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Unheimlich! Berichte über „Kinderfänger“ häufen sich – und verunsichern Eltern zutiefst

BERLIN. Warum lassen sogenannte „Helikopter-Eltern“ ihre Kinder kaum aus den Augen? Eine banale Antwort: Weil sich derzeit Berichte über Unbekannte, die Kinder anlocken, häufen. Solche Gerüchte über „Kinderfänger“ machen heutzutage über Facebook, WhatsApp und andere soziale Medien rasend schnell die Runde und verunsichern Väter und Mütter massiv. Entwarnungen der Polizei helfen da meist wenig.

Berichte über Unbekannte, die Kinder ansprechen, häufen sich derzeit. Foto: Martin Fisch / flickr (CC BY-SA 2.0)

Berichte über Unbekannte, die Kinder ansprechen, häufen sich derzeit. Foto: Martin Fisch / flickr (CC BY-SA 2.0)

In der vergangenen Woche hat der News4teachers-Beitrag „Eltern müssen draußen bleiben: Immer mehr Schulen wehren sich gegen klammernde Väter und Mütter“ gehörig Wellen geschlagen. Berichtet wird darin von immer mehr Grundschulen, die Eltern mit dem an der Eingangspforte angebrachten Hinweis „Ab hier können wir alleine gehen!“ abschrecken – allzu häufig, so heißt es, würden klammernde Väter und Mütter ihre Kinder ansonsten bis in den Klassenraum begleiten. Die Lehrer raten, die Schüler sollten doch möglichst selbstständig den Schulweg gehen. Selbstständigkeit sei schließlich auch für die kindliche Entwicklung wichtig.

Was treibt aber solche „Helikopter-Eltern“, ihre Söhne und Töchter kaum aus den Augen lassen zu wollen? Meist ist die Antwort erstaunlich simpel: Angst. Und zwar keine diffuse Furcht vor abstrakten Bedrohungen. Sondern konkrete Polizeiermittlungen über Unbekannte, die Kinder ansprechen, um sie in ihr Auto zu locken. Eine Recherche von News4teachers belegt eine unheimliche Häufung solcher Berichte in den vergangenen Monaten.

  • Aus dem schleswig-holsteinischen Pinneberg werden aktuell zwei Fälle gemeldet: Am 11. September habe ein achtjähriger Junge aufgeregt seinen Eltern geschildert, dass ein Mann versucht habe, ihn mit dem Versprechen in seinen Transporter zu locken „ganz viele tolle Tiere“ zeigen zu wollen, so berichtet shz.de. Am 17. September soll es erneut zu einem Vorfall gekommen sein. Ein Zwölfjähriger sei angeblich von einem Unbekannten angesprochen worden, er solle mit ihm nach Hause kommen und könne sich etwas Geld verdienen, indem „er beim Tapezieren“ helfe.
  • Aus dem nordrhein-westfälischen Meerbuch berichtet die Polizei, eine Siebenjährige sei von einem unbekannten Mann am Arm ergriffen worden. Er und eine ebenfalls unbekannte Frau hätten das Kind in Richtung einer Bushaltestelle geführt. Erst als eine Zeugin einschritt und die Erwachsenen zur Rede stellte, ließen sie von dem Kind ab, das dann wieder an die Eltern übergeben wurde.
  • Aus dem baden-württembergischen Malterdingen berichtet die „Badische Zeitung“ von einem „mysteriösen“ Vorfall: Ein Mann und eine Frau hätten nahe der Schule Kinder angesprochen und angeboten, sie im Auto mitzunehmen – sie seien dann weitergefahren, ohne eine Antwort abzuwarten. Der Grund sei unklar. Ein Zeuge konnte den Wagen beschreiben, und die Polizei konnte tatsächlich das Paar ermitteln. „Nach aktuellem Stand gibt es keine Anhaltspunkte für ein strafbares Verhalten oder einen strafbaren Hintergrund“, heißt es bei der Polizei. Gleichwohl habe es eine Gefährderansprache gegeben. Den Verdächtigen wurde also klar gemacht, dass die Polizei ein Auge auf sie und die Situation wirft.
  • Aus dem bayerischen Städtchen Pöttmes berichtet die „Augsburger Allgemeine“, ein unbekannter Mann habe offenbar mehrfach versucht, Kinder in sein Auto zu locken. Drei Kinder seien bekannt, die nach eigenen Angaben aus einem Auto heraus angesprochen und dazu aufgefordert wurden, mitzufahren. Die Mädchen und Buben im Alter von acht, elf und zwölf Jahren hätten jedoch in allen Fällen richtig reagiert und seien, ohne sich um den Mann zu kümmern, davongelaufen.
  • Aus Berlin berichtet der „Berliner Kurier“: „Sorge und Angst an einer Schule in Hohenschönhausen. Ein unbekannter Mann soll Mädchen mit Süßigkeiten in sein Auto gelockt haben, um ihnen Katzenbabys zu zeigen. Die Schulleitung reagierte prompt mit einem Rundbrief an die Eltern.“

Auch wenn tatsächliche Entführungen oder gar Schlimmeres sehr selten sind: Solche Berichte verunsichern Eltern massiv. Eine (mittlerweile gelöschte) Facebook-Meldung auf der Seite „News aus Schleswig-Holstein“, in der es heißt „Unheimliche Kinderfänger gehen im Norden um“, wurde von fast 10.000 Menschen geteilt.

Welche Dynamik entstehen kann, lässt auch eine Pressemitteilung erkennen, die die für Meerbusch zuständige Polizei des Kreises Neuss aktuell herausgegeben hat. Denn unmittelbar nach Bekanntwerden des vermeintlichen Entführungsfalles dort – dessen Hintergründe noch unklar sind –, hätten sich Berichte über ähnliche Fälle in der Region gehäuft. Bis hin zu einem weiteren Mädchen aus Meerbusch, das an einer Bushaltestelle stand und einen „böse grinsenden Mann“ auf sich zukommen sah. Schreiend lief das Kind nach Hause und brach dort zusammen.

Anlass für die Polizei, einen Appell abzusetzen: „Die Polizei kann die Sorgen der Eltern sehr gut nachvollziehen und geht jedem Hinweis mit großer Sorgfalt nach. Aus langjährigen Erfahrungen wissen die Ordnungshüter aber auch, dass glücklicherweise in den allermeisten Fällen dem geäußerten Verdacht ein harmloser Sachverhalt zu Grunde liegt“, so heißt es darin. „In allen der Polizei bisher bekannten Fällen gibt es keine konkreten Hinweise auf ein strafrechtliches Verhalten oder auf eine konkrete Gefährdung für Kinder.“

Nach den bisherigen Ermittlungen komme die Polizei zu folgender Einschätzung: „Aufgrund der Vielzahl der mitgeteilten Vorfällen über das verdächtige Ansprechen von Kindern, mit vielfacher Nutzung von Facebook und Co, gibt es sowohl unter den Eltern als auch an den Schulen und Kindergärten eine Unruhe, die sich täglich potenziert und auf angrenzende Gebiete überschwappt. Etliche Eltern sind deshalb in größter Sorge. Hierzu besteht kein Anlass!!!!!“ (Fünf Ausrufezeichen im Original.) Aufklären konnte die Polizei übrigens den „Fall“ des „böse grinsenden Mannes“: Es handelte sich um einen Zeitungsboten, der Pakete mit seinen Zeitungen in der Bushaltestelle abgelegt hatte. News4teachers

Zum Bericht: Eltern müssen draußen bleiben: Immer mehr Schulen wehren sich gegen klammernde Väter und Mütter

Ein Kommentar

  1. im Helikopter-Artikel ging es auch um Eltern, die das Schulgelände betreten. Das kann man trotz der Vorfälle noch immer untersagen. Außerdem haben die Eltern bei den Vorfällen ihre Kinder richtig erzogen, indem die Kinder nicht darauf eingegangen sind.

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