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Streit um die Lehrerausbildung in Schleswig Holstein flackert wieder auf

KIEL. Die Einführung der neuen Lehrerausbildung in Schleswig Holstein hatte vor einem Jahr für heftige Querelen gesorgt. Im Landtag stritten jetzt erneut Regierung und Opposition. Während Wissenschaftsministerin Kristin Alheit eine positive Bilanz zog, spricht die Opposition vom Löcherstopfen.

Die neue Lehrerausbildung in Schleswig-Holstein bewährt sich nach Ansicht von Wissenschaftsministerin Kristin Alheit (SPD). Im Landtag zog sie jetzt eine durchweg positive Zwischenbilanz der im Juli 2014 geänderten Lehrerausbildung. Die neuen Studiengänge seien akkreditiert, die Abschlüsse in anderen Bundesländern anerkannt und die Schulen im Norden würden sich um die Bachelor-Absolventen für ein Praxissemester reißen. Der geplante Kostenrahmen werde eingehalten.

Um die Reform der Lehrerausbildung im Norden hatte es heftige Verwerfungen gegeben. Foto: Jirka Matousek / flickr (CC BY 2.0)

Um die Reform der Lehrerausbildung im Norden hatte es heftige Verwerfungen gegeben. Foto: Jirka Matousek / flickr (CC BY 2.0)

Auch Redner von SPD und Grünen lobten die Reform, wonach statt Gymnasiallehrern künftig Stufenlehrer für die Klassen 5 bis 13 in allen Schularten in Kiel und Flensburg ausgebildet werden. Die Opposition bewertete die Reform und ihre Umsetzung negativ. Die Schulen nutzten das Praxissemester von Bachelor-Absolventen, um Löcher bei der Unterrichtsversorgung zu stopfen, kritisierte die CDU-Abgeordnete Heike Franzen.

Ihr FDP-Kollege Christopher Voigt ergänzte, «natürlich nehmen die Schulen Hochschulabsolventen, die kostenlos für sie arbeiten». Es handle sich um eine Sparmaßnahme und keine vernünftige Lösung. Im übrigen würden die naturwissenschaftlichen und technischen Lehrerstudiengänge nicht nennenswert ausgebaut, obwohl Ministerpräsident Torsten Albig (SPD) dies als einen zentrales Motiv für die Reform genannt habe.

Franzen kritisierte auch, dass die Landesregierung 475 Referendariatsplätze gestrichen habe. Und im Studiengang Sonderpädagogik in Flensburg müssten mangels Kapazität zwei Drittel der Bewerber abgewiesen werden. Laut Opposition werden die künftigen neuen Studiengänge in anderen Bundesländern nur für die Sekundarstufe I, also die Klassen 5 bis 10 anerkannt. Ob die neue Lehrerausbildung sich bewähren werde, sei noch nicht absehbar.

Vor der Einführung der neuen Lehrerausbildung hatte es lange Querelen zwischen den beteiligten Hochschulen in Kiel und Flensburg sowie dem Bildungsministerium gegeben. In deren Rahmen war auch die später zurückgetretene Bildungsministerin Waltraud Wende unter starken Druck geraten.

Die Pläne führten zu einem erbittertem Streit der Universitäten. Das Studienangebot in Flensburg wurde deutlich aufgewertet. Dort werden nunmehr Sekundarlehrer bis zur Klasse 13 in elf Fächern ausgebildet. Bei den Naturwissenschaften blieb es bei der Ausbildung mit Abschluss Sekundarstufe I (Klasse 5 bis 10). Darauf hatten sich beide Unis schließlich mit dem Ministerium verständigt.

Ministerpräsident Torsten Albig (SPD) hatte die Bildung zu einem Schwerpunkt seiner Regierung erklärt. Nach der Einführung des zweigliedrigen Schulsystems bestehend aus Gymnasien und Gemeinschaftsschulen, die auch zum Abitur führen können, sollte dem auch die Lehrerausbildung folgen.

Im Kern sollte die Ausbildung einheitlicher gestaltet werden. Opposition und Philologenverband sprechen deshalb vom «Einheitslehrer». Der Gymnasiallehrerverband sah gar die Zukunft der Gymnasien gefährdet, weil damit der Weg zu einer «Einheitsschule» geebnet werde. Auch die FDP hatte der Regierungskoalition vorgeworfen, über die notwendige Anpassung der Lehrerausbildung an das Schulsystem hinauszugehen.

Streit hatte es seinerzeit auch um die Besoldung der Lehrer gegeben. Nach dem nun vorliegenden Gesetzentwurf sollen künftig alle neuen Lehrer an weiterführenden Schulen gleich bezahlt werden – unabhängig davon, ob sie an Gymnasien oder an Gemeinschaftsschulen unterrichten. (News4teachers, dpa)

• zum Bericht: A13 für (fast) alle: Schleswig-Holstein gleicht Lehrerbesoldung an – Grundschulen bleiben außen vor
• zum Bericht: Ausbildungsreform beschlossen: Schleswig-Holstein bekommt den umstrittenen „Einheitslehrer“
• zum Bericht: Der einstudierte Praxisschock – so kritikwürdig ist die Lehrerausbildung

2 Kommentare

  1. Es ist aber auch so etwas von ungerecht, dass selbst Grundschulgabis ihr Lehramtsstudium mit einem Masterabschluss und den Vorbereitungsdienst mit einem Zweiten Staatsexamen abschließen. Im Regelfall sind das die Voraussetzungen zur Übernahme in den höheren Staasdienst. Der Unterrichtseinsatz in der gymnasialen Oberstufe ist kein dienstrechtliches Kriterium für den Besoldungsunterschied. Juristen bekommen im Staatsdienst auch die gleiche Besoldung bei gleicher Dienstzeit, egal ob sie an einem Amtsgericht oder einem Oberlandesgericht ihre erste dienstliche Verwendung finden. Der DPhV betreibt nichts anders als Besitzstandswahrung, vermutlich ist die Angst zu groß, dass zukünftig die Eingangsbesoldung im Lehramt bei A12 für alle liegen könnte.

    • Kleiner Nachtrag; was leisten A13er an „Schulen des längeren gemeinsamen Lernens“ – egal wie sie länderspezifisch gerade heißen – mehr als ihre A12-Kollegem?

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