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Flüchtlingsstrom sorgt für volle Kurse in Volkshochschulen – Deutschlehrer werden knapp

JENA. Für Flüchtlinge, die es nach Deutschland geschafft haben, ist dies das erste große Ziel: Deutsch lernen. Helfen könnten hierbei die Volkshochschulen. Doch das gestaltet sich schwierig.

Die Volkshochschulen in Thüringen erleben angesichts der rasant gestiegenen Flüchtlingszahlen einen regelrechten Ansturm – auch wenn Flüchtlinge selbst nur selten die Schulbank drücken können. Die Nachfrage nach Sprach- und Integrationskursen sei massiv, sagte Steffi Dietrich-Mehnert vom Landesverband der Volkshochschulen. Es kämen nicht nur Asylbewerber, sondern auch Helfer und Vertreter von Institutionen und Behörden, die Flüchtlinge unterstützen. Viele Volkshochschulen hätten deshalb kurzfristig mehr Kurse organisiert. Doch einige Einrichtungen stoßen inzwischen an die Grenzen ihrer Kapazität.

Für die Flüchtlinge selbst ist es noch immer schwer, am Integrationskurs einer Volkshochschule teilzunehmen. Sie hätten noch keinen Zugang zu den vom Bund geförderten Kursen, kritisierte die zuständige Fachreferentin. «An diesen Kursen kann bislang nur teilnehmen, wer eine Aufenthaltserlaubnis hat.» Dietrich-Mehnert begrüßte daher die von der Bundesregierung geplante Öffnung solcher Kurse für Flüchtlinge. Sie könnten damit erheblich leichter vermittelt werden. Bei einem Integrationskurs lernen Asylbewerber neben der deutschen Sprache auch das Bildungssystem kennen und erfahren außerdem, wie etwa in Deutschland Politik funktioniert.

Nach Ansicht des Bundesverbands der Volkshochschulen würde eine Öffnung jedoch «zu einer weiteren Nachfrage nach den Angeboten führen, der derzeit noch nicht entsprochen werden kann». Auch die Thüringer Einrichtungen bräuchten dann «dringend personelle und finanzielle Unterstützung», gab Dietrich-Mehnert zu bedenken. Bislang könnten neue Angebote für Flüchtlinge nur über Spenden von Privatpersonen und Unternehmen realisiert werden.

«Durch Spendengelder und viele ehrenamtliche Helfer können beispielsweise im Unstrut-Hainich-Kreis sechs zusätzliche Kurse angeboten werden», berichtete die Fachreferentin. Dort hätten sich pensionierte Grundschullehrer bereiterklärt, Flüchtlingen die deutsche Sprache beizubringen. Bislang habe es in Thüringen fast immer ausreichend ausgebildete Lehrkräfte gegeben. Das wird nach Angaben von Dietrich-Mehnert aber zunehmend schwieriger. «Zurzeit besteht für diese Deutschlehrer die Möglichkeit einer festen Anstellung im bezahlten Schuldienst.»

300.000 Flüchtlingskinder, so schätzt die KMK, werden 2015 die deutschen Schulen erreichen. Das Foto zeigt Jungen vor einem Flüchtlingscamp in Syrien. Foto: Freedom House / flickr (CC BY 2.0)

300.000 Flüchtlingskinder, so schätzt die KMK, werden 2015 die deutschen Schulen erreichen. Das Foto zeigt Jungen vor einem Flüchtlingscamp in Syrien. Foto: Freedom House / flickr (CC BY 2.0)

Das Land hatte die Zahl seiner Lehrer aufgestockt, die Deutsch als Zweitsprache unterrichten können. Nach Angaben des Bildungsministeriums werden derzeit 50 zusätzliche Pädagogen eingestellt. Bei Bedarf könnten sogar weitere Stellen geschaffen werden. «Aus diesem Grund entstehen erste Engpässe in ländlichen Regionen», berichtete Dietrich-Mehnert.

Die Häuser unterstützen darüber hinaus das Land bei der Qualifizierung von Lehrern, damit diese Flüchtlingskinder unterrichten können. 180 Pädagogen sollen den Angaben zufolge innerhalb von drei Jahren parallel zum Schulbetrieb weitergebildet werden. «Aktuell beginnt der erste Lehrgang für 64 Lehrer», erklärte Dietrich-Mehnert. dpa

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