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Politiker rechnen für 2015 mit bis zu 400.000 Flüchtlingskindern – 3.000 zusätzliche Lehrer sollen sie eingliedern

BERLIN. Seit langem fordern Landesregierungen, dass sich der Bund stärker an den Flüchtlingskosten beteiligt. Nun legt Berlin drauf. Aber nicht genug, sagt beispielsweise Brandenburgs Regierungschef Woidke (SPD). Bislang wurden bundesweit, das ergab eine aktuelle Umfrage bei den Bildungsministerien der Länder, mehr als 3.100 zusätzliche Lehrerstellen geschaffen, um Flüchtlingskinder zu unterrichten. Tatsächlich sind Zweifel angebracht, ob das reichen wird. Woidke zufolge könnten in diesem Jahr bis zu 400.000 Kinder aus Kriegs- und Krisengebieten in die deutschen Schulen kommen – das wären dann 129 Kinder pro neu eingerichteter Lehrerstelle. In Hessen erwägt Kultusminister Alexander Lorz (CDU) deshalb schon, pensionierte Lehrer für den Dienst zu reaktivieren.

Flüchtlingskind aus Afghanistan. Foto: Tracy Hunter / flickr (CC BY 2.0)

Flüchtlingskind aus Afghanistan. Foto: Tracy Hunter / flickr (CC BY 2.0)

Als Reaktion auf die steigende Flüchtlingszahl wollen die Bundesländer zum Schulbeginn insgesamt mehr als 3.100 zusätzliche Deutschlehrer beschäftigen. Die Stellen seien ausgeschrieben und größtenteils schon besetzt, ergab eine Umfrage der Nachrichtenagentur Reuters bei den Kultusministerien. Die Pädagogen sollen laut Bericht Flüchtlingskindern in Sprachklassen oder Vorbereitungskursen erste Deutschkenntnisse vermitteln. Das bevölkerungsreichste Land Nordrhein-Westfalen stellt mit Abstand die meisten Lehrkräfte ein – nach Angaben der Landesregierung 1200 Stellen. Das kleine Saarland sieht zehn neue Stellen vor. Brandenburg konnte als einziges Bundesland noch nicht genau einschätzen, wie viele weitere Deutschlehrer gebraucht werden. Man plane jedoch Geld für 124 zusätzliche Stellen ein.

Aus Sicht von Brandenburgs Ministerpräsident Dietmar Woidke (SPD) reichen die von der Bundesregierung zugesagten drei Milliarden Euro für die Unterbringung der Flüchtlinge in Ländern und Kommunen nicht aus. «Dies ist nur ein Viertel der Kosten, die für die Erstversorgung der Menschen derzeit im Jahr anfallen», sagte Woidke, der auch Vorsitzender der Ministerpräsidentenkonferenz ist, am Montag in Potsdam. Aus seiner Sicht muss der Bund seinen Beitrag verdoppeln und mindestens die Hälfte der Kosten von Ländern und Kommunen übernehmen.

Der Regierungschef rechnet damit, dass in den nächsten Tagen und Wochen eine große Zahl weiterer Flüchtlinge vor allem aus Syrien nach Deutschland kommt. «Insgesamt halte ich die Zahl von einer Million Flüchtlinge in Deutschland dieses Jahr für plausibel», sagte Woidke. Der Anteil schulpflichtiger Kinder wird auf 40 Prozent geschätzt, so dass in diesem Jahr 400.000 Kinder in die Schulen kommen könnten, die besonderer Förderung bedürfen – die insbesondere Deutsch als Fremdsprache lernen müssen.

In den nächsten Monaten müsse das Angebot zur Sprachförderung wegen des ständig steigenden Zuzugs von Asylsuchenden permanent an den Bedarf angepasst werden, kündigte der hessische Kultusminister Alexander Lorz (CDU) in Wiesbaden an. Dazu gehöre auch, Deutschlehrer für den Unterricht in den Intensivklassen weiterzuqualifizieren. Sollte das nicht ausreichen, müsse auch über die Reaktivierung von pensionierten Lehrern nachgedacht werden, die Deutsch als Zweitsprache unterrichtet haben.

In dem am heutigen Montag in Hessen gestarteten Schuljahr 2015/16 werde es mehr als 100 neue Klassen für intensives Deutschlernen geben, erklärte Lorz. Rund 400 dieser Klassen sind dann an den allgemeinbildenden Schulen Hessens angesiedelt. «Damit stehen weit über 6000 Intensivklassenplätze alleine an den allgemeinbilden Schulen zur Verfügung – über 1600 mehr als vor den Sommerferien», sagte der Minister. Zwölf bis 16 Kinder werden in diesen Klassen sitzen, in denen es fast ausschließlich um das Erlernen der deutschen Sprache geht. Dazu kommen Intensivkurse, in denen deutsche Sprachförderung ergänzend zum Regelunterricht angeboten wird. Insgesamt seien in Hessen Ressourcen für rund 10.000 sogenannte Seiteneinsteiger bereitgestellt worden.

Mit der Ausweitung von Deutschkursen und dem Verzicht auf den Abbau von Lehrerstellen reagiert Rheinland-Pfalz, wo ebenfalls in dieser Woche der Unterricht wieder beginnt, auf die gestiegene Zahl von Flüchtlingskindern in den Schulen. «Unser Ziel ist, dass jedes Kind und jeder Jugendliche mit Migrationshintergrund und Sprachförderbedarf einen ordentlichen Unterricht erhält», sagte Bildungsministerin Vera Reiß in Mainz.

Dies bedeute eine Kraftanstrengung und eine große Herausforderung für die Schulen. So sei die Zahl der Deutsch-Intensivkurse um fast die Hälfte auf 224 gesteigert worden. In diesen Kursen erhalten bis zu 20 Kinder und Jugendlichen Deutschunterricht, während ihre Klassenkameraden zur gleichen Zeit in Fächern wie Deutsch und Mathematik büffeln, bei denen es auf gute Sprachkenntnisse ankommt. Später kommen die Klassen dann wieder zusammen und haben dann Sport oder Musik – also Fächer, in denen Flüchtlingskinder auch ohne Sprachkenntnisse mitmachen können. Das Land verzichtet nun darauf, wie aufgrund der Prognose von 2012 geplant im neuen Schuljahr 489 Lehrerstellen abzubauen. Stattdessen wurden 300 Lehrerinnen und Lehrer dem Vertretungspool des Landes zugewiesen, der nun 800 Stellen umfasst. Und 240 Stellen wurden neu geschaffen. News4teachers / mit Material der dpa

Zum Kommentar: Frau Merkel, übernehmen Sie! Lassen Sie die Schulen mit der Eingliederung der Flüchtlingskinder nicht allein!

Ein Kommentar

  1. 80% der Flüchtlinge sind junge Männer.Wie kommen sie dann auf 400000 Kinder????

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