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Was die Uni von der Schule lernen kann – und umgekehrt: Fünf Vorschläge

Was würde Humboldt von der heutigen Bildung denken? Humboldt-Denkmal vor der Berliner Humboldt-Universität. Foto: Dierk Schaefer / flickr (CC BY 2.0)

Was würde Humboldt von der heutigen Bildung denken? Humboldt-Denkmal vor der Berliner Humboldt-Universität. Foto: Dierk Schaefer / flickr (CC BY 2.0)

DÜSSELDORF. Lehre und Unterricht verbindet einiges, auch wenn der Alltag der jeweiligen Lehrer häufig sehr unterschiedlich aussieht. Experten wie der Bildungsforscher Manfred Prenzel finden, dass sie mehr voneinander lernen sollten. Wir haben fünf Punkte zusammengestellt, bei denen man anfangen könnte.

 

  1. Lehre und Unterricht haben dieselben Ziele. Bildungsforscher Professor Manfred Prenzel führt dazu gegenüber der Wochenzeitung „die Zeit“ aus: „Die Lehre hat, genau wie der Unterricht – das Ziel, die Wahrscheinlichkeit, etwas zu lernen zu erhöhen. Im Gegensatz zu jemanden, der allein lernt.“ Ebenso wie in der Schule setze sich auch an der Uni die Einsicht durch, dass Vorlesungen bzw. Frontalunterricht nicht immer das beste Mittel sind, um Wissen zugänglich zu machen.
  2. Auseinandersetzung über die Inhalte der Lehre. Durch die oft kritisierte Bologna-Reform hat sich zumindest schon mal in dieser Hinsicht an den Unis etwa bewegt. Für Lehrer gehören dagegen Diskussionen darüber, was die Schüler lernen sollen, schon lange selbstverständlich zum Alltag.
  3. Die professionelle Ausbildung. Ein Hochschullehrer lernt die Lehre meist „learning by doing“ von seinen Kollegen und Vorgesetzten, es hängt also stark von Zufall und Glück ab, ob er ein guter Lehrer ist. Gute Lehre hängt jedoch von mehr ab, etwa einer guten Planung.
  4. Umgang mit Erfolgserlebnissen. Leider ist das mit den Erfolgserlebnissen im Lehrerberuf eine schwierige Sache. Das führt dazu, dass die Lehre unter Hochschuldozenten meist stiefmütterlich behandelt wird. Denn der Lehrerfolg ist viel schwerer zu fassen, als etwa eingeworbene Drittmittel oder Veröffentlichungen in Fachmagazinen. Lehrer in Schulen wissen das und haben gelernt, damit umzugehen.
  5. Die Verbindung von Theorie und Praxis. Vorbildlich ist die Rückkopplung an die Praxis im Studiengang Medizin. Die Professoren in den Uni-Kliniken im praktischen Jahr sehen sofort, was ihre früheren Studenten können und was nicht. Damit hat man eine direkte Rückbindung der Theorie an die Praxis. „Leider mangelt es daran in vielen anderen Fächern, auch in der Lehrerbildung, bemängelt Professor Prenzel in der “Zeit“. Denn wie sich die Studenten in der Praxis bewähren, bekommt ein Fachdidaktiker an der Uni normalerweise nicht mit.“ Nina Braun

3 Kommentare

  1. Ich schreibe mal für die (harten) Naturwissenschaften: Der Unterricht an der Uni besteht aus Vorlesung durch den Professor (2x90min), Hausaufgaben in Eigenregie bzw. Lerngruppe und Besprechen mit einer studentischen Hilfskraft (1x90min). Das Stoffpensum des Themas „Funktionentheorie“, „Festkörperphysik“, „Betriebssysteme“ oder „Anorganische Chemie“, „Wetterbeobachtung“ lässt sich anders auch nicht an die Tafel schreiben, Fragen klärt der Student sowieso erst in der Lerngruppe und später in der Übungsveranstaltung. In den experimentellen Fächern kommen noch die Laborpraktika dazu.

    In den Geisteswissenschaften müssen es auch mal hoffnungslos überlaufene Seminarveranstaltungen sein, bei denen aufgrund der schieren Menschenmasse auch kurze Gruppenreferate die Creditpoints / Scheine liefern. Der Lernerfolg hält sich dabei in natürlichen Grenzen.

  2. Dazu kommt noch, dass es in der Lehrerbildung durchaus Veranstaltungen an der Uni gibt aus denen bestimmte Lehrergruppen (Studierende) von dem Dozenten entfernt werden. Die Gründe sind dann oft sehr fadenscheinig. Komilitonen konnten von solchen Dozenten berichten. Müssen die Studenten an zwei Universitäten studieren, weil es nicht anders geht, ist durch aus mit Kommunikationsproblemen zwischen den beiden zu rechnen.

    @Redaktion
    Ist bekannt an welchem Institut /welcher Uni Herr Prenzel seinen Lehrstuhl (?)/ Wirkbereich (?) hat?

  3. Liebe Biene,

    Prenzel ist Inhaber eines Lehrstuhls für Empirische Bildungsforschung der TU München und Vorsitzender des Wissenschaftsrats. Bekannt wurde er als PISA-Koordinator, damals in seiner Funktion als Geschäftsführender Direktor des Leibniz-Instituts für die Pädagogik der Naturwissenschaften (IPN) an der Universität Kiel.

    Herzliche Grüße
    Die Redaktion

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