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Forscher: So gewinnt man keinen Nobelpreis – die qualifizierten Verlierer der Medizingeschichte

KÖLN. Während die ganze Welt über die frisch gekürten Nobelpreisträger spricht, würdigt Nils Hansson in seinem Habilitationsprojekt Wissenschaftler, die leer ausgegangen sind – die „qualifizierten Verlierer“, wie er sie nennt. Der Kölner Medizinhistoriker hat die Geschichte des berühmten Preises erforscht und ist der Frage nachgegangen, wie die Auswahl der Preisträger hinter den Kulissen vonstattenging. In seiner Forschung erläutert er, warum selbst exzellente Wissenschaftler keinen Nobelpreis gewinnen.

Den Nobelpreis – so hat Alfred Nobel es in seinem Testament festgelegt – sollen diejenigen bekommen, die der Menschheit den größten Nutzen erbracht haben. Diese Vorgabe schafft einen großen Interpretationsspielraum für das Nobelkomitee. Zu diesem Ergebnis kam Hansson, nachdem er im schwedischen Karolinska-Institut über die Verleihung des Nobelpreises für Physiologie oder Medizin geforscht hat.

„In meiner Forschung beleuchte ich am Beispiel des Nobelpreises für Physiologie oder Medizin Mechanismen hinter Belohnungssystemen in der Wissenschaft. Damit biete ich neue Perspektiven auf die Herausbildung wissenschaftlicher Exzellenz“, sagt Hansson.

Der Vater des modernen Fitnessstudios: Gustav Zander. (Foto: Wikimedia Gemeinfrei)

Der Vater des modernen Fitnessstudios: Gustav Zander um 1890. (Foto: Wikimedia Gemeinfrei)

Hansson hat nachgewiesen, dass es in der Vergangenheit weniger Medaillen als preiswürdige Nominierte gab. Als sich zum Beispiel zwischen den 1940er und 1960er Jahren die Herzchirurgie entwickelte, sah das Nobelpreiskomitee keine Möglichkeit, die Fortschritte an einzelnen Personen festzumachen. Folglich wurde niemand aus diesem Bereich mit dem Preis geehrt. Das ist aber nicht der einzige Grund dafür, dass renommierte Forscher den Preis letztendlich nie erhielten. Manchmal wurden die Preisverdächtigen einfach zu schlecht verkauft. Denn die Nominierungsberechtigten kann man laut Hansson mit Verkäufern vergleichen, die ihren Vorschlag mal mehr und mal weniger überzeugend vermitteln. Weiterhin hat er untersucht, inwiefern politische Umstände ebenso wie die Herkunft oder das Geschlecht der Nominierten in der Vergangenheit Rollen im Nominierungsverfahren gespielt haben. In anderen Fällen waren Mediziner/innen schließlich der Zeit zu weit voraus, um den wichtigsten Preis ihrer Disziplin zu bekommen. So war es etwa bei dem schwedischen Arzt Gustav Zander, der als Vater des modernen Fitnessstudios gilt. Nachdem er die medico-mechanischen Therapie bereits in den 1860er Jahren entwickelt hat, sollte es noch gut 100 Jahre bis zum Durchbruch seiner Idee dauern.

Die Tatsache, dass viele großartige Wissenschaftler/innen nie einen Nobelpreis erhalten haben, bedeutet für Hansson jedoch nicht unbedingt, dass ihn andere zu Unrecht bekommen haben: „Da der Nobelpreis seit mehr als hundert Jahren von Wissenschaftlern und Laien als der weltweit ehrwürdigste wissenschaftliche Preis angesehen wird, hat das Nobelkomitee wohl in den meisten Fällen gute Entscheidungen getroffen“, sagt Hansson. nin

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