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Nur Nachwuchsreservoir für die Wirtschaft? Verbände kämpfen für die Realschule

STUTTGART. Realschul-, Berufsschullehrer und Bund der Selbständigen (BDS) machen gemeinsam Front gegen das Kultusministerium und fordern den Erhalt der Realschule. Trotz steigender Anforderungen habe die Realschule die schlechtesten Rahmenbedingungen, sagte die Landeschefin des Realschullehrerverbands (RLV) Irmtrud Dethleffs-Niess in Stuttgart. Dies werde die Qualität der Mittleren Reife schwächen. «Eine solche Entwicklung schadet dem Wirtschaftsstandort Baden-Württemberg.» Der BDS als Vertreter kleiner Firmen unterstrich die Bedeutung der Realschule als Reservoir für Auszubildende in Zeiten des Fachkräftemangels.

BDS-Präsident Günther Hieber sagte: «Wir stehen am Ende der schulischen Wertschöpfungskette.» Sinke die Qualität des mittleren Abschlusses, müssten die Unternehmen «nachfüttern», anstatt sofort mit der Ausbildung zu beginnen. Klagten laut Hieber im Sommer 2010 in Baden-Württemberg noch rund ein Viertel der Mitglieds-Unternehmen im Südwesten über fehlende Bewerbungen, hat sich die Zahl innerhalb von fünf Jahren mit rund 60 Prozent mehr als verdoppelt. Vor allem das Handwerk suche händeringend Lehrlinge. Hier böten sich für junge Flüchtlinge große Chancen. Dafür müsse aber sprachliche Ausbildung vorgeschaltet werden. «Sonst geht alles ins Leere.»

Auszubildende sollten die gleichen Chancen haben, unabhängig von ihrer Herkunft, fordern die Forscher. (Foto: ME-Arbeitgeber/Flickr CC BY 2.0)

Realschüler werden besonders gerne als Auszubildende genommen. (Foto: ME-Arbeitgeber/Flickr CC BY 2.0)

Realschulen sind nach den Worten von Dethleffs-Niess vor allem im Vergleich zur Gemeinschaftsschulen schlechter gestellt. Die von Grün-Rot eingeführte Schulart sei bei Personal- und Sachkosten doppelt so gut ausgestattet wie die Realschule. Vor allem für individuelle Förderung sei die Zeit in der Realschule mit sechs Poolstunden pro Zug zu gering bemessen. Die Gemeinschaftsschule erhalte jedoch 20 Stunden dafür. Der RLV wies auch auf den dort günstigeren Klassenteiler hin. Die Regierung müsse nicht nur den Bestand der Realschule, sondern auch den Bildungsweg garantieren.

Lehrer könnten sich angesichts der angestrebten Integration behinderter Schüler und von Flüchtlingskindern an Realschulen mit ihrer ohnehin heterogenen Schülerschaft in vollen Klassen leicht überlastet fühlen, klagte Dethleffs-Niess. Auch der erfolgreiche Verbund von Realschule und beruflichem Schulwesen dürfe nicht gefährdet werden, forderte der Berufsschullehrerverband (BLV). Immerhin stammten 70 Prozent der Schüler der beruflichen Gymnasien, 64 Prozent der Schüler von Berufskollegs aus Realschulen, sagte Verbandschef Herbert Huber. Man dürfe nicht vergessen, dass die Realschule künftig mit rund 60 000 Abschlüssen pro Jahr die Schulart mit den meisten Absolventen sei.

Die Verbände befürchten, dass Grün-Rot die Realschulen mit der jüngsten Schulgesetzänderung in Richtung Gemeinschaftsschule drängen will. Damit werde festgeschrieben, dass Realschulen nicht auf gymnasialem Niveau unterrichten dürften, meinte Dethleffs-Niess. «Wir wollen aber alle Niveaus bedienen.» Immerhin hätten rund 20 Prozent der Realschüler eine Empfehlung für das Gymnasium. Nach Leistungsstufen getrennter Unterricht werde durch die Novelle nicht ermöglicht – was neben den Verbänden auch die Opposition im Landtag heftig moniert. Die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft sieht die Realschulen durch die Novelle gestärkt, andere Behauptungen seien «durchsichtige Wahlkampfmanöver». dpa

Ein Kommentar

  1. Das Schulsystem wird schon noch zu Grunde reformiert – keine Angst. Die Universitäten wurden mit Bologna kaputt gemacht, die Gymnasien mit G8 – so wird es weitergehen.

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