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Erziehungsberater: Nachhilfe ist in der Grundschule normalerweise nicht nötig

FÜRTH. Manche Kinder quälen sich schon in der Grundschule mit den Hausaufgaben. Haben Eltern den Eindruck, dass es Probleme gibt, sollten sie erstmal mit dem Klassenlehrer sprechen.

Darauf weist Ulric Ritzer-Sachs von der Onlineberatung der Bundeskonferenz für Erziehungsberatung (bke) hin. Stimmt die Wahrnehmung des Lehrers mit jener der Eltern überein, fragen Mütter und Väter am besten, wie sie dem Kind helfen können. «Nachhilfe ist in der Grundschule eigentlich nicht nötig», sagt Ritzer-Sachs. Sinnvoll ist beispielsweise Förderunterricht, der von den meisten Schulen angeboten wird. Auch die Eltern können mit dem Kind lernen – allerdings nur, wenn das nicht für Streit sorgt.

Besonders in den ersten beiden Klassen müssen Mütter und Väter aber auch Vertrauen haben, dass sich alles noch einpendeln wird. «Kinder lernen unterschiedlich schnell und haben in dem Alter noch sehr unterschiedliche Entwicklungsstände», sagt Ritzer-Sachs. Außerdem können schulische Probleme auch eine gesundheitliche Ursache haben, die bis dahin noch nicht bekannt war. So kann es sein, dass das Kind schlecht hört oder sieht – im Zweifel sollten Eltern das untersuchen lassen. (dpa)

zum Bericht: Büffeln für bessere Noten – Nachhilfe ist Milliarden-Geschäft – GEW empfiehlt schulischen Förderunterricht

15 Kommentare

  1. Da lache ich mich „schlapp“. Erst werden viele Schulkinder mit teilweise völlig abwegigen Methoden (sh. „Schreiben nach Gehör“) regelrecht daran gehindert, z.B. von Anfang korrekt Schreiben zu lernen und dann wird sich darüber gewundert, dass Schulkinder häusliche Unterstützung oder gar Nachhilfe benötigen, um diesen Blödsinn so gut es eben geht zu korrigieren. Leider klappt das aber nicht bei allen Kindern. Vor allem: Wie viel wertvolle Schulzeit wird durch diese Absurditäten verplempert??
    Was soll Schule? Lernen ermöglichen oder verhindern? So ganz sicher bin ich mir mittlerweile nicht.

    • Mehr als fragwürdig scheint mir auch der organisierte Unterricht in den ersten Klassen zu sein, in dem die Kinder möglichst „selbstständig“ lernen sollen. Gerade in den ersten Klasse halte ich diese Vorgehensweise für recht fragwürdig. Was bedeutet eigentlich „selbstständig lernen“?
      Der Stolzverlag gibt eine Antwort, die zumindest nachdenklich machen sollte:

      Selbständig lernen
      Kategorie: Besser lernen

      Missbrauch des Begriffes „selbständig“

      „Wer sich einmal der Mühe unterzöge, die Fachliteratur zur Pädagogik zu durchforsten, wie oft der Begriff „selbständig“ bzw. damit zusammengesetzte Begriffe aufscheinen, wird auf eine stattliche Anzahl kommen. Dabei handelt es sich jedoch um einen massenhaften Missbrauch des Begriffes.

      Selbständig lernen ist kein Lernziel und keine Unterrichtsmethode, sondern das Randergebnis guten Unterrichts. Selbständigkeit ist eine Verhaltensweise des Schülers, der gelernt hat, selbständig zu üben. Üben kann der Schüler nur das, was ihm zuvor gezeigt worden ist, was der Lehrer vorgemacht hat, was schon ansatzweise beherrscht wird. Damit ist selbständig zu lernen diszipliniertes Nachahmen. Ein Handeln ohne Hilfe, welches sich der Lernende selbst auferlegt und so lange durchhält, bis eine Arbeit fertiggestellt ist. (Die Rede ist hier nicht vom forschenden und suchenden Lernen, das den Schülern höherer Lehranstalten oder Universitäten vorenthalten ist, sondern vom Lernen in den ersten Schuljahren.)

      So verstanden ist Selbständigkeit eine Charaktereigenschaft, wie die Mündigkeit. Mündig ist ein Mensch, der sich gestellten wie selbstgesetzten Aufgaben unterwirft und diese auch ohne Anleitung und Befehl von außen durchführt. Bevor dies möglich ist, muss ein Fundament an Wissen und Können vorhanden sein, denn sich selbständig etwas völlig Neues beizubringen, erfordert von einem Menschen hohen Zeitaufwand und setzt starken Willen voraus. Nicht alle Menschen besitzen diese Eigenschaften.

      Im pädagogischen Neusprech wird Selbständigkeit als etwas völlig anderes definiert. Mit echtem selbständigem Lernen hat der progressive Unterricht nichts gemein. Praktiziert wird das Gegenteilige: die Schulkinder werden angewiesen, sich nicht nur das Lernen „selbständig“ beizubringen, sondern auch die Wissensinhalte „selbständig“ zu erarbeiten. Das ist, als ob man einen Blinden dazu aufforderte, in einem großen, leeren Zimmer ohne Hilfestellung einen nicht näher definierten Gegenstand zu finden. Derart praktiziert, ist „selbständiges Lernen“ nichts anderes als unterlassene Hilfeleistung durch den Pädagogen, der nur noch beobachtet, aber kaum noch unterrichtet. Es ist der unerklärliche Rückzug des Erwachsenen aus der Führungsrolle. Diese aber hat ihm die Natur zugedacht, weil er der Ältere ist und damit einen Vorsprung an Erfahrung und Wissen besitzt. Zur Aufrechterhaltung unseres Kulturniveaus ist es notwendig, die Grundlagen derselben ohne Umwege an die Kinder zu vermitteln. Dies nicht zu tun, stellt eine ungeheure Zeitverschwendung dar. Welch eine Burleske, Schulkinder die Schrift oder das Einmaleins „selbständig entdecken“ lassen zu wollen! Müssten Architekten in ihrer Ausbildung die Gesetze der Statik oder die Grundzüge von Bauzeichnungen „selbständig entdecken“, so fiele die Ingenieurkunst innerhalb von wenigen Jahrzehnten auf das Niveau der Steinzeit zurück.
      Selbständig lernen heißt selbständig und ohne Hilfe das einzuüben, was vorher gezeigt wurde. Das gilt für Stillarbeitsphasen im Unterricht wie für Hausaufgaben gleichermaßen. Auf beides sollte nicht verzichtet werden, denn nur dabei handelt es sich um echte Selbständigkeit beim Lernprozess.“
      Karin Pfeiffer

      • Zum Lernen in der Grundschule:
        Du solltest mal hospitieren gehen und dir dann ein eigenes Urteil bilden!

        Zur Problematik der Nachhilfe:
        Im Normalfall halte ich Nachhilfe nicht für sinnvoll. Anders sieht es aus, wenn Schüler beim Lernen und auch den Hausaufgaben – so leicht sie auch sein mögen – Hilfe benötigen (sich strukturieren, lesen üben, Kopfrechnen üben), diese aber von den Eltern nicht bekommen können.

        Für diese Kinder wäre keine Nachhilfe, sondern eine täglich Hausaufgabenhilfe, die nicht allein in einer Aufsicht besteht, wirklich sinnvoll.
        Würde man sie in Klasse 1-3 begleiten, könnten etliche damit in ihren Leistungen so weit gestärkt werden, dass sie gar keine Nachhilfe benötigen und mit gutem Fundament in die weiterführende Schule wechseln.

        Dann wären sie auch „selbstständig“ und könnten allein die Aufgaben bewältigen. Die meisten Kinder im Grundschulalter sind es nämlich nicht:

        Viele haben Eltern, die ihnen dabei helfen, und es ihnen beibringen. Diese Kinder sind dann im Unterricht auch konzentriert, fleißig, strukturiert und zielstrebig.
        Etliche haben Eltern, die ihnen nicht helfen (können oder wollen). Den Kindern fehlt Struktur, sie können nicht mit ihrer Arbeit beginnen, sich nicht orientieren, die Arbeit nicht einteilen…
        Manche Kinder haben Eltern, die ihnen so viel helfen, dass sie nicht selbstständig werden können.

        • Nachtrag:
          „Sinnvoll ist beispielsweise Förderunterricht, der von den meisten Schulen angeboten wird.“

          Das mag in eingen Bundesländern so sein, in Niedersachsen wurden schon vor vielen Jahren die Stunden für den Förderunterricht gestrichen.
          Die Erlasse sehen zwar das Einrichten von Förderkursen vor, dafür sind aber keine Stunden vorhanden, sodass sie nur in Ausnahmefällen gebildet werden können (Ausnahme: DaZ und Sprachförderung im KiGa)
          Die Kinder sind immer alle im Unterricht und müssen intern gefördert werden.

        • Ich schlage vor, Sie setzen sich argumentativ mit der zentralen These von K. Pfeiffer zum „selbstständigen Lernen“ auseinander.

        • Liebe palim,

          ich gebe ihnen vollkommen recht. Den Grundschuleltern, vor allem in Klasse 1 und 2 empfehle ich auch immer, die Kinder zu begleiten, und zwar reichen da die Hausaufgaben oder mal für einen Sachunterrichtstest zu lernen und abfragen. Leider interessieren sich manche Eltern nicht dafür und beschäftigen sich lieber mit sich selbst. Mein Sohn hatte im Kindergartenalter von allen Seiten „schlechte Prognosen.“ Durch Unterstützung einer Ergotherapeutin und meine Begleitung durch die Grundschulzeit, als Grundschullehrerin habe ich natürlich einen großen Vorteil, hat er aber gelernt, strukturiert und konsequent zu arbeiten. Das hat mich aber auch viel Geduld und Nerven gekostet.

          Er geht heute ins Gymnasium und seitdem lernt er alleine. Jetzt ist er in der 8. Klasse.

          Hätten wir uns nicht täglich um ihn gekümmert, wäre es sicher anders gekommen.

          • Leider deckt sich die Arbeitszeit der Eltern nicht in jedem Beruf mit der Schulzeit der Kinder. Wer also kein LehrerIn ist UND am Ende noch mehr als 1 Kind hat UND dennoch Berufstätig ist, tja der hat das Schicksal seiner Kinder bereits besiegelt.
            Wenn der Staat und die Wirtschaft hohe Anforderungen an Eltern stellen, müssen aber auch entsprechende Rahmenbedingungen her. Dass Grundschullehrer das alleine und aus reiner nächsten Liebe nicht hinbekommen ist mir auch klar.

          • … ist dann aber Sache der Betriebe und nicht der Gesellschaft respektive der Schulen. Dann müssen die Betriebe eben Kinderhorte einrichten, in denen die Kinder der Beschäftigten außerhalb der Schulzeit betreutwerden solange die Eltern arbeiten.

            Müssen Eltern geschäftlich auf eine Dienstfahrt, muss der AG eben Familienhelfer zur Verfügung stellen, die den Haushalt ihrer AN am laufen halten.

      • Sehr guter, überzeugender Artikel! Danke!

  2. Ich stimme dem Artikel eigentlich uneingeschränkt zu. Allerdings erlebe ich gerade bei meinen eigenen Kindern, dass in Hausaufgaben auch viele neue Themen nach Hause entlastet werden, weil offenbar die Zeit in der Schule dafür nicht reicht. So mussten bereits Aufgaben des großen 1×1 gelöst werden, obwohl die Kinder nicht einmal das kleine 1×1 vollständig besprochen hatte. In den Herbstferien hatten sie genügend Aufgaben auf, um die Ferien durchzuarbeiten. Schriftliche und halbschriftliche Multiplikation war noch nicht besprochen worden und mein Kind verzweifelte regelrecht an den großen Zahlen, bzw. löste die Aufgaben völlig falsch. Nun konnte ich ihr helfen (indem ich ihr die halbschriftliche Multiplikation erklärte). Ich kann nachvollziehen, dass Eltern hier zu Nachhilfe greifen.

    Es hängt vielleicht auch ein wenig vom Lehrer ab, ob Nachhilfe nötig wird. Wobei ich die Lehrerin meiner Kinder eigentlich mag, sie hat sehr kreative Ideen, aber manche Erklärungen sind einfach zu kurz gegriffen und die Kinder verschriftlichen zu wenig. Bis nach Hause ist vieles bereits vergessen. Evtl. sollte im Zusammenhang mit Nachhilfe doch nochmal das Thema „kopieren“ oder „selber schreiben“ diskutiert werden? Wo wir wieder beim Thema Zeit und Lehrplanverschlankung wären.

    • „Allerdings erlebe ich gerade bei meinen eigenen Kindern, dass in Hausaufgaben auch viele neue Themen nach Hause entlastet werden, weil offenbar die Zeit in der Schule dafür nicht reicht. So mussten bereits Aufgaben des großen 1×1 gelöst werden, obwohl die Kinder nicht einmal das kleine 1×1 besprochen hatten.“

      Sollte es so sein, würde ich aber mal ein ernstes Wort mit der L sprechen. Bonuspunkte für die „nette Lehrerin“ oder ihre „kreativen Ideen“ können nicht darüber hinweg täuschen, dass die L offensichtlich ihrer originären Aufgabe, Lerninhalte gut verständlich in der Schule zu vermitteln, nicht nachkommt.
      Zuhause kann geübt werden, aber erst, wenn der Lernstoff verstanden worden ist.
      Zu wenig Zeit in der Schule? Das lasse ich nicht gelten!!

    • Es war wahrscheinlich nicht so gedacht, die Aufgaben halbschriftlich zu lösen. Ich sage als Lehrerin immer, die Eltern sollen bitte zu Hause nicht vorgreifen. Die schriftliche Subtraktion wird z.B. oft völlig falsch erklärt. Es ist viel sinnvoller, in so einem Fall die Lehrerin zu informieren, dass es zu schnell geht, bzw. dass zu Hause Probleme auftreten. Dann kann sie anders agieren. Wenn sie es nicht weiß, bleibt alles so, wie es ist.

    • @Dina
      Dem Kind beim großen Einmaleins über die halbschriftliche Methode zu helfen, halte ich für in Ordnung. Anders sähe es aus, wenn Sie ihm zu Hause die schriftliche Multiplikation beigebracht hätten.
      Die halbschriftliche Methode ist noch immer reines Kopfrechnen, nur dass die einzelnen Rechenschritte logisch geklärt und zur Absicherung schriftlich festgehalten werden.
      Z B. 8×17= 8×10 + 8×7 = 80 + 56 = 136
      Es gibt auch andere Schreibweisen – meist unter- statt nebeneinander -, die aber alle aufs Gleiche hinauslaufen: Die Lösung von Aufgaben aus dem sog. großen Einmaleins durch Zerlegung der Multiplikatoren.
      Mit dieser Hilfe haben Sie der Lehrerin m. E. nicht ins Handwerk gepfuscht, sondern ihrem Kind in der Zahlen- und Rechenlogik auf die Sprünge geholfen.
      Ich habe übrigens schon während der Einführung der einzelnen Einmaleinsreihen im Unterricht ständig Aufgaben dieser Art eingestreut mit dem Hinweis, dass sie nur lösen solle, wer sich dies zutraue. Für die guten Rechner war das von Anfang an ein Kinderspiel und im Laufe der Zeit kamen immer mehr hinter das „Geheimnis“ der Zerlegung von Aufgaben mit größeren Zahlen in mehrere mit kleinen.
      Bei den rein schriftlichen Rechenverfahren ist es allerdings meist kontraproduktiv, wenn Eltern den Lehrern ins Handwerk pfuschen. Hier sehe ich die Sache ganz anders als im halbschriftlichen Bereich.

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