. Foto: www.rieken-fotografie.de / Unabhängiger Beauftragter

Die Odenwaldschule ist seit knapp zwei Wochen Geschichte. Ein Konzept zur Fortführung der insolventen Einrichtung wurde von den Aufsichtsbehörden nicht genehmigt, es sei wirtschaftlich nicht tragfähig. An der Schule waren vor fünf Jahren lange zurückliegende sexuelle Übergriffe auf Schüler bekannt geworden. Offiziell wird von mindestens 132 Opfern ausgegangen, von bis zu 500 ist die Rede. Es kam zu Streit, die Zahl der wichtigen zahlenden Internatsschüler ging zurück. Die Privatschule meldete Insolvenz an. dpa

Zum Bericht: Aus und vorbei! Behörden lehnen Fortführung der Odenwaldschule ab

30 Kommentare

  1. Der Tatort „Odenwaldschule“ ist von besonderer Bedeutung. Weil das Täternetzwerk dort groß und einflussreich war. Und die UnterstützterInnen der OWS zu den VIPs in der alten BRD gehörten.
    Angeblich sollen die Schulakten ins Hessische Landesarchiv verbracht werden. Ich halte das für eine gute Entscheidung. Denn leider führen Täterinnen und Täter ihre Verbrechen häufig fort. Über Täter-Opfer-Dynamiken und im Zuge von Begleit- und Beschaffungskriminalität. Bei Institutionen handelt es sich da meistens um Unterschlagung und Betrug.

    Angelika Oetken, Berlin-Köpenick, eine von 9 Millionen Erwachsenen in Deutschland, die in ihrer Kindheit und/oder Jugend Opfer schweren sexuellen Missbrauchs wurden

  2. Ex-Odenwaldschüler

    Es soll aufgeklärt werden…das ich nicht lache…keiner will aufklären…denn da käme manche bekannte Persönlichkeit in Verruf…bei der Odenwaldschule handelt es sich nämlich um einen Pädophienring der Oberschicht gedeckt von höchsten Kreisen ähnlich wie in England…und niemals können die vielen Betroffenen sprechen,denn sie wurden mundtotgemacht oder leben nicht mehr z.b. wegen Selbstmord oder dubioser „Unfälle“….es waren auch viele Eltern in diesen Pädophilenring verwickelt…die Presse hat was die Rolle der Eltern angeht merkwürdigerweise kaum nachgehackt!!!

    • Was Sie von der Odenwaldschule berichten, finden wir an jedem institutionellen Tatort, an dem über einen längeren Zeitraum hinweg systematisch Kinder und Jugendliche sexuell ausgebeutet werden. Bei den Domspatzen, am Aloisiuskolleg, in Korntal in ähnlicher Form auch. Menschen mit einer Täterpersönlichkeit haben die Neigung, sich zusammenzurotten, um ihre Jagdreviere gemeinsam zu pflegen. An der Odenwaldschule ist aber das entsprechende Netzwerk etwas Besonderes, da prominenter als anderswo.
      Wegen der Aufklärung: die findet wie überall bereits seit Langem statt. Und zwar durch die Opfer, die Mitbetroffenen und die Medien. Das ist auch gut so, denn diese Leute sind vergleichsweise unabhängig. Bei allen anderen kann man nie sicher sein, ob sie nicht zu weit mit drin hängen oder in vorauseilendem Gehorsam handeln.

  3. OSO-Schüler 1975-85

    Wie es sich bei den beiden vorherigen Kommentatoren zeigt, hat wohl so jeder seine eigene Sicht auf die Dinge… Ich strandete als 10 jähriger Schulversager wegen Legasthenie auf der OSO und verlies die Schule 10 Jahre später mit Gesellenbrief und Abitur. Ich hatte einen Freundeskreis auf der OSO und einen dort wo ich herkam. Beide Kreise unterschieden sich nicht wesentlich voneinander. In beiden Kreisen wurde mit beginnender Pubertät gekifft und gesoffen, gab es Gerüchte über Schüler/Lehrer Beziehungen und auch Suizide. Was ich damit sagen möchte…, all die Verschwörungstheorien lassen sich mit dem Begriff „Zeitgeist“ erklären. Das spricht die Schule nicht davon frei, dass sie versagt hat, die Kinder zu schützen. An dieser Stelle sei auch darauf hingewiesen, dass der „Schulmädchenreport“ nach wie vor die erfolgreichste deutsche Filmproduktion ist….

    • Vermutlich trifft das auf Sie gar nicht zu, aber ich möchte zu bedenken geben, dass Privatschulen dafür bekannt sind, SchülerInnen Abschlüsse verschaffen zu können, die es an staatlichen Einrichtungen nicht gäbe. Am Aloisiuskolleg, einer Schule, die lange Zeit als die „beste“ des Landes galt, funktionierte das Folgendermaßen: der Schulleiter veranlasste, dass auch lernentwöhnte oder nicht entsprechend begabte Schüler ein gutes Abitur bekamen. Sofern deren Eltern entsprechend spendeten. Von einem Teil dieser Mittel subventionierte er hoch begabten, sehr leistungsstarken Schülern den Schulplatz inkl. bestimmter Sonderkonditionen. Was die Quote an „Superabis“ enorm steigerte. Und dafür sorgte, dass die Nachfrage groß blieb.
      Was war nun die Leistung der Schule? Absolventen meinen, es sei deren Geschick gewesen, einer bestimmten Schicht von Bonnern die Gelegenheit zur Klüngelbildung verschafft zu haben. Der übrigens immer noch existiert.

      • OSO-Schüler 75-85

        Nun, Sie werfen viele Vermutungen in den Raum, Vermutungen die vielleicht nur eine vorgefasste Meinung wiederspiegeln. Aber ich möchte Ihnen die weitere Geschichte nicht vorenthalten. Zum Ende meiner Grundschul-Zeit gelangten Lehrer, Psychologen und Jugendamt gemeinsam mit unserer Mutter zu der Überzeugung, dass die Odenwaldschule für meinen Bruder und mich das richtige sei. Wir bekamen sogar ein Stipendium.., vermutlich weil wir halbweise waren. Der Alltag auf der OSO war sehr strukturiert, wir wurden gefördert, es ging uns beiden deutlich immer besser. Ich machte dort parallel zur Schule eine Ausbildung zum Schlosser, mein Bruder zum Chemotechniker und zum Abschluss machten wir dann auch noch die „Hochschulreife“. Danach nahm ich ein Ingenieur und mein Bruder ein Medizinstudium auf und wir machten, sogar ganz ohne Vitamin B, unseren jeweiligen Abschluss. Seit 25 Jahren arbeiten wir nun schon in unseren Berufen. Ich muss an dieser Stelle nicht auf die Dinge eingehen, die an der Schule falsch gelaufen sind, aber zu Vermuten, dass dort deshalb alles „falsch“ war…, damit liegen Sie falsch.

        • Was ich geschildert habe, sind keine Vermutungen, sonst würde ich meinen Beitrag nicht mit meinem Klarnamen unterschreiben. Und ich habe auch nicht behauptet, dass an der Odenwaldschule alle Kinder schlecht behandelt wurden. Die starke Polarisierung, das Gefälle zwischen Fürsorge und Misshandlung, die Unterteilung zwischen Missbrauchs- und Förderobjekt ist ja gerade das Typische für dysfunktionale Gefüge. In Familien, in denen missbraucht wird ist das nicht anders.

          Aber erlauben Sie mir noch eine persönliche Anmerkung und die ist jetzt wirklich nur eine Mutmaßung: wenn Sie und Ihr Bruder schon Ihren Vater verloren hatten, warum war dann Ihre Mutter nicht bereit und in der Lage, Sie bei sich zuhause zu behalten? Vielleicht erschien Ihnen beiden ja der Aufenthalt in der Odenwaldschule nur deshalb als so positiv, weil Ihre Mutter Ihnen, aus welchen Gründen auch immer, keine Geborgenheit schenken konnte? Wäre es da nicht sinnvoller gewesen, sie, die Erwachsene hätte sich Hilfe bei der Erziehung ihrer Kinder oder bei der Aufarbeitung ihrer persönlichen Probleme geholt, anstatt ihre beiden Söhne in ein Internat zu schicken? Und das auch noch auf Kosten der Allgemeinheit? Falls es so war, würden Sie und Ihr Bruder sich in eine große Gruppe von Internatszöglingen einreihen. Dann wäre aber der Erziehungserfolg nicht der Überlegenheit des Konzepts der Odenwaldschule geschuldet, sondern dem Ausmaß an Dysfunktionalität in Ihrer Herkunftsfamilie.

          • Meine Güte, ist das nötig, was Sie da tun? Nur um rundum Recht zu behalten, spielen Sie die Familiendurchschauerin und Kritikerin der Mutter.
            Mir gefällt, was OSO-Schüler 75-85 schreibt, und ich freue mich über die Erfolgsgeschichte der Brüder. Lassen Sie diese doch einfach mal stehen, ohne den „Kindern“ das Herz schwer zu machen wegen Ihrer Mutter oder wem auch immer. Das sind doch alles nur Vermutungen, die Ihnen in Ihrer Argumentation zwar nutzen, aber andere belasten.

          • OSO-Schüler 75-85

            Wir waren 5 Kinder, meine Mutter berufstätig und überfordert. Sie hatte sich, auf anraten der Schule, Hilfe bei Psychologen und dem Jugendamt erbeten und erhalten… Die Schule war für uns eine gute Entscheidung, müssen wir uns 40 Jahre später deswegen schämen. P.S. Sie haben Ihre persönlichen Erfahrungen, ich die meine. Nichts liegt mir ferner als „Vermutungen“ über Sie ins Netz zu stellen.

          • OSO-Schüler 75-85

            Frau Oetken, da Sie gerne so „Lebensnah“ beraten, erlauben Sie mir eine Frage: Wieviele Kinder haben Sie groß gezogen und wovon leben Sie?

        • Kriegt man ein Stipenium, wenn man halbweise ist oder wenn man Halbwaise ist?

          • Inhaltlich fand ich das, was „OSO-Schüler 75- 85“ geschrieben hat gut verständlich. Er hatte ja auch darauf aufmerksam gemacht, dass bei ihm früher einmal eine LRS diagnostiziert wurde. Abgesehen davon wird nirgends so auf „Rechtschreibung“ rumgeritten wie in Deutschland. Auch wenn das mit dem „weise“ und „Waise“ in diesem Zusammenhang natürlich Missverständnisse birgt.

            Aber so wie „OSO-Schüler 75 – 85“ von seinen ganz persönlichen Erfahrungen berichtet, tun es ja etliche Leute, die selbst einmal die Odenwaldschule besucht haben seit Jahren. In Foren, in Büchern, auf Veranstaltungen. Man landet immer an dem selben Punkt: dort Diejenigen, die über ihre wunderbare Zeit schwärmen, da welche, die von den Schattenseiten und von der Kriminalität dort berichten. Einige tragen den Blick von außen bei.
            Ganz sicher bedingte sich das Eine und das Andere, „wunderbar“ und „schrecklich“. Und um zu verstehen, wie „Missbrauch“ funktioniert, muss man genau das untersuchen. An dieser – scheinbaren – Widersprüchlichkeit ansetzen.
            Für mich ein Argument mehr, sich für die geplante wissenschaftliche Aufarbeitung der Geschichte der Odenwaldschule stark zu machen.

        • „Frau Oetken, da Sie gerne so „Lebensnah“ beraten, erlauben Sie mir eine Frage: Wieviele Kinder haben Sie groß gezogen und wovon leben Sie?“

          Das tut nichts zur Sache. Sie waren es, der hier mit seiner privaten Geschichte ankam. Wenn Ihnen die Antworten andere Foristen darauf nicht gefallen, dann überlegen Sie sich fortan besser was Sie schreiben. Ein Pseudonym bietet Schutz, kann aber auch unvorsichtig werden lassen. Alles vollkommen menschlich.

          • OSO-Schüler 75-85

            Ihre Nachsicht ehrt Sie…, leider beantworten Sie nicht meine Frage. Aber mal angenommen, wir hätten nicht unseren Vater sondern unsere Mutter verloren, hätten Sie dann auch gefragt, warum er nicht „bereit und in der Lage war uns zu betreuen“..? Es gab übrigens einige Kinder auf der Schule, deren Familien in Not geraten sind.

          • Wer bestimmt denn hier, was zur Sache gehört und was nicht. Sie, Frau Oetken?
            Sie stellen Spekulationen über die Mutter von OSO-Schüler 75-85 in den Raum, die den Kindern weh tun müssen, und sagen dann bei Fragen an Sie: „Das tut nichts zur Sache“.
            Ich denke, dass hinter dem, was OSO wissen möchte, mehr steckt als das, was Sie misstrauisch vermuten?
            „Sie waren es, der hier mit seiner privaten Geschichte ankam“, klingt jedenfalls sehr abweisend und unfreundlich.
            Ich fürchte, Sie tun dem, was Sie vermutlich als Lebensaufgabe ansehen, keinen großen Gefallen, wenn Sie Menschen, die nicht Ihre Meinung oder Erfahrung teilen, so rechthaberisch und unwirsch behandeln. Das wirft auch in meinem Kopf Fragen auf.

          • OSO-Schüler 75-85

            Frau Oetken, gerne hätte ich den Dialog mit Ihnen auf einer sachlichen Ebene fortgeführt, aber wenn Sie hier unterschwellig meiner Mutter ein „Versagen als Mutter“ unterstellen, übrigens ein sehr beliebtes Thema bei allen die sich auf die OSO eingeschossen haben, dann müssen Sie sich auch die Frage nach Ihren Lebensleistungen gefallen lassen. Haben Sie überhaupt eine Vorstellung davon, was es in den 60 ger Jahren der BRD bedeutete, als Frau beruftätig zu sein und Kinder zu haben? Ganz offensichtlich hat Sie ihre Obsession schon Betriebsblind gemacht.

          • @OSO-Schüler 75- 85,

            ich bin ebenfalls für eine sachliche Debatte.

            Und habe mit meinen Ausführungen auch niemandem „Versagen“ unterstellt. Im Missbrauchskontext führt die Schuldfrage nur insoweit weiter, als zu klären ist, ob und wenn ja warum jemand vorsätzlich gehandelt hat.
            Wie an jeder Schule, an der über einen längeren Zeitraum hinweg systematisch SchülerInnen sexuell ausgebeutet wurden, gab es auch an der Odenwaldschule Profiteure dieses Systems. Ich schlage vor, dass wir uns denen zuwenden.

            Deshalb meine Frage: wo ist eigentlich die Finanzbuchhaltung der Schule und des Trägervereins eingelagert?

          • @OSO-Schüler 75 – 85,

            Ihre Fragen zu meinen Lebensumständen beantworten sich schnell, wenn Sie meinen Namen in eine Suchmaschine eingeben. Und alles was Sie dort nicht finden, geht niemanden etwas an.

          • OSO-Schüler 75-85

            Frau Oetken…, ich wollte Ihnen nicht zu nahe treten, es geht mich wirklich nichts an. Und was Ihre Frage zur Finanzbuchhaltung betrifft…, ich war dort Schüler und nicht Buchhalter. Aber wenn Sie einen begründeten Verdacht auf Geldwäsche oder Steuerhinterziehung haben, erstatten Sie doch Anzeige beim Finanzamt… oder glauben Sie, die Schule wäre nur der Deckmantel für einen Knabenpuff gewesen.

    • „all die Verschwörungstheorien lassen sich mit dem Begriff „Zeitgeist“ erklären“

      An der Odenwaldschule wurde mit Kindern und Jugendlichen gehandelt. So etwas geschieht selbstverständlich nicht öffentlich und ist für Menschen, die nicht damit vertraut sind alles andere als offensichtlich. Erst recht nicht für Heranwachsende.
      Es ist auch gar kein Widerspruch, dass Sie und viele Ihrer MitschülerInnen sich an der OWS wohl gefühlt haben. „Opfer“ und „Opfern“ gehören zusammen. TäterInnen sind häufig besonders engagiert, stellen sich auf potentielle und vermeintliche Opfer ein, erfüllen die Wünsche und Projektionen der Erwachsenen im Umfeld. Das ist in Familien, in denen missbraucht wird nicht anders als in Institutionen. Und genauso wie im familiären Bereich, wird denen, welche auf die Verbrechen und somit auf die Diskrepanzen, die sie erst möglich machten hinweisen, mit Unglauben bis hin zu Abwehr begegnet. Ich kann das gut verstehen. Möchte aber zu einer umfassenden Aufklärung und Aufarbeitung der Missbrauchsfälle, die an der Odenwaldschule geschehen sind aufrufen. Denn ich halte es für zweifelhaft, dass einige Kinder geopfert werden, damit es vielen gut geht.

  4. „, ich war dort Schüler und nicht Buchhalter. Aber wenn Sie einen begründeten Verdacht auf Geldwäsche oder Steuerhinterziehung haben, erstatten Sie doch Anzeige beim Finanzamt… “

    @OSO-Schüler 75 – 85,

    ich mache Sie ja auch nicht für die Geschäftsführung verantwortlich. Sondern wollte nur auf die entsprechende Begleit- und Beschaffungskriminalität hinweisen.
    Was das Anzeigen von Wirtschaftsverbrechen betrifft: bisher hatte ich nur von Veruntreuung öffentlicher Mittel gehört. Dass auch Geld gewaschen wurde bzw. Steuern hinterzogen, ist mir neu. Passt aber.

    Anzeigen sind leider was die Fälle der 60er bis 90er Jahre angeht genauso zwecklos, wie im Falle der Missbrauchskriminalität. Alles verjährt!

    • OSO-Schüler 1975-85

      „Dass auch Geld gewaschen wurde bzw. Steuern hinterzogen, ist mir neu. Passt aber….“ in Ihr Weltbild. Leider finden sich schon viele zu viele „Fachleute“ im Netz die ihre „Vermutungen“ streuen… Mehr muss man nicht dazu sagen.

      • Die Sache mit der Veruntreuung ist leicht nachzuvollziehen. Ein alter Hut. Mal angenommen, Sie befänden sich an Stelle der Betreiber der Odenwaldschule. Dann gehen Sie Folgendermaßen vor: Fördergelder kassieren, aber keine entsprechende Gegenleistung erbringen. Den Überschuss dann über Stiftungen Leuten aus dem eigenen Netzwerk zu Gute kommen lassen. In deren Organisationen können Sie dann auch noch Menschen einen Arbeitsplatz verschaffen, denen Sie etwas schuldig sind. So machen das Seilschaften innerhalb der Katholischen Kirche auch. Funktioniert überall, wo die öffentliche Kontrolle versagt. Oder versagen muss, weil Sie Ihre Leute dort sitzen haben. Mit dem entsprechenden Verbindungen ist das relativ leicht. Transparency International hat die Methoden doch für das Bau- und Medizinwesen schon schlüssig dargestellt.

        Und was die Fachleute betrifft, die Sie in Ihrem Beitrag in Anführungszeichen setzen: ich nenne die „ErfahrungsexpertInnen“. Weil sie über Wissen aus erster Hand verfügen. Es sind Opfer, Mitbetroffene und Whistleblower. Menschen, deren Hinweise auf jeden Fall glaubhafter sind, als welche von Leuten, die sich einer in Misskredit geratenen Institution zugehörig fühlen.

        Und was die Geldwäsche und das Hinterziehen von Steuern angeht: da haben Sie mich wirklich auf eine Idee gebracht. Die Odenwaldschule genoss jahrzehntelang einen so guten Ruf. Very Important People standen ihr sehr nahe. Es flossen Spenden hin und her. Da springt einen das mit der Säuberung gewisser Mittel ja geradezu an. Es wird wohl nicht gerade illegaler Zigarettenhandel gewesen sein….

        Nichtsdestotrotz: schon aus unserer kleinen Debatte hier leitet sich doch dringender Untersuchungsbedarf ab oder? Vermutlich wird heraus kommen, dass an meinen Erwägungen nichts dran ist. Und das wäre doch das Beste für alle oder nicht? Man sollte doch die Welt nicht schlechter reden als sie ist.

        • OSO-Schüler 1975-85

          „Man sollte doch die Welt nicht schlechter reden als sie ist“ damit haben Sie etwas sehr kluges gesagt. Auch bin ich sehr dafür, das aufgeklärt wird. Aber bitte in alle Richtungen…. Gewiss, die Schule hat in den Jahren 65-85 schweres Unrecht möglich und mit dem Versuch dieses zu vertuschen nur noch alles schlimmer gemacht. Auf Grundlage der Strukturen dieser Schule hatten es Pädokriminelle einfach an Kinder heranzukommen und sich ihre Opfer zu suchen. Aber dem Land, dessen erfolgreichste Filmproduktion nach wie vor „der Schulmädchenreport“ ist, kaufe ich das Entsetzen über die Schule nicht ab. Man kann die Entwicklung der Odenwaldschule nicht getrennt von dem was sonst so in der Republik geschah, trennen. Und hier wird mit einfach noch viel zuviel geheuchelt.

          • Da sprechen Sie unangenehme Wahrheiten aus. Es ist aber einfacher, Schuld in Einzelfällen zu suchen, anstatt die „tolerante“ Gesellschaft mal unter die Lupe zu nehmen, zu der jeder Einzelne von uns gehört.

          • „Man kann die Entwicklung der Odenwaldschule nicht getrennt von dem was sonst so in der Republik geschah, trennen. Und hier wird mit einfach noch viel zuviel geheuchelt.“

            Da gehe ich mit Ihnen absolut konform. An Tatorten wie der Odenwaldschule, dem Aloisiuskolleg, dem Kloster Ettal, den Heimen der Brüdergemeinde Korntal ereignete sich etwas auf begrenztem Raum, was in ähnlicher Form überall in der Gesellschaft statt fand. Ich selbst bezeichne sexuellen Missbrauch deshalb auch als traditionellen Bestandteil unserer Sexualkultur.
            Die große Aufmerksamkeit für die Vorgänge an der OWS oder dem Canisiuskolleg sind meiner Einschätzung nach zwei Besonderheiten geschuldet: zum Einen der Tatsache, dass es Männer waren, die sich als Opfer zu erkennen gaben, zum Anderen dass diese Schulen bis dahin als Vorzeigeeinrichtungen galten. Beides konterkariert verbreitete Missbrauchsmythen:

            a) Opfer sind weiblich
            b) Missbrauch findet vor Allem im marginalisierten Milieu statt

            Die Betroffenen selbst und ihre UnterstützerInnen hatten es etwas leichter, sich gemeinsam zu engagieren, als die vielen Opfer familiären Missbrauchs. Denn sie konnten einander schneller identifizieren und sich zusammen schließen. Außer den Missbrauchserfahrungen einte sie auch die einstmalige Zugehörigkeit zur Institution, an der der Missbrauch geschah.

            Und gerade weil viele dieser Betroffenen, die immer mal in despektierlicher Absicht als „Eliteopfer“ bezeichnet werden es überhaupt nicht nötig gehabt hätten, sich zu outen bin ich ihnen sehr dankbar.

            Missbrauch ist ansonsten eine so alltägliche und banale Angelegenheit, dass sich ohne den „Canisiusday“ bis heute kaum jemand für Aufklärung, Aufarbeitung und Prävention interessieren würde. Oder wie eine Mitstreiterin es neulich mal so schön formulierte: „Matthias Katsch und seine Verbündeten haben das Thema aus der I-Bäh-Ecke rausgeholt“.

          • OSO-Schüler 1975-85

            „Ich selbst bezeichne sexuellen Missbrauch deshalb auch als traditionellen Bestandteil unserer Sexualkultur“…..100 % Zustimmung.

  5. Es gibt noch viele offene Fragen. Anfang 2011 hat ein Ehemaliger einen in der taz unter der Überschrift „Frau Kaufmann soll gehen“ erschienen Artikel folgendermaßen kommentiert:

    „EX-ODENWALDSCHÜLERGast
    14.01.2011, 10:14
    Als nicht „geouteter“ Betroffener und damit der vermutlich hohen Dunkelziffer zugehörig verfolge ich den Aufklärungsprozess lediglich in der Presse.Ich wünsche mir sehr das endlich alles auf den Tisch kommt und zwar nicht scheibchenweise über Jahre.Was war das für ein Netzwerk?Wer wusste davon-auch ausserhalb der Odenwaldschule?Wer waren die Unternehmer an die die Kinder verliehen wurden?Welche Rolle spielte der damalige Geschäftsführer unter Gerold Becker Günther Schweigkofler?Waren pekuniäre Interessen invoviert?Wer konnte wen mit was erpressen?Welche Rolle spielte Hartmut von Hentig?Wenn Aufklärung dann bitte richtig und umfassend!“

    Diese Fragen sind sehr berechtigt und alle bis heute ungeklärt. Jedenfalls offiziell. Organisierte Missbrauchskriminalität kann eine Gesellschaft durchziehen, wie ein Myecel einen solide erscheinenden Baum. Siehe die Fälle, die in Großbritannien jetzt von einer Royal Commission untersucht werden. Wobei ich mir in der Angelegenheit Sarkasmus nicht verkneifen will: diese Kommission wird wie alle solcher Art vor Allem den Auftrag haben, besonders einflussreiche Gruppen zu schützen. Einige Bauernopfer (VIP-Täter die der Unterschicht entstammen) gab es ja in England schon.

    Was mal wieder bestätigt: eine unabhängige, nachhaltige Aufklärung und Aufarbeitung kann nur funktionieren, wenn sie betroffenenkontrolliert ist.

    • OSO-Schüler 1975-85

      Sollte an den oben aufgeführten Vermutungen von EX-Odenwaldschüler etwas dran sein, dann habe ich davon nichts mitbekommen. Aber es hatte mich als Schüler auch nicht Interessiert. Ich Vermute, dass an diesen Vermutungen nicht viel dran ist. Aber auch dies ist, wie gesagt, nur eine Vermutung. Aber leider reichen schon Vermutungen allein aus, um einen Ruf für immer zu zerstören. Jetzt, wo die Schule Geschichte ist, wäre ich natürlich an der ganzen Geschichte interessiert. Wobei es schwierig sein wird, hier noch zwischen Phantasie, Vermutungen und Wahrheit zu unterscheiden…. das einzig unbestrittene ist, dass dort Kinder missbraucht wurden.

      • Wenn Namen von TäterInnen und MittäterInnen genannt werden, können Opferzeugen und ihre Verbündeten Tatsachen leider nur als Vermutungen formuliert veröffentlichen. Wir sollten dabei berücksichtigen, dass Betroffene im Gegensatz zu den Täterseilschaften ein großes Interesse daran haben, dass die Wahrheit ans Tageslicht kommt.

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