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Streit um „Schreiben wie Hören“: Pure Ideologie ist im Spiel

Ein Kommentar von NINA BRAUN.

Die Bildungsjournalistin Nina Braun. Foto: www.bildungsjournalisten.de

Die Bildungsjournalistin Nina Braun. Foto: www.bildungsjournalisten.de

Über Methoden lässt sich streiten, natürlich. Wenn die Auseinandersetzung aber mehr sein soll als ein Krach um des Kaisers Bart, dann sollten schon Fakten die Grundlage sein – und nicht Glaubenssätze. Wie bei der Diskussion um die Methode Reichen, die berühmt-berüchtigte Art also, Schüler Wörter so schreiben zu lassen, wie sie sie hören. Kritiker sehen einen Zusammenhang zwischen vermeintlich mangelnden Lese- und Rechtschreibfähigkeiten bei Kindern und Jugendlichen und dem Lernmodell. Sie fordert nun Landesregierungen auf, nach dem Hamburger Vorbild die Lernmethode an den Grundschulen auszusetzen. Dabei ist einiges bemerkenswert:

Erstens, es ist durchaus umstritten, ob sich die Lese- und Rechtschreibfähigkeiten von Schülern in den letzten Jahrzehnten verschlechtert haben. Klar scheint zu sein, dass Schüler heute mehr orthografische Fehler machen. Allerdings auf der Basis eines vergrößerten Wortschatzes. Dazu kommt, dass sich die Schülerschaft in den vergangenen Jahrzehnten deutlich verändert hat – rund ein Drittel stammt heute aus Einwandererfamilien, was vor 30, 40 Jahren nicht so war. Fazit: Die Sprachbildung scheint, im Widerspruch zur vorgebrachten Klage, sogar ganz gut zu funktionieren. Was nicht heißt, dass es dabei keine Verbesserungen geben könnte – etwa durch speziell ausgebildetes Personal für eine sprachlich besonders förderbedürftige Schülerklientel. Aber das ist ein ganz anderes Thema.

Zweitens, die Lehrer vor Ort sind die Fachleute fürs Lehren, nicht Politiker. Und auch nicht Eltern. Eltern ticken schulpolitisch tendenziell konservativ; alles, was sie selbst in ihrer Schulzeit erlebt haben, war in der Rückschau gut und richtig. Neuerungen sind ihnen erstmal suspekt. Das kann aber nicht bedeuten, dass Schule sich nicht entwickeln darf. Sie muss es tun: Ein Lehrer verfügt heute über ein ganzes Repertoire an pädagogischen Instrumenten, die er je nach Bedarf zielgerichtet einsetzen kann. „Lesen durch Schreiben“ ist eines davon, beileibe nicht das einzige. Das Eltern begreiflich zu machen, ist vor allem eine Frage einer zu verbessernden Kommunikation.

Aber was ist mit der Kritik an der Methode von Lehrerseite? Ein interessantes Phänomen: Die Kritik kommt vor allem aus den weiterführenden Schulen – und richtet sich an die Grundschulen. Mit diesem Schwarzer-Peter-Spiel stehlen sich die weiterführenden Schulen ein Stück weit aus der Verantwortung. Rechtschreibung ist (wie Lesen und Schreiben überhaupt) keine Angelegenheit der Primarstufe allein.

Der Verdacht besteht, dass bei manchen der Kritiker pure Ideologie im Spiel ist – und die Denke so läuft: Schreiben wie hören = Schüler dürfen alles machen = Kuschelpädagogik = antiautoritäre Erziehung = 1968 = sofort verbieten. Die Ironie an der Geschichte ist, dass hier etwas verboten werden soll, was es praktisch gar nicht (mehr) gibt. Kaum eine Grundschule praktiziert heute noch die Methode Reichen in Reinform. Dass Lehrer aber die Freiheit haben sollen, in der Abwägung zwischen Lernmotivation und orthografischer Korrektheit sich mal für den Anschub entscheiden zu dürfen, auch wenn ein paar Schreibfehler zu kritisieren wären, muss doch nicht ernsthaft von einer Landesregierung verboten werden, oder? (Erstmals veröffentlicht am 9.5.2014, aktualisiert am 22.9.2015)

Zum Beitrag: Streit ums Schreibenlernen nach Gehör kocht wieder hoch – Online-Petition fordert Verbot der Methode

53 Kommentare

  1. mehrnachdenken

    Frau Braun, ich bin schon erstaunt, was Sie hier „zu Papier“ gebracht haben.
    Tatsächlich geht’s nicht um „Glaubenssätze“, sondern um harte Fakten. Die sprechen jedoch in der Tendenz eindeutig gegen diese Methode oder ihre „Ableger“.
    Sie jedoch negieren, verharmlosen und relativieren.

    Bei News4teachers wurde dieses Thema bereits „rauf und runter“ diskutiert. Zu Ihrer Erinnerung:

    http://www.news4teachers.de/2013/06/zu-viele-rechtschreibfehler-philologen-fordern-anderen-deutschunterricht/

    • Liebe(r) Mehrnachdenken,

      genau so, wie in meinem Kommentar, steht es doch in der von Ihnen zitierten Studie:

      Die Orthografie ist schlechter geworden. „Allerdings gebe es in den vergangenen 40 Jahren auch positive Entwicklungen: So seien die Texte von 2002 nicht nur länger als die von 1972, sie zeigten auch einen beträchtlich vergrößerten Wortschatz, seien lebendiger geschrieben und spannender zu lesen. ‚Darin zeigen sich die Folgen eines Schulunterrichts, der von den siebziger Jahren an zwar immer weniger Wert auf ‚harte‘ Kompetenzen wie Rechtschreibung, Grammatik und Interpunktion legte, dafür aber die Kreativität der Schüler, ihre Freude am freien Schreiben und ihre Ausdrucksfähigkeit förderte‘, heißt es.“

      Ist das jetzt insgesamt eine negative Entwicklung? Ich finde: nein.

      Herzliche Grüße
      Nina Braun

      • mehrnachdenken

        Entschuldigung, Sie suchen sich aus dem Artikel nur das heraus, was Sie als Bestätigung für Ihre Sichtweise brauchen.
        Ein Kommentar ist zwar eine persönliche Meinung. Das heißt aber m.E. nicht, andere Positionen „unter den Tisch fallen zu lassen“.
        Meine Einlassung bezog sich weniger auf den Artikel, als vielmehr auf die dann folgende breite Diskussion.

        Zudem stimmen meine praktischen Erfahrungen als langjährige Lehrkraft keineswegs mit den Aussagen in dem Zitat überein. Das Gegenteil ist sogar der Fall.
        Deshalb verzichteten wir bereits vor vielen Jahren in der Unterstufe auf Aufsatzformen wie „Fantasieerzählung“ oder „Märchen schreiben“. Ein Grund war nämlich der fehlende Wortschatz und die unzulängliche Ausdrucksweise.
        Ich ging vor vielen Jahrzehnten zur Schule. Damals kam es sowohl auf eine korrekte Rechtschreibung und Grammatik als auch auf gute Ausdrucksfähigkeit und sprachliche Kreavität an. Erstaunlich! Wir leisteten es!!

      • Schon mal daran gedacht, Frau Braun, dass „‚harte‘ Kompetenzen wie Rechtschreibung, Grammatik und Interpunktion“ sehr gut messbar sind und nicht Geschmacks- bzw Behauptungssache wie „Kreativität der Schüler, ihre Freude am freien Schreiben und ihre Ausdrucksfähigkeit.“
        Sie kennen vielleicht den Spruch: „Gebt 3 Lehrern den gleichen Aufsatz zur Beurteilung und ihr werdet 3 verschiedene Zensuren bekommen.“ Außerdem: Wie misst man zuverlässig Freude und vergleicht sie mit der Freude anderer?
        Wenn es beim „Lesen durch Schreiben“ um pure Ideologie geht, dann ist sie in ihrem Kommentar zu finden.
        Wann hören endlich Behauptungen auf, die zur Kathegorie “ Glaube statt Wissen“ gehören? Sie haben den Schulen und Schülern jahrzehntelang unendlich geschadet und tun es immer mehr.

      • Vielleicht ist diese Methode ja gar nicht die Ursache für die genannten Aspekte. Vielleicht ist die Entwicklung unabhängig davon. Das hat niemand untersucht. Das Finden eines Zusammenhangs und das Finden der Ursache sind zweierlei Dinge. Beliebtes Beispiel ist die Storchenpopulation in Deutschland. Diese ist in Jahren hoch, in denen es auch viele Geburten gab. Diese Daten korrelieren, aber niemand käme auf die Idee zu behaupten, dass Störche die Kinder bringen.

      • Kreativität kann man oder sollte man auf der Basis konkreter Kompetenzen entfalten. Gegenwärtig hat sich eine Tendenz etabliert, die dem Gestus folgt: Auch wenn kein Substanzwissen und keine sicheren Kompetenzen vorliegen, so bestätigen wir uns doch gegenseitig über Kreativität und Phantasie. Mit dieser Einstellung kann das Schulwesen einer Wissensgesellschaft deren Zukunft nicht sichern. Es ist nichts weniger als die Akzeptanz von Beliebigkeit und Lernmotivation wird häufig mit einem ungerichteten Lustprinzip um seiner selbst willen verwechselt.

  2. Der Kommentar zeugt leider von wenig Sachkenntnis, was für jemanden, der auf Fakten beharrt, eher peinlich ist.

    So entgeht Frau Braun die durch Steinig eindringlich belegte Tatsache, dass Orthographie-Probleme ebenso wie Wortschatz-Fragen heute in viel stärkerer Weise sozial determiniert wirken als noch in den 1970er Jahren. Es kann daher keine Rede davon sein, dass den massiven orthographischen Defiziten positive Entwicklungen „balancierend“ gegenüberstehen, wenn man die Zusammenhänge gesamtgesellschaftlich betrachtet. Auch deutet viel daraufhin, dass viele Defizite der (Rechtschreib-)Ausbildung in bessergestellten Kreisen mittlerweile durch die Elternhäuser aufgefangen werden, die oft offen oder verdeckt GEGEN die Schulen arbeiten.

    Das Argument zur FDP ist völlig aberwitzig. Dass die FDP als Partei (angeblich oder tatsächliuch) für Freiheit eintritt, bedeutet selbstverständlich nicht, dass sie dafür eintritt, dass Staatsbedienstete die Freiheit haben, ihre Arbeit nicht zu machen – und Richter etwa Verbrecher beliebig laufen lassen können, auf Urteilsbegründungen verzichten können, oder Polizisten festgenommene Bürger auf portugiesisch über ihre Rechte aufklären, weil sie dies für methodisch sinnvoll halten und sie sich sagen: „Die Freiheit nehm ich mir.“

  3. Wer sagt denn, dass sich der Wortschatz nicht auch vergrößert hätte, wenn ausschließlich mit der „alten“ Methode unterrichtet worden wäre. Dass der vergrößerte Wortschatz an der „neuen“ Methode liegt ist nirgends bewiesen.

    • Richtig, GriasDi! Ich begreife auch noch immer nicht, wie Leute auf solch unnachprüfbares Wischi-Waschi- Lobesgesülze reinfallen können, anstatt auf das zu achten, was sich zuverlässig beweisen lässt.
      Nur so können immer wieder Schulsysteme und -methoden eingeführt werden, die zum Himmel stinken.
      Viele sollten sich vielleicht mal wieder das Märchen von des Kaisers neuen Kleidern durchlesen. Eins meiner Lieblingsmärchen, das besonders auf heutige Zeit zutrifft, nicht nur in der Pädagogik.

    • mehrnachdenken

      Grundsätzlich stimme ich Ihnen zu. Aber ich bestreite ganz entschieden – wie oben bereits ausgeführt – dass sich der Wortschatz vergrößert hat!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!
      An sich müsste das jede Lehrkraft bestätigen können!!!!!!!!!!!!!!!!!

      • Ja, das kann jede Lehrkraft bestätigen, leider aber nur, wenn sie schon jahrzehntelang im Schuldienst ist und aus Erfahrung vergleichen kann. Jüngere Lehrer oder Außenstehende können das nicht und fallen leicht auf alles rein, was sich schön anhört. Hört sich „Freude am Schreiben“ oder „Förderung der Kreativität“ nicht viel sympathischer, höherwertiger und überhaupt viel besser an als „korrekte Rechtschreibung“?
        Wer prüft die Thesen schon nach? Und vor allem: Geht das überhaupt?
        Ist doch klar, dass hier mit Selbstauskünften gearbeitet wird. Und welche Auskünfte werden die unterrichtenden Anhänger der Methode „Schreiben wie Hören“ wohl geben?
        Hingen sie der Methode nicht an, würden sie sie auch nicht verwenden und könnten nicht befragt werden. So einfach ist das.

      • Zu viel !! ist ??

  4. Ursula Prasuhn

    In dieser Weise, Frau Braun, lernen Kinder mit der Anlauttabelle, welche die vielen Unterschiede im Klang der Laute – vor allem dem der Vokale – nicht berücksichtigt und nicht berücksichtigen kann, Wörter zu lesen: Es geht z. B. um „Affe“, da lesen die Kinder durch die Anlauttabelle klanggemäß „Aaffee“. Die Vokale sind in den Bildern der Anlauttabelle immer lang. Dort findet sich darum niemals ein Bild vom Affen oder Apfel, sondern von der Ameise. Oder nehmen wir den Essig. Die Anlauttabelle führt klanggemäß zu Eessiek, weil für das e der Esel steht und für das i der Igel. Für den Schluss dient dann die Katze.
    Es ist schwer, einem Außenstehenden in wenigen Sätzen zu vermitteln, dass da Kinder eine Lesetechnik erlernen, die eine Sinnentnahme erschwert, wenn nicht gar unmöglich macht. Wenn schon einzelne Wörter ein Problem sind, um wie viel mehr ist es dann ein ganzer Satz?
    Mir liegt die Sinnentnahme des Lesens, das immer mehr unter die Räder gerät, besonders am Herzen. Ohne korrekte Rechtschreibung von Anfang an geht sie aber nicht, wie ich bereits an anderer Stelle versucht habe zu erklären.

    • Nein, Frau Prasuhn, das stimmt nun wirklich nicht. Bei aller Kritik am Schreiben mit AT: Die neueren AT berücksichtigen selbstverständlich die Vokalquantität. Sie bilden nicht nur gespannte und ungespannte Vokale ab (das Problem des Schwa in Reduktionssilben bleibt jedoch bestehen, die findet man nirgends), sondern sie kennzeichnen auch den silbische Nukleus in Abgrenzung von konsonantischen Basis- sowie von Orthographemen. Selbst das wird neuerdings aufgenommen. Auf diesem Gebiet hat sich nun wirklich sehr viel getan….

  5. „Über Methoden lässt sich streiten, …“
    Trefflich, wie man sieht.
    „Dass Lehrer aber die Freiheit haben sollen, in der Abwägung zwischen Lernmotivation und orthografischer Korrektheit sich mal für ein Lob entscheiden zu dürfen, auch wenn ein paar Schreibfehler zu kritisieren wären, muss doch nicht ernsthaft in einem Parlament diskutiert werden, oder?“
    Offenbar doch. Aber vielleicht wäre es dabei für die PolitikerInnen sinnvoll, sich eine Grundschule von innen anzusehen und sich zeigen zu lassen, worum es eigentlich geht.

    Ich finde den Kommentar nicht so falsch, wie ihn hier manche darstellen. Es wird klar gesagt, dass es Änderungen geben kann und dass die Probleme vielschichtiger sind, als allein auf eine Methode zu sehen, die nicht „in Reinform“ genutzt wird.
    Vielleicht schafft man es ja in HH, die Grabenkämpfe auszusetzen und sich den wirklichen Problemen anzunehmen.

    Palim

    • Wie kommen Sie denn darauf, dass orthografische Korrektheit und Lernmotivation bzw. Lob sich ausschließen und deswegen die Rechtschreibung nicht so ernst genommen werden solle?
      Und glauben Sie etwa, dass rechtschreibbewusste Lehrer nur mit Argusaugen auf die Orthografie achten und bei Fehlern sofort mit Kritik zuschlagen, auch wenn das Kind einen ansprechenden Text geschrieben hat?
      Was soll diese völlige Verdrehung der Realität?
      Natürlich wird das Kind auch hier gelobt. Allerdings werden auch die Rechtschreibfehler behutsam klargemacht und verbessert, anstatt sie einfach zu übergehen und dem Kind den Eindruck zu vermitteln, falsche Wortbilder seien richtig oder spielten beim Schreiben grundsätzlich keine Rolle.
      So ein Blödsinn, dass Rechtschreibung der Feind von Lob und Lernfreude sei!! Diese Lüge muss wohl immer wieder herhalten für die Verteidigung dieser aberwitzigen Methode.

      • mehrnachdenken

        Eine wunderbare und treffsichere Antwort!!

        In der Grundschulpraxis haben Meinungen wie die von Palim dazu geführt, dass die Rechtschreibung zumindest in Niedersachsen ein ganz „kümmerliches Dasein fristet“.
        Es werden offiziell keine benoteten Diktate mehr geschrieben, und in der Konsequenz ist das Fach Rechtschreiben auch aus dem Zeugnis verschwunden.

        Ich bin mir nicht ganz sicher, aber an Bedeutung gewinnt die Rechtschreibung wieder bei der Aufsatzbewertung in der höheren Schule. Dafür wird dann ein Rechtschreibquotient ermittelt, der mit einem bestimmten Prozentsatz in die Gesamtnote einfließt. Möglicherweise gehört das aber schon der Vergangenheit an.

        Das gleiche „Schicksal“ ereilte die Handschrift. Irgendwann gab es dafür im Zeugnis keine Note mehr und was sich heutzutage so alles „Handschrift“ oder zumindest „Schrift“ nennen darf, kann ich nicht mehr ernst nehmen.
        In der Konsequenz ähnelt die Schrift oder was manche auch dafür halten mögen oft genug leider einem flüchtigen Gekritzel.
        Dabei hat das Schreiben von Buchstaben einen großen Einfluss auf Vorgänge, die wir unter derm Begriff Sensomotorik zusammenfassen.

        • In BaWü gibt es im Zeugnis der GS eine Note für Schrift und Gestaltung. Rechtschreiben zählt in der Deutschnote innerhalb der Teilbereiche doppelt.

  6. Das Argument zu Lob und Tadel war gar nicht meines, es war ein Zitat – erkenntlich an den Anführungszeichen.
    Auch habe ich nicht gesagt, dass das eine das andere ausschließt.
    Ebenso verdrehe ich die Tatsachen nicht, gebe diesen Vorwurf aber gerne zurück 🙂

    Wer sagt denn, dass bei LdS und Abwandlungen dieser Methode jedes Kind für jedes Wort gelobt wird?

    Sie diskutieren mit falschen Annahmen und falschen Tatsachen. So sind z.B. Diktate in Niedersachsen nicht generell abgeschafft, sie erhielten allerdings mit den neuen Curricula einen anderen Stellenwert, weil andere, der Rechtschreibung auch zuträgliche Leistungen ebenfalls mit zu bewerten sind.

    Das „früher war alles besser“-Lied lässt die Vielschichtigkeit der Probleme außer Acht. Und genau DAS habe ich kritisiert, weil ich das Verurteilen einer einzelnen Methode kurzsichtig finde – zumal es diese Methode eben nicht in Reinkultur gibt.

    Palim

    • Ursula Prasuhn

      Stellung beziehen kann man zu einer Methode nur, wenn sie „in Reinkultur“ betrachtet wird. Welche Grundlage gäbe es sonst für eine gemeinsame Betrachtung?
      Dass die Reichen-Methode fragwürdig ist, spricht sich allmählich herum. Deswegen wird m. E. so deutlich betont, dass die Lehrkräfte sie ja meist in veränderter Form anwenden.
      Was mich allerdings stutzig macht, ist das ungebrochene, immer gleiche Lob für diese Methode. Der magere Hinweis auf Veränderungen in der Schulpraxis, von denen nichts Näheres gesagt wird, trägt zu keinem besseren Verständnis bei und wirkt zweckgebunden, weil Unklarheiten jedes Urteil und jede Kritik verbieten.
      Es kann also munter weiter unterrichtet werden nach Herrn Reichens Methode, die angeblich nicht mehr „in Reinkultur“ stattfindet. Und Kritik verbietet sich von selbst, wenn Kritiker angeblich nicht mehr wissen, wovon sie reden.
      Vielleicht klärt sie mal jemand auf und gibt Genaueres preis über die Unreinkultur. Diese kleine Mühe sollte den Anhängern der Methode Reichen doch im eigenen Interesse nicht zuviel sein.

  7. Methoden, die sofort Bewusstheit für Normativität erzeugen wollen, weil sie erkannt haben, dass das von Ursula Prasuhn erläuterte Problem besteht und die Arbeit mit der Anlauttabelle deshalb aus sprachwissenschaftlicher Sicht fatal ist und den Schriftspracherwerb behindert, gehen gerade nicht so vor, dass sie gleich jeden Fehler tadeln – die SuS machen nur dort ‚Fehler‘, wo sie die Regel bereits erworben haben sollten. Im übrigen gibt es auch einen produktiven Umgang mit Fehlern, nicht nur einen destruktiven – nicht nur im RS-Unterricht.

  8. Vielleicht sollten auch mal betroffene Eltern gefragt werden, deren Kinder in Grundschulen in NRW nach der Methode „Schreiben wie man spricht“ die Rechtschreibung versuchen zu lernen. Aus meiner eigenen Erfahrung ist diese Methode zu unterrichten eine absolute Frechheit an die Kinder. Nach zwei Jahren „schreiben wie man spricht“, sage die selbe Grundschullehrerin meines Sohnes in der dritten Klasse…“mit der Rechtschreibung hat er aber noch große Schwierigkeiten“. Ich füllte mich am Eltersprechtag, als mir dies mitgeteil wurde, um es ehrlich zu sagen, ziemlich verarscht. Nachdem ich in meinem Bekanntenkreis, bei Nachbarn und jeder anderen Gelegenheit diese Lernmethode angesprochen habe, berichteten mir Eltern, dass ihre Kinder ebenfalls große Schwierigkeiten mit der Rechtschreibung haben, weil sie nach der selben Methode unterrichtet wurden. Geschwisterkinder, die auf der selben Schule andere Lehrer hatten, die nicht nach „Schreiben wie am spricht“ unterrichtet haben, hätten diese Schwierigkeiten nicht. Welches Fazit soll ich heute ziehen. Auch spreche ich diese Lernmethode regelmäßig bei den heutigen Lehrern meines Sohnes (8.Klasse Gymnasium) bei den Elternsprechtagen an. Alle Deutschlehrer bestätigen mir, dass die Methode völlig sinnfrei ist. Denn jeden normal denkenden Menschen sollte doch klar sein, dass einmal gelernte Fehler nur mit sehr hohen zusätzlichen Lernaufwand zu korrigieren sind. In den meisten Fällen gelingt dies aber nicht.

    • Danke, Michaela, Sie sprechen mir ebenso aus der Seele wie eine andere Kommentatorin, die hier ab und zu unter dem Namen „Mutter“ schreibt. Es tut wohl zu sehen, wie vernünftig etliche Eltern sind und wieviel sie doch durchschauen durch interessierte Beobachtung ihrer Kinder.
      Gäbe es doch noch mehr dieser Eltern, die durchschauen und nicht blind auf schöne Behauptungen reinfallen.

  9. Warum diese (wahnhafte) Fixierung auf „das Orthogravieh“? Den meisten Erwachsenen gelingt es ohne Rechtschreibhilfe nicht einen fehlerfreien Text bezüglich Syntax, Interpunktion und erst recht nicht in Hinblick auf die Orthographie zu verfassen.

    Die gering ausgeprägte Lesekompetenz bei diskontinuierlichen texten bei einem viel höhren Prozentsatz der Schüler – verglichen mit ihren Rechtschreibkenntnissen – ist viel garvierender. Er hat vor allem Auswirkungen auf alle Fächer. Von den mangelhaften Rechenleistungen der Schüler, die vor allem auf fehlende Strategien und Ablehnung von Formalismen, ohne die Mathematik und Naturwssenschaften nun einmal nicht funktionieren, wird von den „Experten“ – Elternschaft und Politikern – mit einem Augenzwinkern abgetan.

    Die Beseitigung fehlender Lesekompetenz ist der Schlüssel zu Bildungserfolgen. Bildungsgerechtigkeit hängt von der Vermittlung von Lesekompetenz in allen sozialen Schichten ab.

    • Es gibt untersuchungen, die einen Zusammenhang zwischen Schreib- und Leseleistung gefunden haben. Je schlechter ein Schüler schreibt, desto schlechter kann er auch Lesen.

    • dickebank: Jawohl! Lasst uns um die wichtigen, nicht um die ideologischen Fragen streiten.
      GriasDi: Nee, so einfach ist das nicht. Es sei denn, Sie kennen Studien, die ich nicht kenne. Dann bitte nennen! Danke!

  10. @GriasDi
    So ist es. Immer wieder versuche ich darauf hinzuweisen, wie wichtig korrekt gespeicherte Wortbilder im Gedächtnis für das automatische Erkennen beim Lesen sind, so dass Wörter nicht Buchstaben für Buchstaben zusammengezogen werden müssen, um sie zu verstehen.
    Dieses holprige und zeitraubende Erlesen führt auch dazu, dass der Überblick über längere Sätze und deren Aussage verloren geht. Der Leser ist so beschäftigt mit dem Entziffern der einzelnen Wörter, dass ihm deren Zusammenhang entgeht und er sie meist nochmals oder sogar mehrmals in der richtigen Reihenfolge lesen muss um den Sinn des Ganzen zu begreifen.
    Darum ist es so wichtig, dass Schüler im Erstlese- und Schreibunterricht von Anfang an mit normierten und nicht wechselnden Wortbildern arbeiten. Sie automatisch oder zumindest rasch zu erkennen auf Grund typischer Bausteine (Silben) ist das A und O für jeden guten Leser.
    Wenn jemand Schwächen in der Rechtschreibung hat, ist das ein Zeichen dafür, dass er die Wortbilder nicht im Kopf hat und sie ihm darum auch beim flüssigen Lesen fehlen. Die Methode „Lesen durch Schreiben“ vernachlässigt einfachste Grundregeln zugunsten eines behaupteten Gewinns an Lernfreude und Kreativität. Ich vermisse nur noch die These, „Lesen durch Schreiben“ mache auch intelligent.

  11. Meine Kollegin der 3. Klasse hat mir heute sehr frustriert die Ergebnisse einer Schreibleistung einiger Schüler gezeigt. Die haben seltsamerweise alle nach einer anderen Methode als der von Reichen lesen und schreiben gelernt. Ich möchte damit nur wieder einmal zum Ausdruck bringen, dass die schlechten Rechtschreibleistungen nicht nur auf die Methode zurückzuführen sind. Manchmal habe ich den Eindruck, dass es den Kindern auch egal ist, wie sie schreiben, dass sie sich einfach weniger Mühe geben und vor allem auch weniger lesen. Eventuell fehlt da auch die Vorbildfunktion der heutigen Eltern, die vermutlich mehr Zeit an PC und Handy verbringen, als mit einem Buch in der Hand.

  12. Es geht doch hier um ein grundsätzliches Phänomen der Schullandschaft: Grundschullehrkräfte werden an Pädagogischen hochschulen ausgebildet, Gymnasiallehrkräfte auf der anderen Seite laufen im normalen Uni-Betrieb mit. An Gymnasien gibt es selten völlig neue pädagogische Ansätze, weil sich die Uni-Profs um ihre Wissenschaft kümmern (d.h. dort veröffentlichen) und nicht um die Pädagogik.
    Die Ausbilder von Grundschullehrern haben nicht die „richtige“ Wissenschaft, sie müssen in der Pädagogik veröffentlichen, komme was da wolle. Und da ist keine Idee dumm genug, um sie nicht zu Papier zu bringen. Und deshalb wird in regelmäßien Abständen eine pädagogische Sau nach der nächsten durchs Dorf getrieben, ein ganz großer Menschenversuch ohne echtes wissenschaftliches Fundament.
    Mal musste die Mathematik nur durch Mengenlehre vermittelt werden (was für ein Unsinn!), mal darf man schreiben wie man es eben gerade hört und wir brauchen bestimmt nicht lange warten, bis die nächste bekloppte Idee ausprobiert wird.

    • fama errat – es gibt nur ganz wenige Bundesländer wie BaWü, die ihre Lehrämtler für Primar- und Sekundarstufe noch an PHs studieren lassen. Im überwiegenden Teil der Bundesländer ist das Studium für Lehramt Primarstufe ein universitärer Studiengang respektive Hochschulstudiengang.

    • Richtig!! Das machen Sie aber Frau Braun mal klar, die schreibt: „Der Verdacht besteht, dass bei manchen der Kritiker pure Ideologie im Spiel ist – und die Denke so läuft: Schreiben wie hören = Schüler dürfen alles machen = Kuschelpädagogik = antiautoritäre Erziehung = 1968 = sofort verbieten.“
      Wenn das mal nicht eigene ideologische Fantasie ist!
      Bei der „nächsten bekloppten Idee“ könnte den Kritikern dasselbe Denkmuster vorgeworfen werden: „Die Denke läuft so: xxx – Methode = Schüler dürfen alles machen = Kuschelpädagogik = antiautoritäre Erziehung = 1968 = sofort verbieten.“
      Das ist die perfekte Allround-Waffe gegen Kritiker. Auf deren sachliche Einwände wird nicht mehr eingegangen, sondern nur noch mit der Unterstellung eines zwanghaften Denkablaufs geantwortet.
      So werden Meinungsgegner als wenig ernst zu nehmende Menschen dargestellt, die nicht anders können als im gedanklichen Hamsterrad die immer gleichen Schritte zu tun.

      • „Bekloppte Idee“? Wer entscheidet denn, ob eine Lehrmethode „bekloppt“ ist – oder nicht? Im Zweifel doch wohl die unterrichtenden Lehrer, zumindest solange keine eindeutigen wissenschaftlichen Erkenntnisse vorliegen. Hier wird mir ein bisschen vorschnell die Arbeit von Tausenden von Grundschullehrkräften diskreditiert und als „bekloppt“ abgetan. Dass die Diskussion von den Orthografie-Fans (oder heißt es Orthographie?) so verbissen geführt wird, deutet schon darauf hin, dass es hier um mehr geht als um ein sachliches Für und Wider zu einer Lehrmethode. MIr erscheint es als überaus populistisch, durchaus ernstzunehmende Probleme beim Schriftsprachenerwerb monokausal erklären zu wollen.

    • @ Küstenfuchs: Das stimmt doch überhaupt nicht. In Bayern werden Grundschullehrkräfte seit über 30 Jahren an Universitäten ausgebildet. Ich habe als Grundschullehrerin ein volles Germanistikstudium hinter mir. Dazu 3 Didaktikfächer: Religion, Biologie, Kunst. Viele Veranstaltungen waren gemeinsam mit Magisterstudenten bzw. Gymnasiallehrern. BaWÜ ist inzwischen das einzige Bundesland, in dem die Grundschullehrerausbildung noch an PHs stattfindet. Sonst an Universitäten. Und ich habe schon vor 30 Jahren an einer Uni studiert!!! Und viele andere auch!!! Vielleicht liegt nicht immer alles an den Lehrern.

      • Ich kann für Köln sprechen: Die Gymnasiallehrer werden an der Mathematisch-naturwissenschaftlichen oder philosophischen Fakultät zusammen mit den Hauptfächlern ausgebildet, die GHR-Lehrkräfte an einer eigenen Fakultät in der (ehemaligen) pädagogischen Hochschule. Die fachlichen Unterschiede sind enorm, z.B. haben die Grundschullehrer ihre Schwierigkeiten mit dem Lehrstoff des zweiten Semesters (reguläres) Mathematikstudium. Umgekehrt ist die didaktische Ausbildung der Gymnasiallehrer eher rudimentär, ebenso hat die pädagogische Ausbildung mit den Hauptfächlern mit der Lehrerpraxis eher wenig gemeinsam. Bitte werten Sie das als Tatsachen ohne eine Diskussion über den Sinn oder Unsinn anzufangen, ob eine Grundschullehrerin Determinanten berechnen können muss oder nicht (Gegenstand der von mir genannten Veranstaltung).

        • Als Grundschullehrer/in stört es einen, dass die Kollegen der weiterführenden Schulen oft nicht ernst nehmen. Was gibt es da ein Gestöhne in den Gemeinschaftsschulen, wie man es schaffen soll/kann jedem gerecht zu werden, wo doch alle Kinder unterschiedlich intelligent sind. Wir machen das immer. Und die Kinder sind auch bei Schulbeginn sehr verschieden in ihren Fähigkeiten und in ihrer Sozialisation. Wir stoßen oft erst auf die Defizite wie ADHS, ADS, Legasthenie, Rechenschwäche, sogar Asperger Autismus. Oft müssen wir Eltern zu Kinderzentren oder Beratungsstellen schicken, um herauszufinden, was ihrem Kind fehlt, wenn es sich so sonderbar verhält. Bis die Kinder in die weiterführenden Schulen kommen ist schon ganz viel Vorarbeit gelaufen, die niemand sieht. Es wird nur kritisiert. Durch strenge autoritäre Unterrichtsweise vergangener Jahre wurde viel unter den Teppich gekehrt. Den Kindern mit Defiziten wurde wenig geholfen. Sie galten einfach als dumm.

          Und hatten wenig Chancen.

          • „Unter den Teppich kehren“ ist ein Vorgehen, das zu „Vertuschen“ oder „Entschuldigen“ passt, aber nicht zu „strenge autoritäre Unterrichtsweise“. Strenge macht aus Mücken Elefanten und nicht umgekehrt.
            Ansonsten stimme ich Ihnen zu, wenngleich mir das schwer fällt angesichts der Fehldiagnose „durch Strenge“.
            Die „vergangenen Jahre“ sind geprägt von der Forderung nach Verstehen, Tolerieren und Alles-Normal-Finden, also von Milde und nicht Strenge.
            Strenge Unterrichtsweisen gelten schon seit Jahrzehnten als anrüchig und sind deswegen in den letzten Jahren eher die Ausnahme als die Regel. Welcher Lehrer liebt es schon anrüchig zu sein?

  13. Ich bin gespannt, wann Schüler ihre eigenen Buchstaben erfinden dürfen. Die Texte sehen dann noch viel kreativer aus.

    • Das ist doch alles dummes Zeug. Die Kinder sind anders. Die können auch nicht mehr schneiden, kleben, Schuhe binden. Es wird ihnen zu viel abgenommen.

      • Mag sein. Es handelt sich aber auch um eine Schülerschaft mit einem völlig anderen Sprachhintergrund als der vor 40,50 Jahren – heute stammt ein Großteil der Schüler aus einer Migrantenfamilie, in der zu Hause nicht Deutsch gesprochen wird. Das hat natürlich auch Auswirkungen.

  14. @Mississippi
    Ich sehe genauso wie Sie mehrere Gründe für die dramatisch absinkenden Leistungen im Lesen und Schreiben.
    Dieses Egal-Sein, wie man schreibt, ist leider ein notwendiger und darum bewusster Baustein der Reichen-Methode, doch es gibt bestimmt weitere Ursachen, die das Beherrschen dieser Kulturtechniken erschweren. Einige davon haben Sie meiner Meinung nach ganz richtig benannt.
    Fernseh- statt Lesekonsum spielt m. E. noch eine wichtige Rolle. Früher mussten Kinder lesen, um im Geist spannende Geschichten zu erleben, heute genügt die Glotze.
    Von den verschiedenen Ursachen für gravierende Leistungsschwächen ist jedoch eine schlechte Lernmethode am einfachsten aus der Welt zu schaffen.
    Die anderen Übeltäter – Handy, PC, TV oder falsche elterliche Vorbildfunktion – entziehen sich den direkten Handlungsmöglichkeiten der Schule. Da können höchstens Elternabende zur Aufklärung und Warnung beitragen.

  15. Zu Schreiben-wie-Hören habe ich keine Meinung. Da gibt es sicherlich Kinder, denen es hilft und andere, denen man damit schadet genau wie bei jeder anderen Methode auch.
    Ich hätte lieber mal eine wissenschaftliche Analyse dessen, was die Rechtschreibreform angerichtet hat. Ich habe mein Abitur gemacht als gerade darüber diskutiert wurde, dass man es uns Schülern leichter machen müsste. Ich durfte im Abitur dann schreiben, wie ich wollte, weil ohnehin keiner wusste, was gerade aktuell war und ob man überhaupt noch Regeln haben wird. Heute sind meine Kinder in der Schule und kommen mit tollen Rechtschreibregeln nach Hause, die ich immer brav google, weil ich keinen blassen Schimmer habe. Fazit: Die heutigen Eltern können ihren Kindern bei Fragen zur Rechtschreibung kaum helfen, weil sie es selbst anders gelernt haben. Und viele Bücher, die man noch im Regal stehen hat, sind noch in alter Rechtschreibung geschrieben. Aber deshalb wirft man doch den Jubiläumsband mit gesammelten Astrid-Lindgren-Büchern nicht weg und kauft ihn neu! Meine Kinder können aber nun viele Bücher nicht selbst lesen, weil ich Sorge habe, dass sie sich dort die falsche Rechtschreibung abschauen. Richtet das keinen Schaden an? Zumal: Wenn die Kinder allzu gruselig schreiben, machen wir einfach noch eine Reform: Jeder schreibe wie er will, alle Regeln sind aufgehoben.

    • Soll das heißen, Sie hindern Ihre Kinder am Lesen alter Bücher aus Angst vor „falscher“ Rechtschreibung ??

      • Naja, meine Kinder sind aktuell in der Grundschule. Da lese ich ohnehin noch viel vor. Wir lesen aktuell viel Astrid Lindgren bzw. die Große bekommt Harry Potter vorgelesen, das können sie nicht selbst verstehen aufgrund vieler sehr alter Begriffe, die sie erklärt bekommen müssen. Sie haben auch genügend neuere Bücher zur Verfügung. Ich achte aber darauf, wenn ich Bücher kaufe (ich kaufe nur gebraucht), dass es die neue Rechtschreibung ist und meine alten Bücher habe ich in den Keller gestellt. Wie das mit meinen alten Jugendbüchern sein wird, kann ich jetzt noch nicht sagen. Ob ich sie dann selbst lesen lasse? Bei der Großen wäre es mir auch egal. Was die so schreibt, kann kein Mensch lesen, da kann sie auch Bücher auf altgriechisch lesen, das wird nicht besser.

        • Also, ich lasse meine Kinder immer alle Bücher lesen, auch in alter Rechtschreibung. Ich habe keine Angst davor, dass sie sich ein falsches Wortbild merken und wenn, es gibt Schlimmeres. In der Schule werden auch Diktate geschrieben. Was, wenn sie sich ein Wortbild, das sie selbst falsch geschrieben haben, merken?

          Ich finde auch, jemand, dem man Harry Potter vorliest, ist alt genug, es selbst zu lesen. Wie schön ist es doch, da selber einzutauchen. Sorry, das ist meine Meinung.

          • Sie ist sprachlich noch nicht so weit, es selbst zu lesen. Vorallem die englische Schreibweise kann sie sich nicht erlesen und viele Wörter kennt sie einfach nicht, nicht nur die Fantasiebegriffe, sondern auch alltägliche Begriffe fehlen ihr noch. Das ist nur frustrierend. Aber da ist sie vielleicht anderen Drittklässlern hinterher.
            Wir hatten allerdings mit Harry Potter vorlesen angefangen, da ihr das Lesen immer schwerer fiel und sie sich weigerte, selbst zu lesen. Der Plan war: Wir lesen ein wenig vor, es wird richtig spannend, und sie liest endlich wieder selbst. Das hat auch funktioniert. Gerade gab sie vor zu schlafen, hatte aber unter der Decke ihre Taschenlampe versteckt, um heimlich ein Buch von Cornelia Funke zu weiterzulesen (irgendwas mit Hexen)
            Aber beim Schriftbild finde ich schon, dass mehr Eindrücke da nicht unbedingt hilfreich sind. Vielleicht ist dabei der Lerntyp wichtig? Visuelle Lerner lassen sich vielleicht leichter verwirren, als auditive Lerner? Aber da ich da nicht im Thema bin, sind das alles weitere Theorien.

    • Einige Links zur Rechtschreib“reform“:

      http://stolzverlag.de/de_blog_kategorie_11.html

      • Den Link habe ich extra für „Dina“ herausgesucht.

        • Hallo mehrnachdenken, danke habe ihn auch angesehen. Wobei da ja nun auch steht, dass die Rechtschreibreform quatsch war. 🙂 Ganz meine Meinung.

          • Meine Meinung auch! Es gibt nur wenige Änderungen, die ich gut finde wie z. B. „heute Abend“ statt „heute abend“.
            Insgesamt gesehen ist die Rechtschreibreform für mich ein dicker Reinfall. Es wurde mehr Unsicherheit als Sicherheit geschaffen, mehr Beliebigkeit statt Verlässlichkeit.
            Jedenfalls ist der schriftliche Spracherwerb für Schüler nicht leichter geworden wie versprochen.

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