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Enthüllungsjournalist Wallraff wuchs in einem Waisenhaus auf – „seitdem habe ich Verlustängste“

KÖLN.  Enthüllungsjournalist Günter Wallraff (73) erklärt seine Lust an Undercover-Recherchen in Verkleidung mit einem Trauma aus Kindertagen. «Ich hatte schon sehr früh Verlustängste», sagte er in einem Interview dem «Süddeutsche Zeitung Magazin» (Freitag).

Mit fünf Jahren sei er in ein Waisenhaus gekommen, weil der Vater krank und die Mutter an ihren Beruf gefesselt war. «Wir Kinder bekamen unsere eigenen Klamotten abgenommen, alles wurde zusammen gewaschen, und jeder bekam das zurück, was gerade rumlag», berichtete Wallraff. So verliere man seine Identität. «Diese frühe Traumatisierung war vielleicht Auslöser und Chance für meine spätere Arbeit.»

Investigativjournalist Günter Wallraff in seiner Heimat, der Kölner Südstadt.(Christoph Hardt/Wikimedia CC BY-SA 4.0)

Investigativjournalist Günter Wallraff in seiner Heimat, der Kölner Südstadt.(Christoph Hardt/Wikimedia CC BY-SA 4.0)

Der Kölner Journalist hat mehrere Enthüllungs-Bestseller geschrieben, für die er unterschiedliche Identitäten annahm. Für «Ganz unten» (1985) schlüpfte er etwa in die Rolle des türkischen Leiharbeiters Ali. Schon als Kind habe er sich gerne als Indianer verkleidet, sagte Wallraff in dem Interview – zu einer Zeit, als die Cowboys als die Helden galten. Heute beschäftige ihn die Bedrohung durch die Terrormiliz Islamischer Staat (IS). Nachdem der IS den US-Entwicklungshelfer Peter Kassig entführt habe, habe er sich der US-Botschaft als Austausch-Geisel angeboten, berichtete Wallraff in dem Interview – das sei aber abgelehnt worden. dpa

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